Adar Scheni
/Paraschat Zav


Rav Frand zu Parschat Schekalim 5779

Einleitung

Der Schabbat vor Rosch Chodesch Adar (in einem Schaltjahr vor Rosch Chodesch Adar Schejni) wird Schabbat Parschat Schekalim genannt. Man nimmt zwei Sifrej Thora aus dem Thora-Schrein. In der ersten wird Paraschat Haschawua gelesen, in der zweiten Parschat Schekalim (Schemot [30:11-16]. Der Inhalt dieser Verse spricht von der Mizwa der Halben-Schekel-Spende. Jedes Jahr im Monat Adar musste jeder Jehudi einen halben Schekel für die Ausgaben des Bejt Hamikdasch (Tempel), vor allem für den Einkauf der diversen Opfer, spenden. Das erste Mal wurde die Halbe-Schekel-Sammlung für den Bau des Mischkan verwendet, explizit für die Adanim/Sockel der Wände des Stiftzeltes.

Die Halb-Schekel-Zählung: Die Economy-Klasse-Spende für alle

Die Torah sagt uns in Bezug auf die Halb-Schekel-Zählung: „Der Reiche soll nicht mehr und der Arme nicht weniger geben.“ [Schemot 30:15] Rav Jerucham weist darauf hin, dass dies gemäss einer Meinung eines der 365 Verbote der Torah ist.

Das Torahverbot, weniger als einen halben Schekel zu geben, leuchtet ein. Wir wissen alle, dass wir immer eine Ausrede haben, um weniger zu geben, wenn ein bestimmter Betrag X gefordert wird. Andererseits hat es wohl noch kaum eine Spendenaktion in der Geschichte des jüdischen Volkes gegeben, in der man darauf hinweisen musste: „Der Reiche soll nicht mehr geben.“

Welche Art Mensch wird vom Torahgebot, nicht zu viel zu geben, angesprochen?

Rav Jerucham gibt uns einen Einblick in die menschliche Denkweise. Er sagt, es gibt einen Jezer HaRah (böser Trieb) für den Reichen, mehr geben zu wollen, als sein Nachbar. Ein Teil des Jezer HaRah, der dem Reichtum zuzuschreiben ist, besteht aus der Denkweise: „Es gebührt sich nicht, dass ich gleich bin wie alle anderen.“

Dies nenne ich „First class-Syndrom“. Kürzlich erhielt ich gratis einen Klassenwechsel von der US Air-Fluggesellschaft. Er war nur bis zum 15. Januar gültig. Ich bin noch nie erste Klasse geflogen und beschloss deshalb, diese Gelegenheit am Schopf zu packen. Ich buchte einen Flug von Newark nach Baltimore. Er dauerte nur vierzig Minuten, doch ich wollte ein für alle Mal herausfinden, was sich hinter dem Vorhang wohl zuträgt.

Ich war der einzige dort. Kaum war ich eingetreten, fragte mich die Stewardess: „Möchten Sie einen Drink?“

Wieso bezahlt jemand 20% Zuschlag auf eine Fahrkarte, nur damit ihm die Stewardess einen Drink anbieten kann, bevor er sich hinsetzt? Macht es Sinn, $50 mehr zu bezahlen, um $3 für einen Cocktail zu sparen?

Der Grund, weshalb manche Leute es vorziehen, erste Klasse zu reisen, ist: „Es passt nischt“ (es liegt unter meiner Würde), mich dorthin zu setzen und mit dem gemeinen Volk in der Economy class zu reisen.

Rav Jerucham sagt, dass die Torah diese Haltung anspricht: Jedermann hat genau gleich viel zu geben. Der Reiche wird mit der Prüfung („Nissajon“) des Hochmuts getestet. „Wie kann ich es zulassen, dass jener Mensch, der nur einen Zehntel meines Besitzes sein Eigen nennt, gleich viel wie ich spendet? Ich bin anders. Es geht nicht an, dass ich nur einen halben Schekel gebe. Ich kann nicht gleich wie alle anderen sein.“

Dies will die Torah betonen. Hier gibt es nur eine Klasse. Jeder ist gleichwertig. Der Jezer HaRah wehrt sich dagegen. Für manche von uns ist es eine Frage des Geldes, für andere geht es um den Sitzplatz oder wie sie umsorgt werden. Wir spüren es alle auf die eine oder andere Weise.

Soll ich nur den Rewi’i (Vierter Aufruf bei der Torahvorlesung – gilt als weniger ehrenvoll als der Schlischi, der Dritte) erhalten?

Es gibt die berühmte Geschichte eines Menschen, der nach Schul (Synagoge) kam und der Gabbai (Vorstand) gab ihm Chamischi (der Fünfte – noch weniger ehrenvoll als der Rewi’i). Daraufhin sagte er dem Gabbai: „In meiner Stadt gibt man den Chamischi den „prosten Menschen“ (ungehobelter Mensch)“. Darauf entgegnete der Gabbai: „Dieser Brauch gilt auch bei uns.“

„Der Reiche soll nicht mehr geben.“ Diese Prüfung wird von der Torah angesprochen.

Weshalb benötigte Mosche ein Abbild der Halb-Schekel-Münze?

Anfangs Paraschat Ki Tissa steht die Mizwa der Spende einer halben Schekel Münze: "Dies sollen sie geben, jeder der hindurchgeht bei der Zählung, von zwanzig Jahren aufwärts, einen halben Schekel vom Schekel des Heiligtums, zwanzig Gejra der Schekel, die Hälfte eines solchen Schekels als Geschenk für Haschem." [Schemot 30:13-14] Raschi zitiert einen Midrasch, dass Haschem Mosche das Aussehen einer Münze aus Feuer zeigte, die einen halben Schekel wog und ihm sagte: "Gleich dieser sollen sie geben."

Raschi kürzt eigentlich diesen Midrasch ab. Der Midrasch selbst erwähnt, dass Mosche Schwierigkeiten hatte, sich vorzustellen, wie genau die halbe Schekel Münze aussehen sollte sodass ihm Haschem daher eine himmlische Vision zeigte, genau wie sie aussah. Die Kommentatoren stören sich daran - warum war es so schwer für Mosche, sich diese halbe Schekel Münze vorzustellen?

Die Gemara hat eine ähnliche Erzählung über die Menora. Die Menora hatte sehr komplizierte Details und geometrische Konfigurationen. Wir können verstehen, dass Mosche möglicherweise nicht in der Lage war, sich vorzustellen, wie die Menora aussehen sollte, bis ihm das Bild einer feurigen Menora in einer Vision gezeigt wurde. Ebenso sagt der Talmud, dass Haschem Mosche Beispiele der Reptilien und Insekten (Scherazim) zeigte, die in Paraschat Schemini erwähnt sind und die dem Jüdischen Volk verboten sind zu essen. Auch dies ist verständlich. Aber weshalb ist es so schwer, sich eine Münze vorzustellen? Warum musste Haschem Mosche eine Münze aus Feuer zeigen?

Ich werde eine Antwort auf diese Frage geben, die auf Drusch (homiletische Auslegung) basiert und und eine andere Antwort gemäss Pschat (einfache Interpretation).

Diese homiletische Auslegung wird von vielen gebracht. Ich sah sie kürzlich im Sefer Noam Elimelech und  Sefer Osnajim laTorah. Mosche Rabbejnu hatte Mühe zu verstehen, wie Geld als Sühne (Kaparah) dienen konnte. Geld ist die Wurzel des meisten Übels. Allerdings spricht Haschem über die halbe Schekel Spende als "Kesef haKipurim' (Geld der Versöhnung). Mosche wollte wissen, wie dies sein konnte. Wie konnte etwas, das die Ursache für so viel Böses und Sorgen war, den Menschen näher zu seinem Schöpfer bringen?

Also zeigte Haschem ihm eine Münze aus Feuer. Ist Feuer gut oder schlecht? Feuer kann die zerstörerischte und verheerendste Sache der Welt sein. Es kann töten. Es kann dezimieren. Andererseits wo wären wir ohne Feuer? Wir würden im Winter erfrieren. Wir wären nicht in der Lage, unser Essen vorzubereiten. Die Welt wäre nicht in der Lage, ohne Feuer zu bestehen.

Wir sehen, es gibt Dinge auf dieser Welt, die enorm viel Gutes bringen und gleichzeitig viel Schlechtes. Sie können enorme Verbesserung bringen aber auch enorme Zerstörung. Mosche wurde die Münze aus Feuer gezeigt, um Geld mit Feuer gleichzusetzen. Auch Geld kann destruktiv oder konstruktiv sein, je nachdem wie es eingesetzt wird.

Eine weitere Erklärung, die einfacher zu verstehen und näher zum "Pschat" ist, wird durch Raw Simcha Sissel sz‘l, dem Rosch Jeschiwa von Chevron, angeboten: Mosche Rabbejnu verstand, dass es in dieser Welt Dinge gibt, die „Chefza schel Mizwa" sind (Artikel mit denen Mizwot getan werden). Manche Dinge sind Produkte der Natur. (wie z. B. - Lulaw, Etrog, Haddasim und Arawot) Andere Dinge werden von Menschen hergestellt (z. B. - Rindsleder, auf das bestimmte Texte geschrieben werden, und dadurch  zu einer Sefer Tora, Tefillin oder einer Mesusa gemacht werden). Obwohl die zweite Gruppe von Menschen gemacht wurde, kann die Absicht des Herstellers bei ihrer Schaffung, sie heilig machen und es ermöglichen, dass sie ein "Chefza schel Mizwa" werden. Mosche hatte kein Problem, dies zu verstehen.

Allerdings konnte Mosche nicht verstehen, wie es möglich ist, eine Mizwa mit einer Münze zu machen, die für kommerzielle Zwecke geprägt worden ist. Wie kann dieses Stück Metall, das von weltlichen Behörden geprägt wurde, in der Lage sein, eine "Chefza schel Mizwa" zu werden? Daher zeigte Haschem ihm die Münze aus Feuer und informierte ihn dadurch, dass auch ein solcher Gegenstand geheiligt werden und zur Sühne benutzt werden kann, sofern er für eine Mizwa gegeben wird.

 

Quellen und Persönlichkeiten:

Raschi (1040 - 1105) [Rabbi Schlomo ben Jizchak]: Troyes (Frankreich) und Worms (Deutschland); "Vater aller Torahkommentare".

Rav Jerucham Leibowitz (1875 – 1936): Rabbiner und Denker, Maschgiach (geistiger Führer) der Jeschiwa von Mir, Litauen.

Rabbi Elimelech von Lyschansk/Leżajsk, Polen (1717-1787), war ein chassidischer Rabbi und Zaddik und einer der Begründer des Chassidismus in Galizien. Sein Werk: Sefer Noam Elimelech.

Rabbi Salman Sorotzkin,(1881-1966), Rabbiner von Zhetel; Weissrussland, Luzk, Ukraine und Jeruschalajim, Verfasser von verschiedenen Werken, wie Osnajim laTorah.

Raw Simcha Sissel Broide, (1912-2000), Rosch Jeschiwa von Jeschiwat Chevron.    

 

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Die Bearbeitung dieses Wochenblatts erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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