Drei Bücher werden am Rosch Haschana geöffnet

Drei Bücher werden am Rosch Haschana geöffnet (Raw Israel Ciner zu Rosch Haschana 5764)

Diesen Schabbat beginnt Rosch Haschana ­ der Tag des Gerichtes. Wir wollen versuchen, das Wesen des Gerichtes von Rosch Haschana besser zu verstehen.

Raw Kruspdaj lehrte, dass drei Bücher an Rosch Haschana geöffnet werden: eines für die Schlechten, eines für die Gerechten und eines für die Mittelmässigen. Die Gerechten werden sofort in das Buch des Lebens eingeschrieben und besiegelt, während die Schlechten sofort zum Tod eingeschrieben und verurteilt werden. Die Mittelmässigen werden bis Jom Kipur (dem Versöhnungstag) ‚hängen‘ gelassen ­ falls sie es dann verdienen, werden sie zum Leben eingeschrieben, andernfalls zum Tod.

Tosfot wundert sich über diese Aussage und stellt die Frage, die die meisten von uns beschäftigt. Viele Leute, die wir als rechtschaffen einschätzen, erleben das Ende des Jahres nicht. Ihr Tod offenbart uns, dass diese Gerechten am letzten Rosch Haschana zum Tod verurteilt worden sind. Zur selben Zeit schaffen es Leute wie Saddam Hussein von Rosch Haschana zu Rosch Haschana, sie werden merkwürdigerweise Jahr für Jahr zum Leben eingeschrieben ...

Tosfot erklärt, dass sich in der erwähnten Aussage der Tod der Bösen und das Leben der Gerechten auf das Leben in der Zukünftigen Welt bezieht.

Auf den ersten Blick erscheint dies seltsam. Das Urteil über die Stellung eines Menschen in der Zukünftigen Welt wird nach dessen Tod gefällt, nicht an Rosch Haschana. Nur zu diesem Zeitpunkt kann das Leben vollständig überblickt und beurteilt werden. Und sogar wenn wir sagen, dass das Urteil an Rosch Haschana gefällt wird, warum muss dann ein Mensch an jedem Rosch Haschana beurteilt werden? Nur am letzten Rosch Haschana im Leben des Menschen sollte das Urteil gefällt werden. Danach, nach dem Tod, könnte ein weiterer Richtspruch bereinigen, was zwischen dem letzten Rosch Haschana und dem Moment, in dem die Seele zu ihrem Schöpfer abberufen worden ist, vorgefallen ist.

Der Siftej Chajim erläutert den Sachverhalt, gestützt auf den Ramcha’l und den Gr’a. Das Urteil an Rosch Haschana zeigt die geistige Stufe und Grösse einer Person. Ist dies eine Person, welche mit ihrer Handlungsweise auf die Zukünftige Welt zusteuert? Das ist die Welt des ewigen Lebens. Eine solche Person wird zum Leben eingeschrieben. Jemand, der diese Richtung nicht eingeschlagen hat, wird zum Tod eingeschrieben. Nachdem dies an Rosch Haschana entschieden ist, folgt der eigentliche Richtspruch, über das, was mit ihm in diesem Jahr geschehen wird.

Ein Mensch, welcher zum Tod eingeschrieben wurde, kann mit Ruhe und Reichtum gesegnet werden, damit er für alle guten Taten, die er auf dieser Welt vollbracht hat, korrekt entschädigt wurde. Ebenso kann ein Mensch, der zum Leben eingeschrieben wurde, von Schwierigkeiten heimgesucht werden, um ihn von Sünden zu reinigen, die er auf dieser Welt begangen hat. Damit wird sein Weg in das ewige Leben geebnet.

Es kann aber auch sein, dass ein Mensch, der zum Leben eingeschrieben wurde, nicht von Schwierigkeiten aufgerüttelt werden muss; sein Urteil für dieses Jahr kann Frieden und Wohlstand bedeuten. Andererseits kann jemand, der zum Tod eingeschrieben worden ist, durch eine Tragödie aufgeschreckt werden, um ihn aus seiner Lethargie zu wecken. Das kann ihn dazu bringen, seine Lebensziele und Prioritäten zu überdenken.

Gut Schabbes und Schana Tova. Mögen Sie alle in das Buch des Lebens eingeschrieben und mit einem Jahr voll Glück, geistigem Wachstum und Zufriedenheit gesegnet werden.


Quellen und Persönlichkeiten:
Ba’ale Tosfot („Tossafisten“): Talmuderklärer des 12. und 13. Jahrhunderts.
Rav Chaim Frielander (1923 1986): Autor des Buches „Siftej Chajim“; Maschgiach (geistiger Führer) der Jeschiwa von Poniwesch, Benej Brak, Israel.
Rav Mosche Chajim Luzzatto [der "Ramcha’l"] (1707 - 1747): Rabbiner und Gelehrter, sein Hauptwerk ist das Buch “Mesilat Jescharim” (“Weg der Rechtschaffenen”); Padua, Amsterdam, Israel.
Wilnaer Gaon (der „Gr’a“): Rav Eljahu ben Schlomo Salman von Wilna (1720 - 1797), Wilna; Torahgenie, Autor von zahlreichen Lehrbüchern und Kommentaren.


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