Raw Frand zu Parschat Chukat 5765 (Beitrag 1)

Der Zusammenhang zwischen der Parah Adumah und dem goldenen Mittelweg

Der Schlo’h haKadosch schreibt, dass es unmöglich ist, die Geheimnisse der Parah Adumah (der Roten Kuh) zu lüften. Trotzdem, sagt er, soll sich ein Mensch bemühen, möglichst viele Lehren aus diesem Paradebeispiel eines „Chuk“ (unbegründbares Gesetz) der Torah zu ziehen.

Der verblüffendste Aspekt dieser Prozedur ist, dass sie einerseits diejenigen (rituell) reinigt, die unrein waren und andererseits diejenigen verunreinigt, die vorher rein waren. (Gewisse Handlungen bewirken, dass der Priester und/oder seine Kleider tameh (rituell unrein) werden.) Der Schlo’h bringt diesen Widerspruch mit einem Prinzip von Maimonides (Rambam) in Verbindung, welches von den Charakterzügen des Menschen spricht.

Der Rambam schreibt, dass der Mensch in seinem Gefühlsleben und in seinen Charakterzügen nach dem goldenen Mittelweg streben solle. Extremes ist in der Regel schlecht. Der Rambam erläutert diese Regel jedoch so: Besitzt ein Mensch einen Charakterzug, welcher bewirkt, dass er vom „Mittelweg“ in die eine Richtung abdriftet, soll er diesen Fehler ausgleichen, indem er dies in die andere Richtung überkompensiert, d. h. er soll für einige Zeit ins entgegengesetzte Extrem fallen.

Hat ein Mensch beispielsweise einen Hang zu Geiz, so kann er ihn korrigieren, indem er in die Gegenrichtung steuert und eine Zeitlang übermässige Grosszügigkeit zeigt. Ist ein Mensch aussergewöhnlich leichtsinnig, so soll er für eine bestimmte Zeit mehr Ernsthaftigkeit als nötig zeigen.

Der Schlo’h nimmt diese Empfehlung des Rambam auf und bemerkt: Ein Mensch, welcher „tahor“ (rituell rein) gewesen war, weil er sich korrekt auf dem Mittelweg bewegt hatte, wird dadurch verunreinigt, dass er in ein Extrem fällt. Jemand, der sich jedoch nicht richtig verhalten hat und in eine bestimmte Richtung abgeschweift ist, wird dadurch „gereinigt“, dass er für einige Zeit ins gegenteilige Extrem umschwenkt und damit das Gleichgewicht wieder herstellt.

Die Parah Adumah ist ein Beispiel für das, was für einen „gesunden“ Menschen Gift ist; für einen „Kranken“ jedoch bringt sie Heilung. Ein Mensch, welcher „tameh“ (rituell unrein) ist, benötigt die Asche der Parah Adumah. Er ist krank und die Asche ist sein Heilmittel. Ein gesunder Mensch jedoch, welcher mithilft einen Kranken zu heilen, wird auf diese Weise verunreinigt.

Dies entspricht genau Rambam’s Empfehlung zu den Charakterzügen: Eine extreme Ausrichtung ist vielleicht für denjenigen gut, bei dem einige Dinge nicht richtig funktionieren. Für einen normalen Menschen ist Extremismus jedoch zerstörerisch.


Quellen und Persönlichkeiten:
Schlo’h Hakadosch (1565 – 1630) [Rabbi Jeschaja ben Avraham Halevi Horovitz]: Benannt nach der Abkürzung eines seiner Hauptwerke „Schenej Luchot Habrit“; Gesetzeslehrer, Kabbalist und Gemeindeführer; Prag, Frankfurt a.M., Jeruschalajim.
Rambam [Maimonides] (1135 - 1204): Rav Mosche ben Maimon; Spanien, Ägypten. Seine Hauptwerke sind „Moreh Newuchim“ und „Mischne Tora“.



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