Sukkot

Simchat Bejt Haschoejwa – Das Glücksgefühl der Einheit 

  

Während der Tempelzeit wurde eine einzigartige Form eines Opfers auf dem Misbe'ach, dem Altar, während Sukkot dargebracht. An jedem Morgen von Sukkot wurde ein Trankopfer auf den Misbe'ach gegossen, als das tägliche Morgenopfer (Tamid schel Schachar) dargebracht wurde. Das Giessen des Wassers, "Nissuch Hamajim", wurde mit viel Fanfare gefeiert. Vom Vorabend an versammelten sich Menschenmassen auf dem Tempelberg, um zuzuschauen, wie die grossen Weisen der Generation anlässlich des speziellen Ereignisses tanzten, Vorführungen durchführten und sangen. Spezielle riesige goldene Leuchter wurden angezündet, deren Lichter ganz Jerusalem erleuchteten. Dies geschah jede Nacht von Sukkot, ausser am Schabbat und am ersten Abend. Unsere Weisen schrieben (Sukka 51a): "Wer diese Feier nicht gesehen hat, hat nie in seinem Leben eine Feier gesehen." Die Feier wurde als Simchat Bejt Hascho’ejwa – die Freude des Hauses des Wasserschöpfens – bekannt (scho'ew bedeutet Schöpfen).

Warum wurde am Sukkot ein spezielles Wasseropfer dargebracht? Der Talmud (Rosch Haschana 16a) schreibt, dass nachdem die Welt am Sukkot bezüglich des Wassers gerichtet wird, wir ein Wasseropfer bringen, damit der Regen im kommenden Jahr gebenscht (gesegnet) sein soll.

Ein weiterer Grund dafür, warum Sukkot der Festtag ist, an dem wir die Simchat Bejt Hascho’ejwa feiern, ist damit verbunden, dass Sukkot gerade nach Jom Kippur in der Zeit des Einbringens der Früchte und des Getreides stattfindet. Während der Erntezeit kann ein Mensch hochmütig werden und Haschem vergessen. Dieser Hochmut betrifft natürlich nicht nur Bauern. Die Weisen können sich ihr Wissen zum Verdienst anrechnen, und diejenigen mit einem feinen Charakter können sich ihr gutes Benehmen zum Verdienst anrechnen. Das Entscheidende ist, dass alles, das wir erhalten, sei es Geld, Weisheit oder Respekt, von G"tt kommt. Wenn Menschen dies vergessen, beginnen die Probleme. Der Mensch beginnt zu denken, dass er einem anderen überlegen ist. Ein Mensch wird in seinen Gedanken vielleicht Gesellschaftsklassen bilden und die Bevölkerung in Kategorien von Werten aufteilen. All dies schafft Zwietracht und Spannungen, und die Einheit in Israel kann und wird nicht existieren, wenn Menschen so denken.

Am Jom Kippur stehen wir alle Seite an Seite und werden gerichtet. Wir bitten G"tt um Verzeihung. Wir bitten um Gnade. Wir bekräftigen, dass wir all diese schlechten Taten nicht wieder tun werden. Am Jom Kippur bin ich kein besserer Mensch als der nächste. Ich mag vielleicht reich sein, aber der andere kann ein besserer Mensch sein. Ich bin klug, aber die andere Person ist vielleicht gerechter als ich. Die Spaltungen, die wir in unserem Kopf geschaffen haben, zerfallen. Wir realisieren, dass alles, was ein Mensch hat, von G"tt kommt, und dass wir wirklich alle auf der gleichen Stufe sind. Die Schranken gegen eine Einheit, die unser Jezer Hara (böse Trieb) errichtet hat, zerfallen. Am Jom Kippur sind wir ein vereinigtes Volk, und vereinigt wollen wir bleiben.

Am Sukkot ziehen sowohl Reiche als auch Arme ins Freie in provisorische Wohnstätten. Wir werden alle nur von G"tt beschützt. Unsere Einheit wird gestärkt. Wir sind eine Nation, wir feiern alle den Feiertag Sukkot zusammen in Freude. G"tt erinnert uns daran, dass Er jeden von uns liebt, ungeachtet unseres Status auf Erden. Normalerweise wird Wein auf den Altar gegossen. Ein vorzüglicher Wein wird verwendet. Die Reben werden vorsichtig gezüchtet, die Trauben liebevoll gepflückt, der Wein gekonnt ausgepresst und gründlich filtriert. Er ist das Produkt von Mühe, Schweiss und Energie.

Am Sukkot wird auch Wasser auf den Altar gegossen. Wasser ist klar. Was du siehst, das erhältst du. Keine Arbeit wurde aufgewendet, um dieses Wasser zu produzieren. Und doch wird das Wasser auf dem Altar wie der Wein angenommen. Einfaches Wasser steht auf derselben Stellung wie ein feiner Wein. Der gemeinsame Nenner zwischen diesen beiden ist, dass sie rein und unverfälscht bleiben müssen. Wir mögen wie feiner Wein sein, das Produkt von viel Mühe, Schweiss und Tränen. Wir mögen wie Wasser sein, einfach und unkompliziert. Diese Einstufung ist jedoch irrelevant, sagt uns G"tt, solange wir reine Gedanken haben und Seinem Dienst verpflichtet sind. Wenn wir gedenken, dass dies wichtig ist und dass die äussere Aufmachung nur ein Drum und Dran ist, hilft es uns zu realisieren, dass G"tt Derjenige ist, der uns die Aufmachung überhaupt erst gegeben hat. Wenn wir uns darauf konzentrieren, wird die Einheit sicher beständig sein.

Warum ist Sukkot eine Zeit des Feierns? Wenn das Wasser auf den Altar gegossen wird, sehen wir alle, dass Haschem unseren ganzen Dienst an Ihm akzeptiert, solange es mit einer Reinheit des Herzens getan wird. Wir können uns mit der Tatsache trösten, dass Haschem sieht, dass wir Ihm dienen wollen und dass die Mizwot, die wir tun, mit diesem Gedanken erfüllt werden. Obwohl unsere Gebete vielleicht nicht perfekt und unsere Observanz minderwertig sind, wird unser Dienst bereitwillig akzeptiert, wenn wir mit unserem ganzen Herzen versucht haben, Haschem richtig zu dienen. Die Tatsache, dass Haschem uns diese Botschaft gerade nach Jom Kippur vermittelt, ist ein Grund zur Freude.

Sukkot ist eine Zeit, da wir die Erfahrung von Jom Kippur in uns selbst einprägen sollten. Am  Jom Kippur standen wir alle als Ebenbürtige zusammen und baten Haschem um Vergebung und ein gutes Jahr. Wir demonstrierten nach aussen, dass wir wissen, dass Haschem Derjenige ist, Der uns alles Gute, das wir erhalten, verleiht. Dieses Bekenntnis ist auch eine Bestätigung unseres Glaubens, dass wir wahrlich ein Volk sind, das im Dienste G"ttes vereinigt ist. Wenn wir alle diese Lektion am Sukkot bekräftigen, wie Haschem es von uns will, können wir sicher sein, dass dies in der Tat ein gelungenes und gesundes Jahr für uns und all unseren Brüdern und Schwestern bescheren wird.

(Basiert auch auf Sefer Ha'Toda’ah)

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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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