Den Unterschied wissen, zwischen einem Nörgler und einem Wahrheitssucher (Rav Frand, Jitro 5783 - Beitrag 2)
Raw Frand zu Paraschat Jitro 5783 - Beitrag 2
Ergänzungen: S. Weinmann
Den Unterschied wissen, zwischen einem Nörgler und einem Wahrheitssucher
Die dieswöchige Parascha berichtet uns, über das Kommen von Mosche’s Schwiegervater Jitro in die Wüste, zur Lagerstätte des jüdischen Volkes. Unsere Weisen erklären (siehe Raschi anfangs Parascha), dass der Name Jitro von der hebräischen Wurzel „Jeter“ - „mehr“ abgeleitet wird, weil durch Jitro ein besonderer Abschnitt in der Torah hinzugefügt wurde [siehe Schemot 18:14-26]. Raw Jerucham Leibowitz sZl. schreibt in seinem Werk Da’at Torah zu dieser Parascha, dass Jitro's Einzigartigkeit daher stammte, dass er ein extrem kritischer Mann war. Um Raw Jerucham zu zitieren: “Er hatte die Kraft zur Kritik (Koach haBikoret).“
Jitro konnte jede Situation sofort einschätzen, ob sie angemessen oder unangemessen war. Mosche Rabbejnu richtete die Leute in einem allgemein akzeptierten System und Mosche hatte seine Gründe, warum er dies so tat. Plötzlich kam Jitro daher und kritisierte seinen Schwiegersohn: „Dies ist nicht richtig.“ Als Ergebnis dieser Kritik änderte Mosche Rabbejnu das ganze System, gestaltete die ganze Methode des Rechtssystems in Klal Jisrael neu. Woher hatte Jitro diese Kraft zur Kritik?
Wir wissen noch etwas anderes über Jitro. Chasal (unsere Weisen) sagen, Jitro persönlich hatte alle Religionen der Welt erforscht. Er selbst war ein Priester der Awoda Sara (Götzendienst) gewesen (oder war zumindest ein grosser Anhänger des Götzens von Midjan).
Jitro prüfte jede Awoda Sara in der ganzen Welt, doch alle liessen ihn geistig unbefriedigt, bis er schlussendlich zum Judentum fand. Er erkannte die Wahrheit und übertrat dann zum Judentum.
Dieser biographische Einblick kennzeichnet Jitro's „Kraft zur Kritik.“ Von Natur aus war er ein Forscher der Wahrheit. Er war ein höchst kritischer Mensch. Er versuchte alle Awodot Sarot, weil er die Wahrheit suchte. Wenn er diese in einer Awoda Sara nicht fand, verliess er sie und suchte eine neue. Er war erst zufrieden, als er die Wahrheit entdeckte.
Ein Mensch, der jede Religion dieser Welt testen und sagen kann: “Ich bin nicht zufrieden”, ist der gleiche Mensch, der eine Situation anschauen und sagen kann: „Dies ist nicht richtig“.
Ist dies eine gute Charaktereigenschaft oder eine schlechte? Ist es gut, kritisch zu sein? Die Antwort darauf ist - gleich wie bei so vielen anderen Charaktereigenschaften: Es kommt drauf an. Die Grenze zwischen dem Gehinom (Hölle) und Gan Eden (Paradies) ist so dünn wie ein Haar. Ein Mensch kann auch übertrieben kritisch sein und im Gehinom enden.
Ob ein Mensch zu kritisch ist, kann man daran messen, wie er sich selbst verhält. Wenn man den gleichen rigorosen Standard bei sich selbst wie bei anderen Menschen anwendet, ist es offensichtlich, dass man nicht nur reklamieren, sondern die Wahrheit finden will. Um den talmudischen Ausdruck zu benutzen: “Richte dich zuerst selbst und dann die anderen” [Sanhedrin 18a], dann ist diese Kritik positiv. Erst wenn man an sich selbst den gleichen rigorosen Massstab setzt, kann man andere Leute kritisieren.
Jitro kritisierte auch sich selbst. Er spürte auf, er suchte, und er verliess Religionen und Denkarten, denen er früher nachgegangen war, wenn er in ihnen Mängel fand. Solche ehrliche Selbstkritik gab ihm die Autorität und Glaubwürdigkeit, andere Leute konstruktiv zu kritisieren und eine „besondere Anteil“ in der Torah zu bekommen.
Quellen und Persönlichkeiten:
Rabbi Jerucham Halevi Leibowitz (Levovitz) (1874 - 1936): Einflussreicher Denker, Maschgiach (Leiter und geistiger Ratgeber) der Jeschiwa in Mir, Litauen. Verfasser vieler Werke, u.a. Da’at Chochma uMussar und Da’at Tora zum Chumasch.
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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich
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