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/Paraschat Wajechi/


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Raw Frand zu Parschat Mikez und Chanukka 5766

„Wir verlassen uns auf unseren Vater im Himmel“: Problem oder Lösung?

In Schir HaSchirim Rabbah (Midrasch zum Hohelied) steht zum Vers (7:14) ein rätselhafter Midrasch: „HaDudaim natnu Re’ach; ve’al Petachenu kol Megadim; Chadaschim gam Jeschanim, Dodi zafanti lach.“ („Die Dudaim verströmten einen Duft; und auf unseren Türschwellen gab es Früchte aller Art; die Neuen und die Alten habe ich für dich aufbewahrt.“)

Der Midrasch erklärt wie folgt:

  • „Die ‚Dudaim’ (Blumen, Alraunen) verströmten einen Duft“ weist auf Reuven hin (welcher seiner Mutter Dudaim brachte [Bereschit 30:14]).
  • „Und auf unseren Türschwellen gibt es Früchte aller Art“ bezieht sich auf das Wunder von Chanukka.
  • „Die Neuen und auch die Alten, meine Teure, habe ich für dich aufbewahrt“ bezieht sich auf die geschrieben überlieferte („Torah Sche’biktav“) und die mündlich überlieferte Torah („Torah sche’ba’al Peh“).

Aus einem bestimmten Grund fasst der Midrasch in diesem einen Vers Reuvens Dudaim, das Wunder von Chanukka, die Torah sche’biktav und die Torah sche’ba’al Peh zusammen. Was haben sie gemeinsam?

Der Midrasch (in Vajeze) sagt zu Reuvens Dudaim „Komme und sehe, was für eine Aufgabe diese Blumen von Reuven erfüllt haben!“ (Er gab sie seiner Mutter, Leah, welche sie Rachel anbot, die ihrerseits das Treffen mit Ja’akov aufgab, damit Leah zu ihm kommen konnte. Daraufhin wurde Leah mit Jissachar schwanger.) Zwei grosse Stämme Israels entstanden als Resultat dieser Tat – der Stamm Jissachar und der Stamm Sevulun, die die typische Jissachar/Sevulun Beziehung begründeten: Jissachar sass und lernte, während Sevulun hinausging und Geld verdiente, welches für beide reichte. Der Midrasch fährt fort, dass die Torah heute wegen diesen beiden Stämmen im jüdischen Volk verankert ist.

Nochmals: Der Midrasch bezieht sich auf den Vers in Schir HaSchirim. Die „Dudaim“ dufteten und diese Blumen ihrerseits werden mit der Verankerung der Torah im jüdischen Volk in Verbindung gebracht. Was ist der Zusammenhang?

Rav Reuven Katz gibt in seinem Sefer „Duda’ej Reuven“ einen herrlichen Peschat (Erklärung) zu diesem Midrasch. Es darf angenommen werden, dass Ja’akov und seine Frauen wussten, dass 12 Stämme von Ja’akov abstammen werden. (Raschi hält an mehreren Stellen fest, dass sie dies mittels G’ttlicher Vorsehung wussten.) Leah hätte sich somit auf den Standpunkt stellen können: „Ich warte und was sein wird, wird sein. Falls G’tt mir soundsoviele Kinder schenkt, wird dies von selbst geschehen. Ich habe nichts anderes zu tun als die Haschgacha (Vorsehung) für mich wirken zu lassen und zu warten bis Sein Wille Wirklichkeit wird.“

Aber was berichtet uns die Torah? Die Torah sagt uns, dass diese beiden Stämme – diejenigen Stämme, welche für die Erhaltung der Torah im jüdischen Volk verantwortlich waren – entstanden, weil Leah aktiv in das Geschehen eingriff und handelte. Sie blieb nicht untätig in der Meinung: „Was geschehen soll, wird halt geschehen.“

Die Torah lehrt uns, dass wir nicht passiv bleiben sollen, wenn es um die Torah geht. Wir müssen tätig werden! Torah und Judentum werden nicht bewahrt und gerettet, wenn wir dasitzen und mit verschränkten Armen zuschauen. Die Dudaim von Reuven lehren uns, dass ein Mensch manchmal den „Stier bei den Hörnern packen soll“.

Das ist die Verbindung zwischen „den Blumen Reuvens“ und „dem Licht von Chanukka“ („Ner Chanukka“). Hätten wir in einer Epoche gelebt, in der die Kohanim (Priester) korrupt, das Bejt Hamikdasch (Tempel) entweiht, ohne Führer, ohne Oel - das wäre sicher ein Grund zum Verzweifeln gewesen. Was können wir da tun? Was können wir gegen korrupte Hohepriester schon unternehmen?

Doch im Gegenteil: Die Geschichte des Chanukka-Wunders spricht von Personen, die nicht tatenlos zuschauten, von Menschen, die sich weigerten den Dingen ihren vorgegebenen Lauf zu lassen. Sie standen auf und handelten. Sie ergriffen den Stier bei den Hörnern und handelten – genau wie Leah bei der Begebenheit mit den „Blumen von Reuven“ handelte.

Rav Chajim von Voloschin bringt einen aufschlussreichen Peschat zur einer Mischna in Sotah [49b]. Die Mischna zählt all die Dinge auf, welche am Ende der Zeiten eintreten werden – während den Tagen der „Fussstapfen von Moschiach“. Die Mischna sagt, dass Unverschämtheit überhand nehmen wird; das Geld wird wertlos, die Regierung wird ketzerisch, Zurechtweisung wird verunmöglicht, das Wissen der Gelehrten schwindet, jene, welche Sündhaftigkeit meiden, werden verschmäht, die Jugend wird ältere Leute beschämen, das Gesicht der Generation wird dem Gesicht eines Hundes ähneln, usw., usw. Schliesslich endet die Mischna mit den Worten: „Und wir können uns auf niemanden verlassen, ausser auf unseren Vater im Himmel“.

Der einfache Peschat in dieser Mischna ist folgender: „All dies wird geschehen und uns bleibt nur, uns auf unseren Vater im Himmel zu verlassen“. Rav Chajim von Voloschin erklärt dies auf eine andere Art. Er sagt, dass der Schlusssatz „Wir können uns auf niemand anders als auf unseren Vater im Himmel verlassen“ stellvertretend für die Probleme ist, welche in den Zeiten der ‚Fussstapfen von Moschiach’ vorherrschen. Die Haltung „Nebbich, man kann nichts tun“, ist eines der Probleme in dieser Zeit, gleich wie das Vorherrschen von Frechheit und Respektlosigkeit, welche die Mischna vorher erwähnt.

Die Leute werden sagen „Was kann ich schon tun; ich bin nur ein Einzelner; das ist „baschert“; wir müssen uns auf G’tt verlassen“. Nach der Meinung von Rav Chajim von Voloschin ist dies eine Erscheinungsart dieses Problems. Wir müssen aus der Geschichte mit den „Blumen von Reuven“ und von dem „Licht von Chanukka“ lernen, dass wir handeln müssen, ohne darauf zu achten, wie gross unsere Erfolgsaussichten sind. Nur wenn jemand untätig ist und sich scheut, sich der Herausforderung zu stellen, ist die Lage wirklich hoffnungslos.


Quellen und Persönlichkeiten:
Midrasch: Erklärung zur Torah, oft mit Gleichnissen.
Reuven Katz: Früherer Rav von Petach Tikva, Israel.
Raschi (1040 - 1105) [Rabbi Schlomo ben Jizchak]: Troyes (Frankreich) und Worms (Deutschland), "Vater aller Torahkommentare".
Rav Chajim von Voloschin (1749-1821):Berühmter Schüler des Wilnaer Gaon, Gründer der Jeschiva von Voloschin; Litauen.



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