Erneuerung

Erneuerung (Raw Frand zu Chanukka 5764 (Beitrag 2))

Vor dem Anzünden der Chanukka-Lichter sagen wir zwei Segenssprüche: "... der uns geheiligt hat mit Seinen Geboten und uns befohlen hat, Chanukkalichter anzuzünden" und "... der Wunder vollbracht hat für unsere Väter in jenen Tagen zu dieser Zeit". Das "Wunder", auf das sich der zweite Segensspruch bezieht, ist das Wunder mit dem Ölkrüglein. Nur dank g'ttlicher Vorsehung konnte überhaupt ein Krüglein mit reinem Öl aufgestöbert werden und dieses Öl brannte dann auf wunderbare Weise acht Tage lang.

Rav Pam bemerkt dazu folgendes: Im Beit HaMikdasch (Tempel) gab es Wunder Tag für Tag. Die Mischna [Avot 5:5] zählt die Wunder auf: "Das Lechem HaPanim wurde nie altbacken, nie kam eine Fliege auf das Opferfleisch usw." Wenn dem so ist, fragt Rav Pam, warum sagen wir nicht jeden Tag einen Segensspruch "... der Wunder vollbracht hat für unsere Väter in jenen Tagen zu dieser Zeit"? Was macht dieses Chanukkawunder so aussergewöhnlich, dass nur dieses Wunder mit einem besonderen Segensspruch bedacht wird?

Rav Pam beantwortet diese Frage, indem er einen berühmten Kommentar des Pnej Jehoschua zum Talmud-Traktat Schabbat zitiert. Viele Erklärer fragen, wieso das Wunder mit dem Krüglein reinen Öles überhaupt notwendig war. (Gemäss dem halachischen Prinzip "Tumah hutra (oder dechuja) beZibur" kann der Dienst im Tempel sogar in unreinem Zustand ausgeführt werden, wenn die Mehrheit des Volkes unrein ist.) Wenn das Wunder nicht eingetreten wäre, hätte man die Menora (Leuchter) eben mit unreinem Öl angezündet! Der Pnej Jehoschua antwortet, indem er dieser Überlegung beipflichtet und eingesteht, dass das Ölwunder von Chanukka gemäss jüdischer Gesetzeslehre unnötig gewesen wäre. Er meint, der Grund, wieso G'tt dieses Wunder vollbrachte, sei nur gewesen, um dem jüdischen Volk ein zusätzliches Mass an Zuwendung ("Chibah jeterah") zu zeigen.

Was versteht der Pnej Jehoschua unter dem Begriff "Chibah jeterah"?

"Chibah jeterah" kann man gemäss dem Kommentar des Ba'ch zum Tur am Anfang der Gesetze von Chanukka (Kapitel 670) wie folgt verstehen: Der Ba'ch weist darauf hin, dass das jüdische Volk nicht ohne Grund den Zwangsmassnahmen der Hellenisten unterworfen wurde und dass das Bejt HaMikdasch nicht grundlos von Heiden entweiht wurde. Die Juden mussten etwas Schreckliches verbrochen haben, um eine solche Strafe zu verdienen. Er glaubt, dass die Sünde darin bestanden hatte, dass sie in ihrem G'ttesdienst nachlässig und gleichgültig geworden waren. Sie übten den Dienst im Bejt HaMikdasch gedankenlos und ohne Begeisterung aus.

G'tt straft Mass für Mass. "Wenn ihr glaubt, dass der Dienst im Bejt HaMikdasch etwas Selbstverständliches ist, so werde Ich euch dieses Privileg entziehen."

Die Söhne von Matitjahu stellten sich daraufhin wieder voll in den Dienst der Sache. Für den Dienst im Bejt HaMikdasch zogen sie in den Krieg. Neuer Eifer und Hingabe flammten auf. Das jüdische Volk zog sich sozusagen am eigenen Schopf wieder aus dem Sumpf. Ja, sie hatten sich weit entfernt. Ja, sie waren nachlässig geworden. Aber sie kehrten mit neuer Kraft und neuem Enthusiasmus für den G'ttesdienst zurück. Sie "stellten den früheren Glanz der Krone wieder her".

Der Pnej Jehoschua meint mit der Aussage, dass G'tt ihnen "Chibah jeterah" zukommen liess, folgendes: Ein Mann und eine Frau hatten einen schrecklichen Ehekrach und versöhnten sich anschliessend wieder. Doch die Frage stand im Raum: Ist ihre jetzige Liebe, ihre jetzige Verbindung die gleiche wie früher? Manchmal ist es schwer, die frühere Stufe wieder zu erklimmen. G'tt wollte dem jüdischen Volk zeigen, dass - nachdem sie Teschuva (Rückkehr) gemacht hatten - Seine Beziehung zu ihm so gut wie früher war. Von G'ttes Seite gab es keine stillen Vorwürfe mehr. Die Beziehung war - nach der Teschuva - aus Seiner Sicht vollkommen wie früher. Es ist wahr: Unreines Öl hätte unter den herrschenden Umständen (von allgemeiner Unreinheit) gereicht. G'tt wollte jedoch zeigen, dass seine Beziehung zum jüdischen Volk wieder vollständig dieselbe war, wie in "alten Tagen". Um dies zu zeigen, war er bereit, die Natur auf wundertätige Weise zu verändern.

Ja, das Bejt HaMikdasch war voll von Übernatürlichem. Aber dieses eine Wunder war aussergewöhnlich. Dies ist das Wunder, das zeigt, dass G'tt uns zurückkehren lässt und uns keine nachträglichen Vorhaltungen macht - wenn wir aufrichtig und mit vollständiger Teschuva zu Ihm zurückkommen.

Dem Bnej Jissaschar fällt auf, dass Chanukka als einziger der jüdischen Festtage zwei Monate berührt (Kislev und Tevet). Deshalb fällt immer ein "Rosch Chodesch" (Monatserster) auf diese Feiertage. Warum?

Wir können vielleicht antworten, dass Rosch Chodesch den gleichen Sinn verfolgt wie Chanukka. Rosch Chodesch symbolisiert Erneuerung (des Mondes und des Monates). Dies ist auch der Grundgedanke von Chanukka - die Erneuerung des jüdischen Geistes und die Erneuerung des Dienstes im Bejt HaMikdasch.

Das jüdische Volk wird mit dem Mond verglichen - manchmal scheint sich sein Geschick zu verdüstern und zu erschöpfen. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass es sich in Zukunft wieder erneuert. Unsere Beziehung zum Allmächtigen verhält sich ähnlich. Es gibt Höhen und Tiefen. Es gibt Berge und Täler. Es gibt ein Wachsen und ein Schrumpfen. Rosch Chodesch zeigt, dass es Erneuerung gibt. Es gibt einen Neumond. Der Mond kehrt zurück. Er kann wachsen.

Aus diesem Grund hängt Chanukka mit Rosch Chodesch zusammen. Die ganze Geschichte von Chanukka dreht sich um das Verhältnis des jüdischen Volkes zu G'tt. Es kühlte sich ab, aber das jüdische Volk kehrte zurück und die Beziehung blühte wieder vollständig in ihrem früheren Glanz auf.

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