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Raw Frand zu Parschat Beha'alotecha 5765 (Beitrag 2)

Die verkehrten „Nun“ bezeichnen inkonsequentes Verhalten

Die Parscha dieser Woche beschreibt das erste von vielen unglückseligen Ereignissen, welche im Sefer (Buch) Bamidbar vorkommen. Die Parscha enthält zweimal den Buchstaben „Nun“, welcher auf dem Kopf steht und die Pesukim (Verse) einrahmt: „Wenn die Lade aufbrach, sprach Mosche: „Erhebe Dich, Ewiger, dass Deine Feinde sich zerstreuen, und Deine Hasser vor Dir fliehen!“ Und wenn sie sich niederliess, sprach er: „Kehre zurück; Ewiger, in die Myriaden der Tausende Israels!“ [Bamidbar 10:35-36]

Der Talmud erklärt, dass diese Passage eingeklammert ist, um zu zeigen, dass sie in der zeitlichen Abfolge nicht hierher gehört. Von Rechts wegen hätte sie in die Parscha Bamidbar oder Nasso gehört, wo die Aufstellung und die Reisen der Lagerstätte beschrieben werden. Sie steht hier, um eine Trennung zwischen „der ersten Beschreibung der Bestrafung“ und „der zweiten Beschreibung der Bestrafung“ zu bewirken (also um die düstere Wirkung, welche eine fortlaufende Beschreibung von Strafen darstellt, etwas zu mildern). [Schabbat 115b]

Gemäss dem Talmud ist die „zweite Bestrafung“ die Passage, welche mit „Das Volk aber war wie leidtragend über sich selbst; es war schlecht vor G’ttes Ohren“ („Vajehi ha’Am ke’Mit’onanim …“) beginnt. [Bamidbar 11:1] Die Menschen beklagten sich, dass sie genug vom Manna hatten und sich nach den Leckerbissen Ägypten’s sehnten. Die Strafe war ein himmlisches Feuer, welches herniederfuhr und die Ränder des Lagers verzehrte. Welches ist jedoch die „erste Bestrafung“, auf die sich der Talmud bezieht?

Der Hinweis auf die „erste Bestrafung“ ist viel subtiler. Der Talmud findet ihn im Pasuk „Und sie zogen vom Berg des Herrn fort …“ [Bamidbar 10:33]. Rabbi Chama, der Sohn von Rabbi Chanina führt aus: „Sie zogen von Haschem fort.“ Tosfot macht an dieser Stelle klar: Durch das Wegziehen vom Berg Sinai handelten sie ähnlich wie Kinder, die vom Schulhaus wegrennen.“

Es ist wirklich ironisch, dass Parschat Beha’alotecha immer in die Jahreszeit zu liegen kommt, in der wir den Vergleich mit dem Kind, welches die Tage auf dem Kalender zählt und auf die Uhr blickt, um zu schauen, wann das Schuljahr doch endlich sein Ende findet, am lebhaftesten nachvollziehen können. Gehen sie doch am letzten Schultag schauen, wie die Kinder aus der Schule laufen. Dann wird ihnen der Vergleich glasklar.

Beim Lernen dieser Gemara störte es mich immer, dass der Pasuk „Sie zogen vom Berg von Haschem weg“ mit der Etikette „erste Bestrafung“ („Puroniut“) versehen wird. „Sünde“ wäre vielleicht die bessere Beschreibung, aber wo ist denn da die Bestrafung? Die zweite „Puroniut“ ist klar: Das himmlische Feuer an den Grenzen des Lagers war eine Strafe. Offensichtlich gab es jedoch keine Bestrafung für die Sünde des „Wegrennens vom Har Sinai wie ein Kind, welches vom Schulhaus wegrennt“.

Rav Schwab stellt diese Frage und gibt eine Antwort. Er sagt, die grösste Strafe besteht darin, dass man vom Berg G’ttes wegrennt, ohne die volle Wirkung von dem erfahren zu haben, was man in der Nähe dieses Berges erreichen konnte. Wenn ein Mensch mehr erreichen kann und er schafft es nicht, dies zu vollbringen, so bestraft er sich hiermit selbst.

Es ist deshalb gar keine eigenständige himmlische Strafe vorhanden, wenn man es nicht schafft, Mizvot (Gebote) nicht so freudig zu erfüllen, wie man es sollte – sei es die Schabbat-Erfahrung oder das erhebende Gefühl, welches man spürt, wenn man irgendeine andere Mizva erfüllt. Schon bereits das Fehlen des Gefühls der Freude und Beglückung ist eine gewaltige Strafe für sich. Es ist eine Strafe, die wir über uns bringen, weil wir nicht richtig darüber nachsinnen und schätzen, was wir bekommen haben und was uns die g’ttlichen Mizvot wert sind.

Dieser Gedanke kann uns verstehen helfen, wieso es so wichtig war, diese zwei „Strafen“ durch die Passage von der Reise der Bundeslade zu trennen. Die Stelle, die unmittelbar folgt, lautet: „Und das Volk war ke’Mitonenim“. Das Wort „Mitonenim“ wird vom Wort „Onen“ abgeleitet, welches „Trauernder“ bedeutet. Die Menschen waren am trauern. Worüber trauerten sie? Über die Tatsache, dass sie kein Fleisch hatten!

„Darüber regt ihr euch so auf? Weint ihr darüber, dass ihr es gewohnt wart, in Ägypten „Gratis-

Fisch“ zu erhalten? Ihr habt nicht geweint, als ihr euch vom Berg G’ttes entferntet, als ihr die Möglichkeit, Torah zu lernen aufgabt. Euer Abgang geschah mit einem Lächeln! Und jetzt weint ihr darüber, dass ihr kein Steak zu essen habt!“

Dieser Gegensatz unterstreicht die Sünde und zeigt, wie widersprüchlich das Volk war. Aus diesem Grund musste diese strenge Abfolge von Ereignissen durch eine Passage, die von den beiden umgekehrten „Nun“ eingefasst wird, getrennt werden.

Wir setzen unseren eigenen Masstab. Wir sollten uns fragen: „Was macht mich traurig und was macht mich froh? Worüber freue ich mich und was regt mich auf?“

Sind wir gleich wie der Jude, welcher zum Chiduschej HaRim kam und bedrückt war, weil er nicht von den Sünden des jüdischen Volkes vernehmen wollte? Oder sind wir in tiefer Trauer, weil wir nicht über genug Luxus und Delikatessen verfügen, um unsere kulinarischen Bedürfnisse zu stillen?

Vielleicht lässt sich auf diese Weise bildlich erklären, wieso gerade der umgekehrt Buchstabe „Nun“, das inkonsequente Verhalten dieser zwei sonst zusammenhängenden Passagen unterbricht. Der Buchstabe „Nun“ symbolisiert „Ne-emanut“ – Glaubwürdigkeit. Das verkehrte „Nun“ symbolisiert Wankelmütigkeit. Das ist die Sünde, die diese zwei Abschnitte im Grunde verkörpern. Als sie vom Berg Sinai wegrannten, war es leicht, sie zufriedenzustellen. Andererseits waren sie schnell gereizt und niedergeschlagen, als sie keinen Zugriff auf alle Leckereien, welche sie sich vorstellen konnten, besassen.

Wir müssen nach Glaubwürdigkeit streben. Wir müssen darum kämpfen, die selbst verschuldete Strafe zu vermeiden, die Nähe zu G’tt nicht hoch genug zu schätzen, welche wir mithilfe Seiner Torah erwerben können.


Quellen und Persönlichkeiten:
Rabbi Jizchak Meir Rothenberg Alter (Chiduschej HaRim) (1799 – 1866): Gründer und erster Rebbe der Gerrer Dynastie, Ger, Polen.
Rav Schimon Schwab (1908 - 1995): Rabbiner der Gemeinde Adat Jeschurun in Washington Heights, New York.



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