Die unheimliche Kraft des Jezer Hara (bösen Triebes) - (Rav Frand Bereschit 5782 – Beitrag 1)

Die unheimliche Kraft des Jezer Hara (bösen Triebes)

In dem dieswöchigen Wochenabschnitt vernehmen wir, dass G’tt Adam, den ersten Menschen in den Gan Eden (Garten Eden) setzte und ihm die Aufgabe gab, ihn zu bebauen und zu bewachen. [Bereschit 2:15] Raschi sagt, dass der Ausdruck „Wajikach“ darauf hinweist, dass G’tt Adam mit freundlichen Worten überreden und ihn davon überzeugen musste, den Gan Eden zu betreten.

Stellen sie sich vor: G’tt bietet uns einen Platz an, ohne Mietzins und ohne Verpflichtungen, mit Engeln, die uns zur Verfügung stehen und uns ernähren; sie fächeln uns Wind zu und kümmern sich um alles, was wir benötigen, wie würden wir da reagieren? Braucht es da viel Überzeugungskraft? Müsste man uns da „überreden“? Raschi erweckt den Eindruck, als ob G’tt alle Seine Überredungskünste anwenden musste, um Adam die Einwilligung zu entlocken, in den Garten Eden einzutreten. Was bedeutet dieser Raschi-Kommentar?

Rav Baruch Mordechaj Esrachi erklärt, dass das Lebensziel des Jezer haRah, des bösen Triebes, und des Satans darin besteht, den Menschen von der Aufgabe, die er auf dieser Welt zu erfüllen hat, abzuhalten. Ein Mensch hat vielleicht etwas Süsses, Angenehmes und Erfreuliches auf der Agenda. Wenn es jedoch etwas ist, das „getan werden muss“, so rät ihm der Jezer haRah unweigerlich davon ab. Die Fähigkeit, uns zu überzeugen, dass alles, was wir tun MÜSSEN, für uns in Wirklichkeit das Schlimmste auf der Welt ist, liegt in der Macht des Jezer haRah. Der Jezer haRah kann uns blind machen. Er kann uns vorgaukeln, dass die beste Sache der Welt für uns überhaupt nichts Positives in sich birgt.

Es gibt so viele Dinge im Leben, die wirklich erfreulich und genüsslich sind, aber irgendwie schauen dies die Menschen - zumindest anfänglich – negativ an. Höchstwahrscheinlich wenn wir hinsitzen und ein Blatt Talmud studieren, einen Thoravortrag hören oder eine einzelne Mischna lernen, fühlen wir, dass die Thora süsser ist als Honig. Sie ist der allerhöchste Genuss. Sie ist reich an geistiger Anregung. Sie ist das beste Mittel, uns G’tt zu nähern und Ihn verstehen zu können. Thora lernen ist wunderschön. Sie ist das höchste der Gefühle! Sie ist es, die uns eine wirkliche Stütze im Leben bietet!

Aber wir wissen, wie das Leben ist. Eigentlich wäre es Zeit für den Schiur (Thoralektion), aber die zweite Halbzeit des Fussballspiels neigt sich dem Ende zu und es sind nur noch sieben Minuten zu spielen… Oder: Kann ich meine Gäste sitzen lassen... Oder: „Soll ich wirklich aufstehen? Draussen ist es kalt und regnerisch.“ Hier eine Ausrede … dort eine Ausrede … Der Jezer haRah kann die Thoralektion in eine Pflicht, eine Pein und eine Bürde verwandeln. So stark ist seine Macht.

Das versteckt sich im vorher erwähnten Raschikommentar. Der Jezer haRah schafft es sogar den Gan Eden, das schönste und angenehmste Leben, welches dem Menschen in der ganzen Menschheitsgeschichte je angeboten wurde, missliebig zu machen. Adam wollte nicht gehen. Adam benötigte Zuspruch, Überzeugungskraft und sogar Überredungskunst, bis er einwilligte einzutreten.

Wieso wollte er nicht in den Gan Eden? Er wollte nicht gehen, weil man es von ihm ERWARTETE, weil G’tt ihm dorthin zu gehen angeordnet hatte. Obwohl der Jezer haRah in dieser Epoche erst in einer sehr schwachen Form existierte, hatte er die Fähigkeit, im Kopf Adams Zweifel zu säen, ob es für ihn wirklich das Beste sei, in den Gan Eden einzutreten.

Umgekehrt hat der böse Trieb die Fähigkeit die abscheulichsten, ekelhaftesten und verheerendsten Vergnügen als behagliche Leckerbissen zu verherrlichen.

Der Mensch hat die Aufgabe, das Trugbild, welches uns der Jezer haRah immer vorgaukelt, auszulöschen, nämlich, dass das Gute für uns schlecht und das Schlechte gut sei. Wir haben die Pflicht, das zu tun, was der liebe G-tt von uns - zu unserem Vorteil und Glück - verlangt, damit wir das „Paradies auf Erden“, ein Leben voll von Thora und Mizwot, geniessen können.

 

Quellen und Persönlichkeiten:

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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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