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Das wundersame Glockengeläut lehrt uns, den G-ttesdienst demütig auszuüben (Rav Frand, Tezawe 5783)

Rav Frand zu Paraschat Tezawe 5783

 

Bearbeitet und ergänzt: S. Weinmann

 

Das wundersame Glockengeläut lehrt uns, den G-ttesdienst demütig auszuüben

Der Passuk in Paraschat Tezawe lehrt uns: "Du sollst den "Me’il" (das Obergewand) des Efod (Raschi: das Obergewand, auf dem das Efod (schürzenartiges Gewand) als Umgürtung diente) gänzlich aus himmelblauer Wolle herstellen" [Schemot 28:31]. Eines der Kleidungsstücke des Kohen Gadol (Hohenpriester) war der Me'il, eine Art Gewand. Die Tora beschreibt zuerst, wie der Me'il hergestellt werden soll, und dann fügt die Tora hinzu: "Und du sollst an seinem unteren Saum Granatäpfel aus himmelblauer, purpurroter und karmesinroter Wolle anbringen, an seinem Saum ringsum, und zwischen ihnen goldene Glöckchen ringsum" [Schemot 28:33]. An dem Saum des Gewandes befanden sich kleine vielfarbige hohle Kugeln in Form von Granatäpfeln. Zusätzlich hatte es goldene Glöcklein mit Klöppeln darin, die sich mit den Granatäpfeln am Saum des Gewandes ringsum abwechselten.

Die Tora betont, dass der Klang dieser Glöckchen gehört werden sollte, wann immer Aharon das Heiligtum betreten oder verlassen würde [Schemot 28:35].

Dies ist die einfache Erklärung der Pessukim (Verse), wie Raschi sie interpretiert, dass die   Glöckchen und Granatäpfeln alternierend am Saum befestigt waren. Der Ramban ist mit Raschis Interpretation, dass sich zwischen den wollenen Granatäpfel Glöcklein befanden, nicht einverstanden. Falls die Anordnung so war, wie Raschi es erklärt, scheint es keine Begründung für die Granatäpfel zu haben. Zweitens, wozu mussten sie hohl sein? Wären sie nicht viel schöner als volle Kugeln wie Äpfel? Drittens, warum erklärt die Tora nicht, wie die Glöcklein am Saum angemacht waren.

Deshalb erklärt es der Ramban anders, und zwar, dass sich die Glöcklein in den hohlen wollenen Granatäpfeln befanden und ein wenig hinausschauten. (Die Tora schreibt: "betocham", das kann als zwischen aber auch als darin interpretiert werden).  Sie wurden so zusammen angefertigt und dann gemeinsam an den Saum gehängt. Dies bedeutet, dass der wollene Stoff der Granatäpfel-Kugeln die Glöckchen umgab. Wie jedem bekannt ist, kann eine Glocke die eingepackt ist kaum klingeln!

Raw Schewel bemerkt in seinem Kommentar auf den Ramban, dass es laut dieser Interpretation schwierig zu verstehen ist, was für einen Ton die "Glocken" erklingen liessen. Was will der Passuk also sagen, wenn er schreibt "Und der Klang von ihm wird gehört werden, wenn er (der Hohenpriester) ins Heiligtum kommt?" Ein Klöppel, der an eine eingepackte Glocke schlägt, erzeugt keinen Ton! Raw Schewel legt eine Antwort nahe, die auf der Pesikta basiert: Es war ein Wunder, dass ein Ton aus diesen Glocken erklang, wie wenn sie freihängend wären. Obwohl aufgrund der Physik und der Klanglehre solche ein Ton unhörbar hätte sein sollen, wurde auf wundersame Weise ein Ton gehört.

Trotzdem müssen wir uns fragen: Warum? Warum musste Hakadosch Baruch Hu im Bejt Hamikdasch (Tempel) solch ein Wunder machen? Natürlich fanden im Bejt Hamikdasch auf täglicher Basis Wunder statt – aber sie hatten alle einen verständlichen Zweck. Zum Beispiel gab es nie Fliegen in der Umgebung des geschlachteten Fleischs der Tiere, und der Rauch vom Misbeach (Altar) stieg direkt zum Himmel auf. Wenn jedoch ein Bedürfnis bestand, einen Ton erklingen zu lassen, der das Betreten des Kohen Gadols ins Bejt Hamikdasch ankündigte, warum wurden nicht freihängende Glocken verwendet? Warum sollte ein übernatürlicher Ton erklingen?

Mein Sohn, Reb Ja’akov, brachte mir eine sehr schöne Erklärung im Namen von Raw Josef Flamm. Darin liegt eine Botschaft: Wenn jemand das Heiligtum betritt, sollte er nicht derjenige sein, der   Geräusch macht! In Awodat Hakodesch (G-ttesdienst) sollte man nicht versuchen, viel Lärm zu machen: Man sollte es auf stille, demütige Weise tun, ohne viele Glocken oder Pfeiftöne. Das Resultat wird jedoch trotzdem sein, dass "der Ton von ihm gehört werden soll, wenn er das Heiligtum betritt". Der Ribbono schel Olam (Herr der Welt) wird es bekannt machen. Er wird die Sache publizieren. Es ist nicht nötig, dass du das Geräusch selbst machst.

Wenn du ins Heiligtum kommst, versuche nicht, Schlagzeilen zu machen. "…weHaznea lechet im Elokecha" [Micha 6:8] – Gehe in seine Wege auf stiller (demütiger) Weise! Sorge dich nicht, dass du keinen genügend starken Eindruck mit deinen guten Taten machst. Der Ribbono schel Olam wird sicherstellen, dass es bekannt wird: "Wenischma Kolo bewo'o el haKodesch - und sein Ton wird gehört werden, wenn er das Heiligtum betritt." Dies ist gemäss dem Ramban die Botschaft der Glocken, die in Wolle eingepackt auf dem Gewand des Kohen Gadols hingen.

Quellen und Persönlichkeiten:

Raschi, Akronym für Rabbi Schlomo ben Jizchak (1040-1105); Troyes (Frankreich) und Worms (Deutschland); „Vater aller TENACH- und Talmudkommentare“.

Ramban: Rabbi Mosche ben Nachman – "Nachmanides" (1194 - 1270); Gerona, Spanien; Erez Jisrael; einer der führenden Toragelehrten (Rischonim) des Mittelalters, einer der Haupterklärer des Chumasch (fünf Bücher Moses), wie Verfasser weiterer Werke in Haschkafa (Kitwej haRamba“n) und Abhandlungen zum Talmud.

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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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