Mosche blieb auf der Stufe des Berges, obwohl er sich unter das Volk mischte (Rav Frand, Jitro 5783 - Beitrag 1)

Raw Frand zu Paraschat Jitro 5783 - Beitrag 1
Mosche blieb auf der Stufe des Berges, obwohl er sich unter das Volk mischte
Bei den Vorbereitungen zum erhabensten Moment des jüdischen Volkes, dem Empfang der Torah, erzählt uns die Tora: „Da stieg Mosche vom Berg zum Volk hinab; und er befahl dem Volk, sich heilig zu halten, und sie wuschen ihre Kleider.“ [Schemot 19:14] Raschi erklärt den scheinbar überflüssigen Ausdruck „zum Volk“. Gemäss Raschi [Midrasch Mechilta] lehrt dies, dass Mosche sich nicht mit seinen Angelegenheiten beschäftigte; er ging vielmehr vom Berg direkt zum Volk.
Der Passuk sagt im Grunde nichts anderes, als dass Mosche seine Post nicht durchsah, nachdem er vom Berg heruntergekommen war, und seinen Telefonbeantworter nicht abhörte, und seinen Wagen auch nicht anliess, um zu prüfen, ob die Batterie nach seiner Abwesenheit noch funktionierte. Er kümmerte sich auf keine Weise um seine eigenen Bedürfnisse. Er ging schnurstracks dorthin, wo ihn sein Volk brauchte.
Auf welche neue Erkenntnis will Raschi uns denn hinweisen? Rav Elja Me’ir Bloch erklärt in seinem Werk Peninej Da’at, dass der Vers auf eine einzigartige geistige Errungenschaft hinweist, über die Mosche nach seinem Abstieg vom Berg Sinai verfügte. Wer „auf dem Gipfel“ gewesen war und dann wieder „zum Volk“ hinuntersteigen muss, erfährt unweigerlich ein Absinken der geistigen Kräfte.
Es gibt Leute, welche längere Zeit in einer Umgebung verbringen, welche dem „Elfenbein-Turm“ gleicht. Es gab sicher nie einen grossartigeren Elfenbein-Turm wie den Berg Sinai in den 40 Tagen, während denen Mosche die Torah empfing. Für Menschen, welche den Elfenbein-Turm verlassen und zu den Massen zurückkehren gibt es zwei Möglichkeiten:
Der natürliche Instinkt sagt: „Wie kann ich mich schützen? Wie kann ich die unverfälschte Erkenntnis, die ich erfahren habe, beibehalten?“ Ein Ansatz besteht darin, zu beharren: „Ich will den Berg nie verlassen. Sogar wenn ich körperlich dazu gezwungen bin, werde ich es nicht zulassen, dass ich geistig von dieser hohen geistigen Stufe heruntergezogen werde. Ich werde in meinen eigenen vier Ellen bleiben, in meiner eigenen, ganz besonderen Umgebung. Die weltlichen Bedürfnisse der Massen sollen mich nicht absinken lassen.“
Der andere Zugang ist: „Ich habe gegenüber den Menschen eine Verpflichtung. Es ist mir bewusst, dass dies in einem gewissen Grad zu einem geistigen Abstieg meinerseits führen kann, aber ich habe zu machen, was zu machen ist, was meine Pflicht ist, und so ist es eben.
Raschi betont, dass Mosche imstande war, das Beste der beiden Welten zu erwerben. Er ging direkt zum Volk. Ihre Bedürfnisse waren ihm nicht fern. Er machte keine Anstalten, unnahbar zu sein. Trotz, dass er sich zeitweilig „von seinen eigenen Bedürfnissen abwenden musste“, behielt er seine geistige Stufe. Die Tatsache, dass er sich mit den Menschen abgab, zog ihn nicht von seiner geistigen Höhe herab. Er blieb geistig so hochstehend, als ob er auf dem Berg geblieben wäre. Er mischte sich unter das Volk, er wurde Teil seines Volkes, aber seine Konzentration, seine Gefühlstiefe und seine geistige Stärke blieben davon unberührt.
Quellen und Persönlichkeiten:
Raschi, Akronym für Rabbi Schlomo ben Jizchak (1040-1105); Troyes (Frankreich) und Worms (Deutschland); „Vater aller TENACH- und Talmudkommentare“.
Rav Elja Me‘ir Bloch (1894 – 1955); Rosch Jeschiwa in Tels (Litauen), und Gründer und Rosch Jeschiwa der Telser Jeschiwa in Cleveland, Ohio (USA). Seine Schüler fassten im Werk Peninej Da’at Gedanken von ihm zum Pentateuch und Mischlej (Sprüche) zusammen.
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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich
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