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Die grösste Strafe ist es, Unrecht gehabt zu haben (Raw Frand Wajigasch 5781 - Beitrag 1)

Ergänzungen: S. Weinmann

Die grösste Strafe ist es, Unrecht gehabt zu haben

In der dieswöchigen Parascha gibt es einen sehr delikaten Midrasch [Midrasch Raba 93:10]. Der Passuk (Vers) beschreibt, wie Josef zusammenbricht und den Brüdern seine Identität enthüllt. Die Torah sagt, dass die Brüder so entsetzt waren, dass es ihnen völlig die Sprache verschlug. Der Midrasch sagt, dass sie angesichts Josefs „Tadel“ bestürzt waren; und der Midrasch führt weiter aus: “Sagt Aba Kohen Bardela: Wehe uns vor dem Tage des Gerichts; wehe uns vor dem Tage des Tadels.“ So wird sich jeder von uns am Tage seines Gerichts fühlen. Nach 120 Jahren, wenn wir uns für unsere Taten auf dieser Welt verantworten müssen, werden wir uns genau so fühlen. Wenn wir mit G’ttes Vorwürfen konfrontiert sein werden, wird es uns die Sprache verschlagen. Der Midrasch hält auf dramatische Weise fest, dass auch wir - genau wie sie ihrem kleinen Bruder Josef nicht zu antworten vermochten - sicher keine Entgegnung auf die Vorhaltungen des Allmächtigen werden finden können.

Die Kommentatoren sind über diesen Vergleich zu Josefs Tadel an seinen Brüdern erstaunt. Überfliegt man den Passuk - „Ich bin Josef, euer Bruder, lebt mein Vater noch?“ - erkennen wir keine schwerwiegende Vorhaltung. Wo ist denn da der Tadel?

Ich habe eine interessante Antwort auf diese Frage von Rav Pam gesehen. Rav Pam sagt, dass der Tadel aus den Worten „Ich bin Josef“ besteht. Als die Brüder die Worte „Ich bin Josef“ hörten, waren sie wie vor den Kopf geschlagen. „Du kannst doch nicht Josef sein. Josef war ein schlechter Mensch. Josef wollte uns allen schaden. Josef hasste uns. Wie kannst du Josef sein?“

Sie stellten plötzlich fest, dass - falls diese Person Josef war - sie all die Jahre im Unrecht gewesen waren. Sie hatten ihren Bruder unterbewertet. Sie hatten nicht gemerkt, wer er war. Sie hatten ihn als Träumer, als Phantast und Dummkopf abgestempelt. Sie waren völlig entsetzt über die Erkenntnis, wie Unrecht sie gehabt hatten. Er war kein Träumer ­ er war ein Prophet! Die Brüder realisierten, dass sie alles falsch gemacht hatten! Das ist die grösste Strafe! Rav Pam sagt, dass wir im Laufe unseres Lebens andauernd Leute beurteilen. Wir denken, dass diese Person „nicht gut“ und dass eine andere Person „ein Niemand “ sei. Wenn wir in der Welt der Wahrheit ankommen und die Wahrheit über alle diese Leute vernehmen, werden wir entsetzt sein. „Wir waren völlig auf dem Holzweg. Diese Person ist kein Dummkopf; diese Person ist nicht schlecht. Dieser Mensch ist in Tat und Wahrheit wichtig, schau doch wo sein Platz im Gan Eden (Paradies) ist!“ Das wird eine schwere Strafe sein.

Rav Pam erklärt weiter, dass wir am Tage des Gerichts nicht nur gewahr werden, wer unsere Freunde und wer unsere Ehepartner und Kinder wirklich waren. Uns wird auch gezeigt, wie wir selbst im Himmel beurteilt wurden. Auch das könnte zu einer grossen Ernüchterung führen.

Der Talmud (Pessachim 50a) sagt über die Welt der Wahrheit: „Rabbi Josef, der Sohn von Rabbi Jehoschua ben Levi war sehr krank und bewusstlos (scheintot). Als er wieder erwachte, fragte ihn der Vater: „Was hast du dort (in der künftigen Welt) gesehen?“ „Eine verkehrte Welt sah ich dort - antwortete er - diejenigen, welche hier als „Eljonim (Angesehen)“ betrachtet wurden, sind dort   „Tachtonim (nichts Besonderes)“ und Leute, welche auf dieser Welt „Tachtonim“ waren - wir sie nicht einmal eines Blickes würdigten - sind in jener Welt die Erhabenen.“

[Anmerkung des Herausgebers: Rabbi Mosche Feinstein erklärt dies vortrefflich [siehe Darasch Mosche, Schemot 6:26], um es in einem Satz zu formulieren: In der künftigen Welt wird der Mensch nach Ausschöpfung seines eigenen Potenzials bewertet und nicht nach effektivem Wissen und Erreichtem.] 

Quellen und Persönlichkeiten:

Rabbi Mosche Feinstein (1895 - 1986): Rosch Jeschiwa von Mesivta Tiferet Jerusalem, New York. Einer der grössten, zeitgenössischen Autoritäten der Halacha.

Rav Avraham Pam (1913 ­- 2001): Führender Gelehrter; Rosch Jeschiwa; Brooklyn, New York.

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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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