Tewet 
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Gedanken unserer Gelehrten zu Chanukka

Rabbejnu Jona: Die Gewichtung der Chanukka-Wunder

Die Übersetzung und Bearbeitung der Gedanken erfolgte durch Herrn Gill Barnea, Düsseldorf – Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Warum erinnert das Chanukka-Fest offensichtlich mehr an das Wunder des acht Tage brennenden Öls denn an das Wunder des Sieges der Minderheit (der „Chaschmonaim") über die Mehrheit (die damalige „Supermacht“ der Griechen)?

Rabbi Aharon David Goldberg, Rosch Jeschiwa (geistiges Oberhaupt der Talmudschule) „Telshe Yeshiva“ in Cleveland (US-Bundesstaat Ohio) beruft sich in seinem Kommentar auf die Worte von Rabbejnu Jona Gerondi, sz“l (verstorben 1263 in Spanien) im Buch „Scha’arej Tschuwa“. Rabbejnu Jona schreibt dort folgendes:

Ein „Ba’al Teschuwa“ - ein Mensch, der von seinen Sünden umkehrt - sollte zu G-tt beten, auf dass Er seine Sünden wie eine vergängliche, flüchtige Wolke wegradiert. Er sollte auch dafür beten, dass Haschem eine solche Beziehung mit ihm haben wollen möge, als hätte er niemals gesündigt. Dies ist notwendig, weil es möglich ist, dass Haschem noch immer keine spezielle Verbindung mit ihm haben möchte. Solch eine Situation würde im Kontrast zum Status eines Zaddik (Frommen, Gerechten) stehen, mit dem Haschem zufrieden ist und den Er „begehrt".

In diesem Stil, erklärt Rabbi Goldberg, hätte der militärische Sieg des jüdischen Volkes über die Griechen bedeuten können, dass ihnen zwar für die Sünden vergeben worden ist, die sie in erster Linie überhaupt zur Unterwerfung seitens der Griechen geführt hatte - doch es bedeutete nicht zwangsläufig, dass Haschem sie auch „begehrte" (also in ihnen Gefallen fand und sich mit ihnen verbinden wollte). Das Wunder des Öls jedoch - obwohl es im Prinzip vollkommen unnötig war (da bei der Verunreinigung der ganzen Gemeinde auch unreines Öl benützt werden darf) - demonstrierte, dass Haschem seine frühere Zuneigung zum jüdischen Volk zurückgewonnen hatte [Meschiwat Nefesch al Scha’arej Teschuwa, Seite 99].

Raw Huna: „Denn eine Mizwa ist eine Kerze und Thora ist Licht“

Der Talmud [Schabbat 23b] lehrt: „Raw Huna sagt: ‚Wer in besonderem Mass darauf achtet, Licht zu zünden, wird das Verdienst haben, dass seine Söhne Thora-Gelehrte sein werden‘.“ Raschi erklärt hierzu: „Dies beruht auf einem Vers in Mischlej [6:23]: ‚Ki Ner Mizwa weThora Or (denn eine Mizwa ist eine Kerze und Thora ist Licht)’. Durch die Mizwot von Schabbat- und Chanukka-Kerzen kommt das Licht der Thora.“

So viele Menschen zünden Schabbat- und Chanukka-Kerzen, doch nur relativ wenige haben Kinder, die Thora-Gelehrte sind! Wie kommt das? - Weil Raw Hunas Versprechen sich nur an jene Eltern richtet, die es auch wirklich wollen, dass ihre Kinder Thora-Gelehrte werden!

Vor nicht allzu langer Zeit, war in Amerika das Konzept des Thora-Studiums „lischma“ (um seiner selbst willen) relativ unbekannt. Wenn ein junger Mann verkündete, er wolle in der Jeschiwa bleiben und die Thora studieren, fragten ihn seine Verwandten häufig: „Aber was wirst du damit machen? Planst du, ein Rabbiner zu werden?“ - Die Lehre von Raw Huna, die eine Parallele zwischen der Mizwa der Chanukka-Kerzen und dem Thora-Studium zieht, zeigt uns den Fehler in dieser Einstellung. Die Halacha (das jüdische Religionsgesetz) besagt, dass man keinerlei Nutzen aus den Chanukka-Lichtern ziehen darf. Man darf die Kerzen nur anschauen - aber nichts weiter. Gleichermassen gibt es ein Konzept des Thora-Studiums „lischma“, welches keinerlei materiellen Nutzen daraus vorsieht. Dies ist die Art des Thora-Studiums, die wahrlich grosse Gelehrte hervorbringt.

(Von Rabbi Kalman Winter, s“l, einem langjährigen Rabbiner in Silver Spring, US-Bundesstaat Maryland, der am 8. Mar-Cheschwan dieses Jahres verstorben ist.)

Raw Kotler: Der Tempel in uns selbst

Rabbi Schne‘ur Kotler, sz“l, der Rosch Jeschiwa (das geistige Oberhaupt der Talmudschule) von Lakewood im US-Bundesstaat New Jersey, lehrte folgendes:

Als die Griechen gegen unsere Einhaltung der Thora Dekrete erliessen, geschah dies nicht vor dem Hintergrund, dass sie primär daran interessiert waren, uns zu unterdrücken, und ihnen ein Angriff auf die Thora als der bequemste Weg dazu erschien. Sondern ihr wahrhaftiges Ziel bestand darin, unsere einzigartige (geistige) Eigenschaft als „Nation der Thora“ auszuradieren. Aus diesem Grund wollten sie uns in die griechische Weisheit und Lebensweise einführen - in die Philosophie, Sportanlässe usw. Als Teil ihres Plans, eine neue Art von Juden zu kreieren, liessen die Griechen auch die Thora ins Griechische übersetzen – die Sprache der Hellenisten. Die Hellenisten waren Juden, die sich der äusseren Erscheinung und der Lebensweise der Griechen anpassten - und sie stellten für uns ein grösseres Problem dar als die Griechen selbst.

Rabbi Kotler fährt fort: Unsere Erlösung von den Griechen war anders als unsere Befreiung von anderen Unterdrückern. In diesem Fall - im Gegensatz zu anderen Erlösungen - war es nicht notwendig, einen neuen Tempel zu erbauen. Es war hingegen notwendig, das Innere des Tempels zu reinigen. Was hat das zu bedeuten?

Als G-tt den Bau des Mischkan (des Stiftszeltes) anordnete - dem Vorgänger des Tempels - sagte Er nicht: „Ich werde darin verweilen“, sondern [Schemot 25:8]: „Ich werde unter ihnen verweilen“. In anderen Worten: Wir sind der eigentliche Tempel. Das Innere des Tempels zu reinigen ist lediglich ein Zeichen dafür, dass wir uns selbst gereinigt haben.

Die Thora-Lesung an Chanukka handelt von der Einweihung des Mischkan durch die zwölf Stammesführer. Vielleicht, wie Rabbi Kotler meint, war es deshalb gerade auch hier notwendig, dass das Mischkan nicht vom ganzen Volk, sondern nur von einzelnen Individuen eingeweiht wurde, die ihre Seele bereits gereinigt hatten! [Noam Siach, Seite 106]

Raw Scher: Drei Optionen des Lichterzündens

Die Mizwa des Lichterzündens an Chanukka ist einzigartig unter den Mizwot, weil es drei Optionen gibt, sie zu erfüllen:

Man kann die Mizwa acht Tage lang auf durchaus vollkommene Weise erfüllen, indem man pro Abend und Haushalt nur eine einzige Kerze zündet. Wenn man die Mizwa auf noch schönere Weise erfüllen möchte, kann der Hausherr für jedes Mitglied des Haushalts (oder jeder alleine) jeden Abend eine Kerze zünden. Zu guter Letzt, wer die Mizwa auf die „schönste" Weise erfüllen möchte, wird jeden Abend eine Kerze hinzufügen.

Warum wurde diese Mizwa so „entworfen“?

Rabbi Jizchak Aisik Scher, sz“l, Rosch Jeschiwa (Oberhaupt der Talmudschule) von Slobodka (verstorben 1951), erklärt es wie folgt:

Wir lesen in Jeschajahu [26:20]: „Verbirg dich einen kleinen Augenblick, bis der Zorn vorübergehe.“ Die Chaschmona‘im (Hasmonäer) hätten sich nach dieser Vorgehensweise richten und sich in Höhlen verstecken können, bis die Gefahr vorüber war. Doch wie Chananja, Mischael und Asarja, die es vorgezogen hatten, in einen Ofen geworfen zu werden, als wegzulaufen (als Newuchadnezar ihnen befahl, sich vor seiner Statue zu verbeugen), so standen auch die Chaschmona‘im auf, um Widerstand zu leisten. Da sie über die reinen „Buchstaben des Gesetzes" hinausgingen, gibt uns auch die daraus resultierende Mizwa die Option, über die „Buchstaben des Gesetzes“ hinauszugehen! [Leket Sichot Mussar, Band 2, Seite 151]

Der „Berditschewer“: Die Nachahmung des Wunders

Rabbi Levi Jizchak von Berditschew, sz“l (ein früher chassidischer Rebbe, 1740-1809) merkt an, dass unsere Erinnerung an die Chanukka-Wunder anders ist als unsere Erinnerung an jegliche anderen Wunder, die den jüdischen Festen zugrunde liegen. An Pessach, beispielsweise, sprechen wir nur über die geschehenen Wunder, doch wir tun nichts, um die Wunder des Auszugs aus Ägypten nachzuahmen. Warum machen wir etwa am siebten Tag von Pessach nichts mit Wasser, um der Spaltung des Roten Meeres an diesem Tag zu gedenken? An Purim lesen wir über die Wunder des Sturzes von Haman - aber auch hier gilt wieder, dass wir nichts tun, um die Wunder aufs Neue zu durchleben. Warum machen wir nicht zum Beispiel etwas mit Holz, um der Galgen zu gedenken? Nur an Chanukka zünden wir die Menorah, um an das Wunder zu erinnern, das mit der Menorah des Tempels geschah!

Warum wird Chanukka auf so einzigartige Weise gefeiert? Der „Berditschewer" erklärt: Die Wunder von Pessach und Purim waren notwendig für unser Überleben. G-tt „musste“ sie machen, sozusagen. Im Gegensatz dazu, war das Wunder des acht Tage brennenden Öls nicht unbedingt notwendig (man hätte mit unreinem Öl zünden können), sondern es war ein Ausdruck der speziellen Liebe G-ttes zu uns (wegen der Aufopferung der Makkabäer). Um diese Liebe anzuerkennen, feiern wir das Fest durch die Nachahmung des Wunders, so gut wie wir es können [Keduscha Chamischit].

Darauf basierend, ergibt sich auch eine Antwort auf die berühmte Frage von Rabbi Josef Karo, sz“l (Autor des Schulchan Aruch, dem jüdischen Gesetzeskodex, 1488-1575): Wenn es genügend Öl für einen Tag gab und die Menorah acht Tage brannte, dann dauerte das eigentliche Wunder nur sieben Tage. Warum ist dann das Chanukka-Fest acht Tage lang?

Eine Antwort könnte lauten: Wir haben ein weiteres Fest, dessen einzige Absicht darin besteht, die Liebe G-ttes zu uns auszudrücken: Schmini Azeret. Was ist der Hintergrund von Schmini Azeret? Der Midrasch lehrt, dass, nachdem wir die sieben Tage von Sukkot im Tempel in Jerusalem verbracht haben, G-tt sozusagen zu uns spricht: „Geht noch nicht fort - bleibt noch einen Tag, damit wir gemeinsam feiern können!“ - Dies ist ein Ausdruck Seiner Liebe zu uns. In der gleichen Weise, wie Schmini Azeret der achte Tag von Sukkot ist, so hat auch Chanukka einen achten Tag. Dies bedeutet, dass wir nur sieben Tage des Ölwunders gedenken, der achte Tag ist eine Feier der Liebe.

Bezüglich der These des „Berditschewers“, mag - auf den ersten Blick gesehen - Sukkot diesbezüglich wie Chanukka sein; wir sitzen in der Sukka, so wie die Israeliten in der Wüste in Hütten sassen! Das würde doch bedeuten, dass wir der geschehenen Wunder durch Nachahmung gedenken! Doch die Halacha (das jüdische Religionsgesetz) beruft sich auf die Meinung im Talmud, wonach Sukkot in erster Linie an die Ananej Ha’Kawod (Wolken der Herrlichkeit) erinnert - und nicht an die Hütten, in denen die Kinder Israels wohnten. Insofern stellen auch die Laubhütten keine Nachahmung des eigentlichen Wunders dar, das dem Sukkot-Fest zugrunde liegt. Nur an Chanukka gedenken wir der Wunder durch Nachahmung!

Die Übersetzung und Bearbeitung der Gedanken dieser Woche erfolgte durch Herrn Gill Barnea, Düsseldorf – Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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