Tewet 
/Paraschat Wajechi/


Raw Frand zu Parschat Mikez 5770

Der Schlüssel zum wahren Geständnis: Kein „Aber“

Es steht in der Parscha, dass Josef seinen Brüdern sagte "Wenn ihr ehrliche Leute seid, so bleibe einer von euch Brüdern hier in eurem bisherigen Gefängnis eingesperrt ...", worauf die Brüder zueinander sprachen, "Fürwahr (Awal) tragen wir die Schuld wegen unseres Bruders, da wir die Not seiner Seele sahen, als er uns anflehte und wir ihn nicht erhörten; deshalb kam dieses Leid über uns." [Bereschit 42:19-21]

Die Wahl hier des Wortes 'Awal', erstaunt. Wörtlich genommen sagt der Pasuk "Aber wir sind schuldig." Wie passt dieses 'Aber' hierher? Raschi zitiert den Targum, dass hier das Wort 'Awal' nicht 'Aber', sondern 'Fürwahr' bedeutet. Raschi zitiert dann einen Midrasch Rabba wonach die Bedeutung hier doch 'Aber' sei. In diesem Fall müssen wir auf unsere ursprüngliche Frage zurückkommen, wie passt das 'Aber' hierher?

Wir wissen, dass es einige Verbindungen zwischen Jom Kippur und dem Verkauf von Josef hat. Am Jom Kippur lesen wir über die zehn Märtyrer, welche gemäss Chasal für den Verkauf von Josef sühnten. Ausserdem tragen wir am Jom Kippur keine ledernen Schuhe, was gemäss der Kabala mit dem Midrasch begründet wird, wonach die Brüder sich vom Erlös aus dem Verkauf von Josef Schuhe gekauft hatten. Und schliesslich definiert der Rambam in Hilchot Teschuwa [2:8] das Bekenntnis "Aber wir (und unsere Väter) haben gesündigt" (Awal anachnu (weAwotenu) chatanu) als den wesentlichen Satz des Geständnisses (Widuj) am Jom Kippur. Dies sind fast die selben Worte, die auch in unserer Parscha vorkommen "Aber wir sind schuldig" (Awal aschemim anachnu).

Wir sehen also eine Verbindung zwischen dem Geständnis, welches wir am Jom Kippur sagen und dem Geständnis von Josefs Brüdern.

Ich sah einen Kommentar, der dies wie folgt erklärt; Die Brüder sagten "Unsere Sünde war 'Awal' – das Wort 'Aber.'" Sie sagten, "Wir wollten Josef nicht aus bösem Willen schaden." Sie sahen es als Selbstverteidigung an. Sie meinten, dass Josef sie töten wolle. Sie hatten die Situation auf verschiedene Art eingeschätzt. Ihre Sünde geschah nicht aus Bosheit, sondern wegen Scheinbegründungen.

"Aber ... er versucht uns zu schaden." "Aber ... Vater liebt ihn mehr." „Aber ... wenn wir nichts tun, so bedeutet dies unser Ende." "Unsere Sünde", so sagten die Brüder, "war, dass wir 'Aber' sagten". Wenn man 'Aber' sagt, kann man alles scheinbar begründen.

Rabbiner Isaak Breuer sagte, es gibt verschiedene Gefühle. Es gibt das tierische Gefühl, welches ein Mensch hat, das menschliche Gefühl, welches ein Mensch hat und dann gibt es ein prophetisches oder tiefgründiges Gefühl, welches ein Mensch haben kann. Wenn ein Mensch nur die ersten zwei Gefühle hat, so kann er durch diese verleitet werden und begründen, dass alles nicht nur erlaubt, sondern sogar eine Mizwa (ein Gebot) sei. Ein Mensch braucht nicht nur das menschliche Gefühl, sondern auch die prophetische Sicht, um zu wissen, ob dies wirklich das ist, was Haschem von ihm will.

Dies war die Sünde von Josefs Brüdern. 'Aber, wir haben gesündigt.' Unsere Sünde geschah, weil wir alles mit Scheinbegründungen rechtfertigten. Wir rechtfertigten unseren Neid und unseren Hass und unsere verborgenen Gefühle gegen ihn. Wir handelten entsprechend und gaben vor, eine Mizwa zu tun.
Auf dieselbe Weise argumentieren wir am Jom Kippur. Wir sagen, dass wir keine boshaft schlechten Menschen sind. Wir sind nicht verdorben oder absichtlich schlecht. Was ist dann der Grund für unsere Sünde?

"Awal, es ist zu schwierig, jede Nacht zu lernen. Aber, es ist zu schwierig, Ma’aser (den Zehnten) zu geben.“ "Aber, aber, aber ..." Unsere Sünden sind die 'Aber.' Deshalb lesen wir über die zehn Märtyrer. Deshalb ziehen wir unsere Schuhe aus. Um uns zu erinnern, dass sie ihn verkauften und das Geld dazu benutzten, um sich Schuhe zu kaufen ... denn mit 'Awal' kann man alles rechtfertigen. Wir ziehen unsere Schuhe aus, um uns zu erinnern, was geschehen kann, wenn man die Scheinbegründungen Überhand nehmen lässt.

Deshalb ist unser Geständnis so formuliert: … aber, wir (und unsere Väter) haben gesündigt. Wir sagen zu oft ‘Aber'. Wir rechtfertigen alles. Dies ist der Tikun (Besserung), den wir am Jom Kippur anstreben.



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