Die Bedeutung der Tora-Lesung am Chanukka

Die Bedeutung der Tora-Lesung am Chanukka (Raw Frand zu Chanukka 5771)

Der Derech Haschem schreibt, dass die Tora-Lesung jedes Festtages als geeigneter Kanal für himmlischen Fülle dient, einzigartig für diesen bestimmten Festtag. Zum Beispiel ist die Tora-Lesung von Purim "Und Amalek kam..." [Schemot Kapitel 17], weil Purim der Tag ist, an dem das jüdische Volk gegen Amalek kämpfte und an dem wir uns an unseren kontinuierlichen Kampf mit Amalek erinnern müssen. Diese Tora-Lesung welche den Sieg des Klal Jisrael über Amalek beschreibt, dient als Kanal für die Fülle des Himmels, um dem jüdischen Volk die Kraft zu geben in ihrem kontinuierlichen Kampf gegen Amalek.

Ebenso lesen wir am ersten Tag Schawuot das Kapitel [Schemot 19] über die Übergabe der Tora an das Jüdische Volk (Und Israel lagerte dort gegenüber dem Berg...), weil Schawuot der Tag ist, an dem die Tora empfangen wurde. Wir lesen dann den dazu passenden Tora Abschnitt, um die himmlische Fülle auf uns zu bringen, sodass wir die Torah auf einer ständigen Basis empfangen können.

Die Tora-Lesung für jeden Festtag passt geistig zu den Geschehnissen dieses Tages. Die Tora-Lesung am Chanukka hat jedoch keinen ersichtlichen Zusammenhang mit dem Festtag.

Die Tora-Lesung am Chanukka ist der Abschnitt der Korbanot (Opfer) der Nesijim (Fürsten) während der Einweihung des Mischkan (Stiftzelt, Tabernakel) und des Misbeach (Altar) [Bamidbar Kapitel 7]. Man könnte sich zu Recht fragen – was hat dies mit Chanukka zu tun? Zugegeben, Chanukka wurde nur von den Rabbinern angeordnet und es besteht deshalb kein biblischer Ursprung, der die Ereignisse von Chanukka bespricht. Wenn man dies berücksichtigt, ist es wohl nicht weit hergeholt, wenn man zwischen der Einweihung des Misbeach zu Zeiten des Mischkan in der Wüste und des Misbeach am Chanukka einen Zusammenhang erkennt. Aber ohne weitere Erleuchtungen scheint aber diese Verbindung eher dürftig.

Raw Matitjahu Salomon verschafft uns diesen Einblick. Er bemerkt eine tiefgründige Verbindung. Raw Salomon argumentiert, dass in den von den Nesijim gebrachten Korbanot eine Botschaft steckt, die wirklich eine der hauptsächlichen Konzepte von Chanukka ist. Er zitiert einen berühmten Bach (Raw Joel Sirkas) in Hilchot Chanukka, der frägt, weshalb wir eine Mizwa haben, am Purim ein Festmahl zu haben, und nicht am Chanukka. Der Bach erklärt, dass Purim wegen einer Sünde des Essens geschah (die Jehudim nahmen am Fest des Königs Achaschwerosch teil, bei welchem er unkoschere Speisen u.a. auch in Gefässen des Bet Hamikdasch servierte). Da ihre Körper von dieser Mahlzeit profitierten, gab es ein Verhängnis gegen ihre Körper und sie wurden zum Tod verurteilt. Die Jehudim taten Teschuwa indem sie fasteten. Das Fasten diente als Sühne für das unangebrachte Essen am Fest des Königs. Haschem antwortete auf ihre Teschuwa indem Er sie rettete und ihnen die Mizwa gab, in Erinnerung an diese Rettung zu feiern und zu essen.

Im Gegensatz dazu hatte Chanukka nichts mit Essen zu tun. Die Strafe, die vor dem Chanukka Wunder auf das Jüdische Volk durch die Griechen kam, geschah, weil die Jehudim in ihrem Dienst nachliessen (hitraschlu beAwoda). Sie nahmen die Awoda im Bet HaMikdasch (Tempeldienst) nicht mehr ernst. Sie waren nicht motiviert. Sie taten es zwangsläufig.

Was war die himmlische Strafe? "Ihr seid nicht am Bet HaMikdasch interessiert? In Ordnung. Ich werde es von euch wegnehmen." Als Folge davon konnten sie das tägliche Opfer nicht mehr darbringen und das Zünden der Menora wurde ihnen verwehrt.

Die Jehudim machten Teschuwa. Sie kämpften gegen das griechische Imperium und riskierten ihr Leben, um die Awoda im Bet Hamikdasch wieder einzuführen. Deshalb verdienten sie den Himmlischen Beistand und das Wunder von Chanukka geschah, um den Priestern zu ermöglichen, die Awoda korrekt auszuführen – das Wunder des Öls, das acht Tage lang brannte.

Die Tora berichtet, dass die Nesijim die Awnej Schoham und Awnej Milu’im (diverse Edelsteine) für das Efod und das Choschen (Kleider des Hohenpriesters) brachten. Der Ausdruck „Nesijim“ (Fürsten) wird jedoch unvollständig geschrieben (ohne ‘Jud’) [Schemot 35:27]. Raschi in Wajakhel erklärt, als Geld für das Mischkan gesammelt wurde und man die Nesijim deswegen ansprach, sie entgegneten "Kommt später wieder. Geht zuerst zu den andern und wir werden später das Fehlende spenden."

Fast das ganze Budget wurde jedoch von den anderen Spendern gedeckt und die Nesijim konnten fast nichts mehr geben. Das einzige, das übrig blieb, waren die kostbaren Steine für die Kleider des Hohepriesters, was sie dann auch spendeten. Zu Beginn jedoch waren sie nicht eifrig genug und bemühten sich nicht darum zu den ersten zu gehören, die sich an der Sammlung für das Mischkan beteiligten. Die Tora deutet diese Unterlassung durch die unvollständige Schreibweise des Wortes Nesijim an.

Die Nesijim lernten aber ihre Lektion. Bei der Einweihung des Misbe’ach spendeten sie als erste. Sie würden es nicht zulassen, denselben Fehler zu wiederholen.

Das Kapitel über die Nesijim ist also die Geschichte von Leuten, die aus ihren Fehlern lernten. Deshalb ist es angebracht, diesen Abschnitt am Chanukka zu lesen. Das Chanukka-Wunder geschah durch die Teschuwa als Folge vom Nachlassen bei der Awoda des Bet HaMikdasch. Daher macht es Sinn, das Kapitel der Nesijim zu lesen, die auch einmal den gleichen Fehler taten. Gleich wie die Nesijim für ihre Sünde während der Einweihung des Misbe’ach sühnten, so lehrte auch die Teschuwa welche zum Chanukka Wunder und der Einweihung des Misbe’ach führten, die Jehudim jener Generation und die aller Generationen, die Awoda im Bet HaMikdasch nicht zu vernachlässigen.

Die Lektion von Chanukka und seiner Tora- Lesung ist, dass wir Haschem immer mit Enthusiasmus und Engagement dienen müssen.



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