Tischrej
/Chol HaMoed Sukkot

Raw Frand zu Paraschat Nasso 5779 (Beitrag 2)

Man erzieht einen Nasir, indem man selbst ein Nasir ist

Rav Schwab bietet eine aussergewöhnlich neuartige Erklärung einiger Pessukim (Verse) in der Haftora (Prophetenlesung) dieser Woche. Wir hören die berühmte Geschichte von Schimschon (Samson). Ein Engel teilte Manoach und seiner Frau mit, dass sie ein Kind haben werden. Dies werde ein besonderes Kind sein, das sein Leben lang ein Nasir sein werde. Es wurde Manoachs Frau sogar schon während der Schwangerschaft verboten, Wein oder Trauben zu geniessen. Das Kind sollte von Anfang an ein Nasir sein.

Weiter in diesem Kapitel betet Manoach zu G'tt, dass der Engel zu ihm und seiner Frau zurückkehren solle, weil "ich wissen muss, wie ich das Kind aufziehen soll." Man kann sich fragen, was Manoach hier eigentlich wollte? Der Engel hatte ihm die wichtigste Information, die er benötigte, bereits übermittelt: Das Kind wird ein Nasir sein und die Mutter sollte während ihrer Schwangerschaft weder Wein trinken noch Trauben essen. Was brauchte er sonst noch zu wissen?

Man kann davon ausgehen, dass Manoach keine Fragen über die Gesetze des Nasirates stellen musste. Für diese Information braucht es keinen Engel. Dafür konnte Manoach zu seinem Rabbi oder Richter gehen und die Gesetze des Nasirates studieren.

Der Engel kehrte trotzdem zurück. Wie beantwortete er Manoachs Anfrage? "Hüte dich ("tischamer") vor allem, was ich deiner Frau verboten habe. Geniesse nichts, was vom Weinstock kommt, etc." [Schoftim/Richter 13:13-14]. Was ist neu an der Antwort des Engels? Er hat anscheinend nur das wiederholt, was er bereits Manoachs Frau gesagt hatte!

Rav Schwab erklärt, dass Manoach keine Frage über die Gesetze des Nasirates (eine "Nesirus Schejlah") hatte. Er stellte eine Frage zur Kindererziehung (eine "Chinuch Schejlah"). "Wie", fragte Manoach, "kann ich einen Nasir aufziehen, wenn ich selbst kein Nasir bin?" Er fragte, wie er ein Kind erziehen kann, etwas zu tun, das er als Vater nicht ausführt.

Gemäss Rav Schwab antwortete der Engel: "Jawohl, in Wahrheit musst auch du diese Gesetze einhalten." Dies ist ein grundlegendes Prinzip der Kindererziehung und ausserdem eine aussergewöhnliche neue Deutung des Passuks in Schoftim. Gemäss hebräischer Grammatik kann das Verb "Tischamer", welches in der Anleitung des Engels für Manoach erscheint, auf zwei verschiedene Arten gedeutet werden. Die anzunehmende Deutung ist "SIE soll SICH hüten" (dritte Person; bezieht sich auf Manoachs Frau, wie vorhin). Rav Schwab deutet das Wort gemäss der anderen möglichen Interpretation: "DU sollst DICH hüten" (zweite Person; bezieht sich auf Manoach).

Der Engel war mit Manoachs Standpunkt einverstanden: Du hast recht, dass du es nie schaffen wirst, einen Nasir aufzuziehen, wenn du die Gesetze des Nasirates nicht selbst erfüllst. "Deshalb, vor allem, vor dem ich deine Frau gewarnt habe, hüte auch du dich!" Es ist eine miserable Erziehung, wenn es heisst: "Tu', was ich sage - nicht, was ich tue." Das Gegenteil ist richtig: "Tu', was ich tue."

Nochmals: Für den Passuk ist es eine absolut neuartige Deutung, im Bereich der Erziehung ist dies jedoch ein grundlegendes Prinzip. Wir können unseren Kindern keine Predigten halten. Nur als Vorbild können wir ihnen etwas beibringen.

Man erzählt von einer berühmten Begebenheit mit dem Gerrer Rebbe. Ein Anhänger klagte gegenüber dem Rebbe, dass sein Sohn lernfaul sei. "Ich habe alles versucht. Ich probierte es mit Ansporn, ich versuchte Belohnung, ich versuchte es mit Bestrafung und ich habe ihm Sachen weggenommen. Nichts funktioniert. Was soll ich bloss machen? Ich will, dass mein Sohn lernt."

Der Rebbe stellte dem Anhänger eine Frage: "Lernt der Vater des Jungen auch?" Alle Reden der Welt bewirken nicht die geringste Veränderung. Kinder lernen durch das Vorbild.

Diese Regel gilt für alle Aspekte der Kindererziehung. Wer einen Nasir aufziehen will, muss selbst ein Nasir sein. Wer einen anständigen und aufrichtigen jüdischen Menschen aufziehen will, muss selber ein anständiger und aufrichtiger jüdischer Mensch sein.

 

Quellen und Persönlichkeiten:

Rav Schimon Schwab (1908 - 1995): Rabbiner der Gemeinde Adat Jeschurun in Washington Heights, New York.

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Die Bearbeitung der Gedanken dieser Woche erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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