Tewet 
/Paraschat Wajechi/


Rav Frand zu Paraschat Wajeze 5779 (1. Beitrag)

Bearbeitet und ergänzt von S. Weinmann


Stimmt das Bild im Himmel mit dem Bild auf der Erde überein?

Ja’akow Awinu (unser Stammvater Jakob) träumte von einer Leiter, welche auf der Erde stand und deren Ende bis zum Himmel reichte. Engel G“ttes stiegen auf ihr hinauf und hinunter. Der Talmud [Chulin 91b] erklärt diese Erscheinung folgendermassen: Sie kletterten hinauf, um Ja‘akows Abbild zu betrachten, welches sich unter dem G“ttlichen Thron befand; dann stiegen sie wieder hinunter, um den wirklichen Ja’akow hier unten zu studieren.

In Jecheskel [1:4-11] steht der Beschrieb der „Merkawa“ („Thron G“ttes“). Es sind vier „Chajot“ („Tiere“), die den Thron G“ttes „tragen“. Jeder dieser vier Chajot hat vier Gesichter: Vorne gleich einem Menschen, und zur rechten Seite gleich einem Löwen, und zur linken Seite gleich einem Ochsen, und hinten gleich einem Adler. Und wie Raschi dort zur Stelle bemerkt (Vers 5), war das Aussehen des menschlichen Gesichtes das Antlitz von Ja’akow Awinu.

Was ist die Bedeutung der Vergleichung dieser beiden Bilder, durch die Engel?

Rabbi Josef Ber Soloveitschik bringt eine wunderschöne Erklärung für diesen Talmudabschnitt. Die Engel waren über die Ähnlichkeit der beiden Bilder erstaunt. Das Bild des wirklichen Ja’akow entsprach genau dem Bild von Ja’akow im Himmel. Dies war eine grossartige Leistung. Im Himmel gab es ein Bild unseres Stammvaters Ja’akow, das zeigte, welche geistigen Höhen er erklimmen konnte. G“tt kannte Ja’akows geistiges Potential und erzeugte ein Abbild dieser geistigen Fähigkeiten, welches Er unter dem Himmlischen Thron verwahrte. Ja’akow erreichte in der Tat auf der Welt genau das, was von ihm im Himmel erwartet wurde. Dies war eine derart aussergewöhnliche Leistung, dass sie das Interesse von einer grossen Engelschar erweckte. Diese kamen, um diese grossartige Erscheinung mit eigenen Augen zu betrachten.

Raw Soloveitschik fügte hinzu, dass das gleiche auch für uns gilt. G“tt gab uns bei unserer Erschaffung bestimmte Begabungen und Talente. Gleichzeitig hatte er auch eine Vorstellung davon, wie wir diese Begabungen und Talente einsetzen sollten. Jeder von uns hat ein himmlisches Abbild. Jeder von uns hat auch ein irdisches Bild, welches zeigt, wie wir in Wirklichkeit aussehen. Wir müssen uns ein Leben lang darum bemühen, dass diese beiden Bilder einander so ähnlich wie möglich werden.

Schliesslich, bemerkt Raw Soloweitschik, betrachten nicht nur Engel diese beiden Bilder und vergleichen die himmlische Vision mit der Wirklichkeit. Menschen haben eine genaue Vorstellung darüber, wie ein thoratreuer Jude im Himmel, im Idealfall, auszusehen hat. Die Leute vergleichen religiöse Juden automatisch mit dem intuitiv wahrgenommenen Bild eines religiösen Juden im Himmel, wo immer sie auch hingehen.

Jedermann hat eine Vorstellung dessen, wie ein thoratreuer Jude sich zu benehmen hat, wie er sich bei der Arbeit verhalten soll, wie er sprechen soll, was für ein Leben er führen soll. Die Leute vergleichen beständig das irdische mit dem himmlischen Bild. Unglücklicherweise passt nicht jedermann so gut zu seinem himmlischen Ebenbild wie unser Stammvater Ja‘akow. Unglücklicherweise wird das reale Bild des sogenannt religiösen Juden oft dem himmlischen Anspruch nicht gerecht. Die religiöse Gemeinschaft sollte dieser Sache besonders Beachtung schenken.

Die Herausforderung in unserem Leben besteht darin, wie Ja’akow zu werden und aufzupassen, dass unsere beiden Bilder sich genau entsprechen.

Quellen und Persönlichkeiten:


Rabbi Josef Ber Soloveitschik (1903 – 1993): Rosch Jeschiwa; Berlin, Boston.

 

Die Bearbeitung der Gedanken dieser Woche erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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