Man sollte unseren Durst nicht allzu leicht zu löschen können (Raw Frand Lech Lecha 5782 - Beitrag 1)

Raw Frand zu Paraschat Lech Lecha 5782 - Beitrag 1
Man sollte unseren Durst nicht allzu leicht zu löschen können
Wir lesen in unserer Parascha: „Und es entstand eine Hungersnot im Lande, da zog Awram nach Ägypten hinab, um dort sich aufzuhalten, weil die Hungersnot schwer auf dem Land lastete“ [Berejschit 12:10]. Unsere Weisen halten fest [Midrasch Raba Berejschit 25:3], dass in der Geschichte der Menschheit 10-mal eine weltumfassende Hungersnot vorkam. Die erste herrschte zu Adams Zeiten, die zweite in den Tagen Lemechs (Vater von Noach). Die Hungersnot zu Beginn unserer Parascha war schon die dritte Hungersnot in der Weltgeschichte. Die vierte kam zu Zeiten Jizchaks - er ging deshalb nach Pelischtim - und die fünfte zur Zeit von Ja’akow, der deshalb nach Ägypten hinabstieg… Die zehnte und letzte Hungersnot wird jene sein, die von den Propheten für die Tage vor der Ankunft des Maschiach vorhergesagt wird. „Schaut, eine Zeit wird kommen, spricht Haschem, da werde ich eine Hungersnot ins Land schicken; aber es wird kein Hunger nach Brot oder Wasser sein, sondern um die Worte des Ewigen zu hören.“ [Amos 8:11]
Wahrscheinlich sind wir in unserer Zeit Zeugen dieses Hungers. Die Leute sind durstig nach den Worten von Haschem.
Der Maharal [Tiferet Jisrael 56] hält fest (basiert auf Ausdrücke unserer Weisen), dass diese Hungersnot die schlimmste von allen sein wird. Der Poniwescher Raw fragte einmal: Was soll denn an dieser Situation so schrecklich sein? Warum betrachtet der Maharal diesen Hunger als den schlimmsten von allen 10 Hungersnöten? Der Poniwescher Raw antwortete, dass für Menschen, die eine Hungersnot erleben, bereits eine Brotrinde den Tag zum Festtag macht. Für Leute, die vor Durst fast umkommen, bedeutet eine Feldflasche mit Wasser alles. „Herrlich! Das ist alles, was wir brauchen!“ Das ist unser Problem, wenn wir nach Haschems Worten dürsten. So hungrig wir auch sind, wir sind zu schnell zufriedengestellt! Wir sind schon mit Krümeln zufrieden. Wir sind zufrieden mit einem gelegentlichen Schiur hier und einem gelegentlichen Blick in ein Sefer (jüdisches Buch) dort. Wir empfinden zu schnell, dass wir genug gelernt haben, wir sind nicht mehr länger durstig nach den Worten vom Allmächtigen!
Das ist zu wenig. Heute ist alles so einladend: Es gibt den Daf Jomi (ein Programm zum Studium des Talmuds, ein Blatt (2 Seiten) pro Tag) und die verschiedensten Medien und auch per Telefon, die Schiurim in jedem Bereich und in fast jeder Sprache anbieten (von einem Rav oder Dozenten vorgetragen) - Torahwissen war noch nie so leicht zugänglich, wie heute. Für uns scheint dies ein Fülle zu sein, weil wir ausgehungert waren. Als Folge der Hungersnot erscheint uns dies alles so überwältigend. Aber wir dürfen uns nicht so leicht abspeisen lassen. Die Torah ist zu umfassend und die Tage sind zu lang, um mit ein paar „Krümeln“ zufrieden zu sein. Wir waren so lange hungrig, dass wir vergessen haben, was es heisst, satt zu sein. Ein kleiner Krümel reicht bereits. Das sollte uns nicht genügen. Man sollte jederzeit mehr vertragen können.
Quellen und Persönlichkeiten:
Midrasch Rabba (der grosse Midrasch): Grosse Sammlung von Erklärungen und Aggadot zum Chumasch der Tana’im (Mischnagelehrten) und Amora’im (Talmudgelehrten).
Maharal: Rabbi Jehuda Loeb von Prag (1512 - 1609); Rabbiner, Denker und Verfasser von unzähligen Werken, speziell in Haschkafa (jüd. Weltanschauung).
Rav Josef Schlomo Kahaneman, Poniwescher Raw (1886 - 1969); Poniwesch, Litauen; Benej Berak, Israel. Einer der grössten Erbauer von Tora- uns Waisen-Institutionen nach der Schoa.
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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich
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