Der heutige Dienst ist der gleiche wie der gestrige Dienst (Raw Frand Zaw und Pessach 5781)

Ergänzungen: S. Weinmann
Der heutige Dienst ist der gleiche wie der gestrige Dienst
Wir lesen zu Beginn dieser Parascha über die Mizwa von Terumat haDeschen (Abheben der Asche): "Der Kohen soll sein leinenes Gewand und seine leinene Hosen anziehen, er soll die Asche abheben, zu der das Feuer das Olah-Opfer (Ganzopfer) auf dem Misbe’ach (Altar) verzehrt hat, und lege sie neben dem Altar." [Wajikra 6:3]
Bevor der Kohen den täglichen Dienst beginnen konnte, musste er zur Brandstätte auf dem Altar gehen, wo die Olah-Opfer verbrannt wurden und dort eine Pfanne voll Asche aufnehmen. Er legte dann diese Asche neben den Altar. Dieses Ritual von Terumat haDeschen soll nicht mit einem anderen Ritual verwechselt werden – Hoza'at haDeschen (Entfernen der Asche). Jenes Ritual wird im nächsten Passuk (Vers) erwähnt: "Er soll dann seine Kleider ausziehen und sich mit anderen Kleidern bekleiden und die Asche hinaustragen (ENTFERNEN), und sie an einen reinen Ort ausserhalb des Lagers hinlegen." [Wajikra 6:4] Hoza'at haDeschen ist lediglich ein “Beseitigen” der aufgehäuften Asche. Hingegen Terumat haDeschen ist ein Teil der täglichen Awoda (des Tempeldienstes).
Welche Bedeutung steht hinter dieser Awoda? Was besagt die Tatsache, dass der Kohen jeden Morgen als allererstes, eine Pfanne voll Asche der gestrigen Opfer zusammensammeln und sie neben den Altar als Vorbereitung für die heutigen Opfer legen musste?
Raw Samson Raphael Hirsch sagt dazu etwas sehr Grossartiges. Ich zitiere: "Das jüdische Heute hat aus der Hand des Gestern seine Bestimmung vor G’tt hinzunehmen." Dies bedeutet, wir müssen die heutige Awoda (G-ttesdienst) mit der gestrigen Awoda verbinden. Dies, weil die gestrige und die heutige Awoda die gleiche Awoda ist. Im Judentum gibt es keine solche Sache, wie "Ach, das war die gestrige Herausforderung. Heute gilt etwas anderes."
Nein! Heute haben wir die gleiche Awoda wie gestern, wie Raw Hirsch erklärt: "Der späteste jüdische Enkel steht mit seiner Lebensaufgabe da vor G’tt, wo sein Urahn gestanden, und jeder Tag legt zu allen seinen Vorgängern in der ganzen Reihe der Jahrhunderte seinen Beitrag zur Lösung der einen, allen Geschlechtern des Hauses Ja’akows gegebenen Aufgabe." Awraham Awinu, der erste Jehudi hatte die exakt gleiche Mission wie der „letzte Jehudi“. Da hat sich in 3’800 Jahren nichts geändert.
Der Dienst jedes Tages sollte mit neuer Frische und Eifer verrichtet werden. Jeden Tag sollte er in unseren Augen sein, "ALS OB er neu wäre." Doch wenn wir es genau betrachten, ist es derselbe Dienst.
Eine solche Botschaft wird heutzutage nicht mehr gehört. Politiker sprechen oft von einer "neuen Ära", dem "neuen Beginn", "neuen Herausforderungen", und "neuen Vorgehensweisen." Die übliche Einstellung ist, was mal in der Vergangenheit funktioniert hat, wird dies jetzt nicht mehr sein. Doch dies ist nicht der jüdische Zugang.
Natürlich hat jede Generation ihre eigenen Herausforderungen. Doch die grundlegende Mission und Botschaft ändern sich nicht. Die Awoda ist die gleiche wie gestern. Das allererste, das ein Kohen tut, um den täglichen Dienst zu beginnen, ist sich zu erinnern, dass es das gleiche ist, was er gestern tat und was er morgen tun wird.
Es gibt ein Prinzip im Opferdienst, dass wenn eine Mizwa einmal beendet wurde (na'assit Mizwata), dann geht das Verbot von Me’ila (sich am Vermögen des Heiligtums zu vergehen) nicht mehr an. Von diesem Prinzip ist Terumat haDeschen eine Ausnahme. Nachdem die Asche abgehoben und neben den Misbe’ach gelegt wurde (um die Mizwa scheinbar zu beenden), geht Me’ila immer noch an. Die Erklärung dafür ist die folgende: Mit dem, dass man die Asche dorthin LEGT, hat man die Mizwa noch nicht beendet. Dass die Asche dort IST, das ist die Mizwa. Dies passt zu der Symbolik, die wir erwähnt haben. Die Asche muss dort bleiben, damit jeder sie sieht, um zu demonstrieren, dass der himmlische Dienst ohne Veränderungen immer weitergeht.
Paraschat Zaw wird in der Regel vor Pessach gelesen. Am Pessach finden wir die gleiche Botschaft. In Dewarim [6:20-25] heisst es:
"Wenn dich dein Sohn einst fragen wird, wie folgt: Was sind das für Gebote, Gesetze und Rechtsvorschriften, die euch der Ewige, unser G-tt, geboten hat? Dann sollst du deinem Sohn antworten: Sklaven waren wir bei Pharao in Ägypten, und der Ewige führte uns aus Ägypten mit mächtiger Hand. Und der Ewige tat grosse und böse Zeichen und Wunder in Ägypten an Pharao und seinem ganzen Hause vor unseren Augen. Uns aber führte er von dort heraus, um uns in das Land zu bringen, das er unseren Vätern mit einem Schwure zugesagt, um es uns zu geben. Da befahl uns der Ewige, alle diese Gesetze auszuüben, den Ewigen, unseren G-tt, zu fürchten, auf dass es uns allezeit wohl gehe, und er uns am Leben erhalte, wie es jetzt geschieht. Als Frömmigkeit wird es uns angerechnet werden, wenn wir all diese Gebote vor dem Ewigen, unserem G-tt, sorgfältig einhalten, wie er es uns befohlen hat."
In der Seder-Nacht prägen wir das unseren Kindern - Jahr ein, Jahr aus - seit 3333 Jahren ein. Der Auszug aus Ägypten bezweckte eines: G-ttes Gebote einzuhalten. Die gleichen Gebote, die unsere Urahnen am Berge Sinai erhielten, halten auch wir ein, nichts hat sich geändert. Wir demonstrieren in der Seder-Nacht, dass der himmlische Dienst ohne Veränderungen immer weitergeht. Die Seder-Nacht hat jedes Jahr den haargleichen Seder (Ordnungf), bei Vater, Grossvater und Urgrossvater. Die Awoda ist die gleiche geblieben.
Quellen und Persönlichkeiten:
Rabbiner Samson Raphael Hirsch (1808-1888): Frankfurt am Main, Führer der Deutsch-Jüdischen Orthodoxie. Verfasser von unzähligen Werken zur jüdischen Weltanschauung und zum Chumasch und Tehilim (Psalm).
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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich
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