Wieso lässt sich Awraham über die Mizwa der Brit Milah von Mamre beraten? (Rav Frand, Wajera 5783 - Beitrag 2)

Rav Frand zu Paraschat Wajera 5783 – Beitrag 2
Ergänzungen: S. Weinmann
Wieso lässt sich Awraham über die Mizwa der Brit Milah von Mamre beraten?
Der Passuk zu Beginn der Parascha beschreibt, wie Awraham in Elonej Mamre (dem Hain von Mamre) sitzt und G’tt ihm erscheint. [Bereschit 18:1] Raschi erklärt, wieso die Torah auf den genauen Ort dieser Begebenheit hinweist (da wir dies bereits von Paraschat Lech Lecha wissen): Mamre war es, welcher ihn zur Milah riet (und ihm sagte, dass die Beschneidung eine gute Sache sei). Aus diesem Grund erschien G’tt Awraham auf Mamre’s Grundstück (als Belohnung für Mamre).
Offensichtlich hatten Awraham’s übrige Verbündete, Aner und Eschkol, ihm gegen die Beschneidung in so einem hohen Alter von 99 Jahren geraten. Nur Mamre riet ihm, G’ttes Befehl zu befolgen und ermutigte ihn, die Operation in Angriff zu nehmen. Für seine „Mitarbeit“ bei Awraham’s Milah erschien G’tt Awraham in Elonej Mamre, sodass Mamre auf diese Weise „verewigt“ wurde.
Die Erklärer stossen sich daran, dass Mamre Awraham beraten musste, auf G’ttes Befehl zu hören und die Beschneidung durchzuführen. Ist es denkbar, dass Awraham zweifelte, einen g’ttlichen Befehl zu befolgen? Wenn wir diese Lehre für bare Münze nehmen, scheint es, dass Awraham eine „Zweitmeinung“ einholte, ob er diese Operation auf sich nehmen solle, obwohl G’tt ihm geboten hatte, dies zu tun. Ist das möglich? Awraham, der 10 Prüfungen mit Bravour bestand, sich für G’tt in den Feuerofen werfen liess und bereit war seinen Sohn G’tt zu opfern, hegte hier Zweifel?
Der Da’at Sekejnim miBa’alej Tossafot meint (wie wir dies bereits vergangene Woche zitiert haben), dass Awraham sich nie im Zweifel darüber befand, G’ttes Befehl zu erfüllen. Seine einzige Frage war, ob die Beschneidung öffentlich oder in privatem Rahmen stattfinden solle. Mit anderen Worten: Er beriet sich mit Aner, Eschkol und Mamre, um die Haltung der Nachbarn zu so einem Unternehmen zu erfahren. Mamre riet Awraham zur öffentlichen Ausführung.
Der Imrej Schamai zitiert das Werk „Torath Aharon al HaTorah“, welches einen hochinteressanten Gedanken und eine etwas anderslautende Antwort auf diese Frage erörtert. Awraham hatte überhaupt keine Bedenken, die Mizwa von Milah in die Tat umzusetzen. Wieso musste er sich dann an die nichtjüdische Welt wenden, um Ratschläge einzuholen? Die Antwort ist, dass Awraham klar machen wollte, dass auch der Nichtjude Milah für eine gute Idee hält. Dies sollte den „Sündern Israels“ in jeder Generation Eindruck machen, welche zu allen Fragen nach der Meinung der Nichtjuden (mehr als der unserer Weisen) forschen und diese respektieren.
Heute beschneiden sogar sehr weltliche Juden, welche dem Judentum weit entfernt sind, ihre Söhne. Die anderen Mizwot nennen sie „archaisch“, „altmodisch“ oder „überholt“. In vielen Kreisen unserer jüdischen Brüder stellt die Angst „Was werden sie wohl sagen?“ eine Ausflucht dar, um das Nichtbeachten der Mizwot zu begründen. Trotz alledem wird die Milah auch in weiten Teilen der nichtreligiösen Kreise ausgeführt.
Warum ist dies so? Der Torat Aharon meint, dass Awraham Awinu wegen seiner Absprache mit Mamre diese bleibende Wirkung erzielte. Sogar der Nichtjude meinte, dass die Milah eine gute Idee ist! Deshalb hat das Argument „Was werden die „Umot ha’Olam“ („Völker der Welt“) dazu sagen?“ bei dieser Mizwa nie Fuss gefasst.
Quellen und Persönlichkeiten:
- Da’at Sekejnim mi'Ba'alej HaTossafot; ein Torakommentar der Ba'alej HaTossafot („Tossafisten“), der Talmuderklärer des 12. und 13. Jahrhunderts.
- Imrej Schamai, interessante Erklärungen zum Chumasch, von Rav Schamai Ginsburg, (1907-1997), Gelehrter; Polen, Israel
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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich
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