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Raw Frand zu Parschat Ki Teze 5765 (Beitrag 2)

Eine Ehe, welche mit „Ich“ beginnt, zerstört sich selbst

Die Parscha dieser Woche umfasst die Gesetze zur Ehescheidung. Die Torah schreibt: „Wenn ein Mann eine Frau nimmt und sie ehelicht, sie aber dann nicht mehr Gnade in seinen Augen findet, weil er an ihr etwas Schändliches gefunden hat; so soll er ihr einen Scheidebrief schreiben, ihn in ihre Hand geben und sie aus seinem Haus entlassen.“ [Devarim 24:1]

Die Bedeutung dieses Verses würde sich nicht ändern, wenn man den Ausdruck „u’ba’alah“ („und sie ehelicht“) weglassen würde. Er scheint überflüssig und es ist für die Torah auch ungewöhnlich, diesen Ausdruck zu verwenden.

Der Stil der Torah wird in der Regel von Sittsamkeit und Zurückhaltung geprägt. Der Talmud sagt, dass das Chumasch bereits zögert, den Ausdruck „unreines Tier“ („Behemah teme’ah“) zu verwenden. Die Torah „verschwendet“ sozusagen 8 Buchstaben mit dem Gebrauch des Ausdrucks „das Tier, welches nicht rein ist“, um nicht den unfeineren Ausdruck „unreines Tier“ zu verwenden [Pesachim 3a]. Die Torah achtet somit sehr darauf, sich einer sauberen und vornehmen Sprache zu bedienen; an der Stelle, wo sie von einer Ehe spricht, welche in einer Scheidung endet, erwähnt sie jedoch die Einzelheit „und sie ehelicht“. Wieso findet sie dies hier nötig?

Eine Antwort ist möglicherweise, dass die Torah andeuten will, wieso es zum „Get“ (Scheidung) kommen konnte. Vielleicht hatten die beiden Seiten beim Einstieg in die Ehe nur die eigene Zufriedenheit im Sinn. „Wenn ein Mann eine Frau nimmt und sie ehelicht …“ Dies sollte nicht das „Scholem Alejchem“, die Begrüssungsformel, für den Bund der Ehe darstellen. Die Torah will Folgendes andeuten: Ehen, welche mit Menschen beginnen, welche nur an ihrem eigenen Glück interessiert sind, haben in der Regel keinen Bestand.

Erfolgsversprechende Ehen setzen sich aus zwei Menschen zusammen, die das gemeinsame Leben im Wissen in Angriff nehmen, dass sie sich um das „Wir“ und nicht um das „Ich“ zu bemühen haben. Eine Ehe wird problematisch, wenn man sich auf das „Ich“ konzentriert statt an das „Wir“ zu denken. Für den „Tikkun haMiddot“ (die Verbesserung der Charakterzüge) gibt es kein besseres Umfeld als Ehe und Familienleben.

Ein Unverheirateter kann sich ungestraft eigensinnig und ich-bezogen verhalten. Nach der Heirat kann er oder sie sich solche Charakterzüge nicht mehr leisten. Es geht einfach nicht. Diese Persönlichkeitsveränderung mag von viel Mühsal begleitet sein, aber sie muss eintreten, wenn die Ehe Aussicht auf Erfolg haben soll.

Wenn die Frau dies dem Ehemann nicht aufzwingt, so werden es ihm sicherlich die Kinder tun. Sie sind mehr an ihrem Nutzen interessiert als er an seinem! Kinder und Familienleben sind einflussreicher als jedes Mussar-Sefer (Buch über die Selbstverbesserung), welches seit Anbeginn verfasst wurde. Eine Ehe, die auf dem Ausdruck „u’ba’alah“ gründet, wird keinen Bestand haben.

Von Rabbi Dr. A. Twerski habe ich kürzlich den folgenden Gedanken vernommen: Einer der Segenssprüche sticht aus allen Segenssprüchen, welche an einer jüdischen Hochzeit und während der Woche der „Schewa Brachot“ vorgetragen werden, hervor. Er hat anscheinend nicht direkt mit der Ehe zu tun. Der erste der sieben Segenssprüche anlässlich der Hochzeit lautet: „Gelobt bis Du, Haschem unser G’tt, König der Welt, der alles zu Seinem Ruhm geschaffen hat“ („Schehakol barah li’Kvodoh“) Der Bräutigam wird nicht genannt. Die Braut wird nicht erwähnt. Die Ehe kommt nicht darin vor. Welche Verbindung besteht zwischen diesem Segensspruch und der eben stattfindenden Feierlichkeit?

Rabbi Twerski antwortet, dass dieser Segensspruch am Anfang steht, weil er genau das andeutet, das bei einer jüdischen Ehe wichtig ist. Dieser Ehebund wird von Erfolg gekrönt, wenn Mann und Frau von allem Anfang an, von der Chuppa (Trauhimmel) an, verstehen, dass er nicht zu seinem Nutzen und sie nicht für ihren Nutzen daran beteiligt ist, sondern dass alles für die Ehre des Himmels geschaffen wurde.

Gutes bewirkt Gutes für die Ehre des Himmels und Schlechtes bewirkt Schlechtes für die Ehre des Himmels. Braut und Bräutigam, Mann und Frau sollten sich dies während ihrem ganzen Eheleben vor Augen halten. Das vereinfacht viele verzwickte Situationen in der Ehe und erleichtert viele schwierigen Entscheide, welche das Leben mit sich bringt. Das ist die eindrücklichste Lehre, die man Braut und Bräutigam unter der Chuppa mitgeben kann.

Rabbi Twerski veranschaulicht dies mit zwei wunderschönen Geschichten. Ich glaube, dass die erste für alle leicht nachvollziehbar ist. Die zweite ist so unglaublich beeindruckend, dass ich sie fast nicht zu erfassen vermag.

Rav Ja’akov Kamenetsky war an einer Hochzeit und benötigte eine Rückfahrgelegenheit nach Monsey. Man fragte einen Gast, ob er bereit wäre, Rav Ja’akov nach Hause zu fahren. Der Angesprochene packte diese Gelegenheit am Schopf. Nachdem er dem Rosch Jeschivah die Heimfahrt angeboten hatte, fragte ihn Rav Ja’akov, ob es ihm etwas ausmache, wenn er zuerst den Wagen sehen könne. Nachdem man Rav Ja’akov zum Wagen gebracht hatte, öffnete er die hintere Türe, kletterte hinein, um sich kurz auf den Rücksitz zu setzen. Einige Momente später stieg er aus, schloss die Türe und sagte dem jungen Mann, dass es ihm sehr angenehm sei, mit ihm nach Monsey zurückzufahren.

Er erklärte ihm, dass seine Frau auch mitfahren werde und er sicher sein müsse, dass ihr der Rücksitz bequem sei, bevor er zusage. Es ging ihm nicht darum, ob er den Heimweg in einem Cadillac oder Mercedes unter die Räder nahm. Es ging ihm einzig darum, ob der Rücksitz genug bequem für seine Rebbetzin war.

Die andere Begebenheit dreht sich um Rabbi Twerski’s Vater (Rabbi Ja’akov Jisroel Twerski, der Rabbi von Hornistaipel-Milwaukee, 1898 – 1973). Zwei Monate bevor Rabbiner J.J. Twerski starb, wurde bei ihm Bauchspeicheldrüsen-Krebs diagnostiziert. Er rief seinen Sohn, Rabbi Avraham Twerski (der auch Arzt ist), um die Lage zu besprechen. Der ältere Rabbi Twerski war über 50 Jahre Rabbiner gewesen. Er hatte viele Kranke besucht und wusste genau, welche Prognose mit einer solchen Diagnose verbunden war.

Er sagte: „Sie wollen mir Chemotherapie verschreiben. Das wird nichts nützen, nicht wahr?“ Der Sohn bestätigte, gestützt auf seine medizinische Erfahrung, die Aussage seines Vaters. Der Vater fügte hinzu: „Ich werde schrecklich unter der Chemotherapie leiden müssen.“ Der Sohn nickte. Daraufhin sagte der Vater: „Es ist im Grunde nicht wert, es zu tun. Es wird nicht helfen. Es wird mir nur Leid und Schmerz bereiten. Ich denke, es ist ein kluger Entscheid, keine Chemotherapie zu machen.“ Der Sohn bestätigte den Gedankengang des Vaters und sagte, dass der Entscheid bei dem Vater liege.

Während Vater und Sohn dieses Gespräch führten, befand sich Rebbetzin Twerski in der Empfangshalle und redete mit dem diensthabenden Arzt. Sie fragte ihn, ob die Chemotherapie ihrem Ehemann helfen würde und er antwortete ihr, dass die Chemotherapie gemäss seiner Einschätzung das Leben ihres Mannes um einige Monate verlängern könnte. Sie sagte: „Wenn er einige Monate länger leben wird, dann wollen wir es. Wenn er einige Tage länger leben wird, dann wollen wir es!“

Sie kam ins Zimmer und sagte ihrem Ehemann, dass der Arzt gesagt habe, dass Chemotherapie helfen und ihm einige zusätzliche Monate geben werde. Sie sagte: „Ich möchte, dass du die Chemotherapie nimmst.“ Dann verliess sie das Zimmer.

Der ältere Rabbi sagte seinem Sohn: „Wir wissen beide, dass das nicht helfen wird. Wir wissen beide, dass das mir keine zusätzlichen zwei Monate verschaffen wird und wir wissen beide, dass dies mir zusätzlichen Schmerz und Pein bringen wird. Wenn ich es aber nicht nehmen werde, wird sie für den Rest ihres Lebens ein Schuldgefühl mit sich herumtragen. Ich werde es deshalb nehmen, damit sie sich nicht schlecht fühlt.“ Er liess die Chemotherapie über sich ergehen und litt unter ihr. Aber er tat es für seine Rebbetzin, um ihr ein Schuldgefühl und die typischen Selbstvorwürfe der Überlebenden zu ersparen. („Hätte ich doch darauf bestanden … er hätte noch länger auf dieser Welt leben können.“)

Wir können nur staunen ob dieser geistigen Stufe, angesichts einer derartigen Selbstlosigkeit unter solchen Lebensumständen und fragen: „Wann werden meine Taten diejenigen meiner Vorväter erreichen?“


Quellen und Persönlichkeiten:
Rabbi Dr. Avraham J. Twerski: Zeitgenössischer Rabbiner, Psychiater und Buchautor; Pennsylvania; USA.



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