Tamus
/Paraschat Pinchas

Raw Frand zu Parschat Kedoschim 5772

Warum benötigen wir bei der Mizwa von Orlah einen speziellen Segen?

Ein Passuk (Vers) in Parschat Kedoschim zitiert das Gesetz von Orlah: "Wenn ihr in das Land kommt und Fruchtbäume pflanzt, sollt ihr die Früchte als zum Genuss verboten hängen lassen" [Wajikrah 19:23]. Alle Baumfrüchte in den ersten drei Jahren, nachdem ein Baum im Lande Israel gepflanzt wurde, sind verboten. Im vierten Jahr sind die Früchte heilig und heissen "Neta Rewaj" (Viertjahresfrüchte) und dürfen nur in Jeruschalajim gegessen werden. Erst im fünften Jahr können die Früchte ohne Einschränkungen gegessen werden. Nach diesen Gesetzen schliesst die Tora mit den Worten: "Und im fünften Jahr darfst du seine Früchte essen; damit sein Ertrag sich mehre, ich bin der Ewige, euer G“tt" [19:25].

Raschi erklärt diesen Abschluss als einen besonderen, persönlichen Segen. Drei Jahre lässt man die Früchte verderben. Auf lange Sicht jedoch wird G'tt dies ausgleichen und wir werden eine Riesenernte von diesem Baum einbringen. Rabbi Akiwa pflegte zu sagen, dass dieser Segen einem Menschen helfen soll, das innerliche Gefühl ("Dibra Tora keneged Jezer harah"), das ihn von dieser Mizwa (Gebot) abhält, zu bekämpfen.

Viele Mizwot (Gebote) der Tora verlangen, dass wir in unsere Tasche greifen. Es gibt das Gebot, die Ecke eines Feldes ("Peah") für die Armen stehen zu lassen; es gibt viele Priestergaben (Terumot, Ma'asroth etc.). Die Tora verlangt also hier nicht zum ersten Mal eine Spende von uns.

Und trotzdem: Beim Abschnitt über die Terumah (Priesterabgabe) sagt uns die Tora nicht: "Keine Angst: Du erhältst alles zurück." Wenn es um die Gesetze von Leket, Schikechah und Peah (siehe Glossar) geht - alles Sachen, die man auf dem Feld für die Armen zurücklassen muss - sagt die Tora nicht: "Keine Angst. Am Ende wird dir nichts fehlen." Auch beim Verzehnten der Viehherden („Ma’asser Behema“) oder bei den anderen Opfern verspricht die Tora nie eine finanzielle Entschädigung. Wieso ist denn die Tora gerade bei Orlah so besorgt, dass sich ein Mensch über die Kosten der Mizwa Gedanken macht und das Gebot vernachlässigt, falls er keine Garantie erhält, dass es sich auf lange Sicht auszahlt?

Rav Mordechai Rogov gibt dazu eine schöne Erklärung: Bei Orlah ist die Situation aussergewöhnlich. Wenn jemand seine Ernte verzehntet, empfindet er nicht, dass er Zeit vertan hat. Bei Orlah hingegen verlangt die Tora, dass wir die Mühen von drei Jahren aufgeben, drei Jahren unseres Lebens. Die Tora verlangt von uns, dass wir etwas weggeben, das unersetzlich scheint: Zeit. Verzehnten bedeutet Geld. Die Gaben für den Priester und den Leviten sind Geld. Geld ist ersetzbar, Jahre nicht.

Ein weiser Mann sagte einmal: "Der Mensch denkt immer an den Geldverlust, aber nie an den Verlust seiner Tage. Sein Geld kehrt zurück, aber seine Tage nicht."
Dies ist der Grund, wieso Orlah eine spezielle Garantie braucht: G'tt muss zusichern, dass die Mühe nicht verloren ist. Die Zeit trägt "Früchte". Dank der Zusicherung der Tora kann die Pflicht von Orlah leichter geschluckt werden.


Glossar:
Terumah: (Mehrzahl: Terumot): Erhobener Anteil; ungefähr 2% der Ernte, welche dem Priester abgegeben werden muss.
Ma'asser: (Mehrzahl Ma'assrot): Zehnt; zehn Prozent der Ernte, welche dem Leviten abgeliefert werden muss.
Peah: „Ecke“ des Feldes, welche für die Armen stehengelassen werden muss.
Leket: „Nachlese“ einzelner Ähren, die während des Schnittes der Sense oder der Hand runtergefallen sind; sie müssen für die Armen liegengelassen werden.
Schikechah: „Vergessenes“. Nachlese einzelner Garben, die während der Einsammlung der Garben vergessen wurden; sie müssen für die Armen liegen bleiben.



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