Tewet 
/Paraschat Wajechi/


Raw Frand zu Parschat Wajischlach 5773

Ich habe die 613 Mizwot eingehalten und, oh ja – ich habe mich auch nicht wie Lawan verhalten

Ja‘akow schickte Boten voraus zu Ejsaw - vor ihrem Treffen - mit der folgenden Mitteilung: “Bei Lawan habe ich gewohnt (Im Lawan garti), und bis jetzt verweilt“ [Bereschit 32:4]. Raschi bringt den berühmten rabbinischen Kommentar, dass das Wort „GaRTi“ (ich habe gewohnt) die Gimatrija (Zahlenwert) von 613 (TaRjaG) hat, das auf die 613 Mizwot (Ge- und Verbote) der Torah hinweist „Ich habe bei dem Rascha (Bösewicht) Lawan gewohnt, dennoch habe ich die 613 Mizwot eingehalten – ohne von seinen üblen Taten zu lernen.“

Der Rosch Jeschiwa Raw Ruderman kommentierte einmal, dass ein Teil der Mitteilung von Ja‘akow an seinen Bruder Ejsaw überflüssig zu sein scheint. Wenn Ja‘akow schon mitteilt „Ich habe die 613 Mizwot eingehalten“, wozu fügt er noch die logische Folgerung hinzu, „und ich habe nichts von seinen üblen Taten gelernt?“ Der Rosch Jeschiwa leitet daraus ab, dass man die 613 Gebote halten kann und dennoch von den grundschlechten Wegen von Lawan lernen kann. Sogar im Umfeld eines völlig religiösen Lebensstiles, kann eine Person am Ende so aussehen wie Lawan. Sogar wenn die Taten einer Person auf halachischer Basis erlaubt sind, so kann die Person sich dennoch wie Lawan benehmen. Ein Mensch kann einen masslosen Lebensstil leben – einer der technisch nicht von den Vorschriften der Gesetzte abweicht, aber dennoch total fremd ist, von dem, was einen jüdischen Lebensstil repräsentieren sollte.

Aus diesem Grund, machte Ja‘akow Ejsaw klar: “Nicht nur habe ich die 613 Gebote eingehalten, ich habe auch nicht von Lawan gelernt und habe auch den tieferen Sinn dieser Gebote ausgeführt.“

Ich habe diesen Kommentar von Raw Ruderman schon in früheren Jahren erwähnt. Normalerweise möchte ich mich nicht von Jahr zu Jahr wiederholen, aber folgender Kommentar fiel mir ein, als Reaktion zu einem Artikel, den ich in der New York Times vor kurzer Zeit gelesen habe. Der Artikel hatte den Titel, „Juden debattieren, wie die Orthodoxie definiert wird“ und hatte die folgende Einleitung:

“Das Wasser des Hudson River schlug Wellen unter dem Bug des Schiffes, das unter der Flagge ‘Die Glatt Jacht’ (Glatt-Koscher) fuhr, als sie sich langsam vom lärmigen Hafen von Manhattan entfernte. Ein Ehepaar, das einen speziellen Jahrestag feierte, stand auf um zu tanzen, als der Pianist zu spielen begann. Plötzlich kam ein Raw auf die Tanzfläche und tappte dem Mann auf die Schulter. Der Mann wusste sofort, dass der Raw ihn nicht nur beim Tanz unterbrechen wollte. Der Raw bat das Ehepaar mit dem Tanzen aufzuhören. Als sie ihn ignorierten, ging der Raw zum Pianist und befahl ihm mit der Musik aufzuhören. Im Boot war es plötzlich still und das Ehepaar setzte sich. Nur dann ging die Musik weiter.“

Was war das Problem hier? Auf der zweiten Seite fasste die New York Times die Geschichte zusammen und definierte das Problem, ob es wirklich eine Spaltung zwischen dem religiösen und sozialen Leben einer Person gibt. Oder wie Ari Goldman (der New York Times Reporter) schrieb, es gibt einige orthodoxe Juden „…die einen Unterschied zwischen verschiedenen Facetten ihres Lebens machen…“ Dies bedeutet, dass man sein Leben in verschiedene Bereiche teilt. Ja, ich bin Jude, ich bin ein orthodoxer Jude, aber dies hört an einem gewissen Punkt auf. Um die Reaktion des Mannes, der auf der Tanzfläche zurechtgewiesen wurde, zu erwähnen: „Der Raw gehört in die Küche. Kaschrut ist in der Küche. Dies hat nichts mit der Tanzfläche zu tun.“

Es war zu sehr ein Zufall für mich, als ich diesen Artikel am Mittwoch von Parschat Wajischlach las, um nicht den Kommentar vom Rosch Jeschiwa zu erwähnen, in dem er Raschis Erklärung vom „ nicht Lernen von Lawans Taten“, obwohl die 613 Gebote eingehalten werden, deutet. Das Konzept, dass es eine Spaltung zwischen dem religiösen und sozialen Leben gibt, das glatt Koscher nur das betrifft was in meinen Mund kommt aber nicht was ich sehe, wie ich mich benehme oder mich kleide – ist falsch. Es ist eine Verletzung von „Ich habe nicht von seinen unartigen Wegen gelernt“.

Eine Person kann religiös sein und sogar nur glatt Koscher essen aber trotzdem von den Wegen Lawan’s lernen.


Glossar:

  • Raw Ruderman, 1901 – 1987, Früherer Rosch Jeschiwa der Jeschiwa Ner Israel (in der Raw Frand lehrt) in Baltimore, USA.

 

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