Sukkot und der Zweck des Galut (des Exils)

Sukkot und der Zweck des Galut (des Exils) (Raw Ciner zu Sukkot 5764)

Der Talmud [Avoda Sara 9a] lehrt, dass die Welt, so wie wir sie kennen, sechstausend Jahre existieren wird. Der Zeitpunkt, in dem der Moschiach (Messias) erscheinen wird, liegt irgendwann zwischen dem Jahr 4000 und dem Jahr 6000. Jedes Millenium entspricht einem Wochentag. Nach der Vollendung von sechstausend Jahren wird die Welt in eine vollständig neue Dimension eintreten, eine die dem Schabbat entspricht. Wir stehen im Jahr 5764, es verbleibt somit weniger als ein Viertel eines "Tages". Genau wie sich die Hektik an einem Freitag steigert, wenn der Schabbat näherrückt und im letzten Tagesviertel turbulente Dimensionen annimmt, so bedeuten die Ereignisse, die sich in letzter Zeit um Israel drehen, die letzten hektischen Vorbereitungen, um die Welt für ihr Endziel bereitzumachen.

Damit wir die gegenwärtigen Ereignisse besser verstehen können, müssen wir uns mit dem Zweck unseres Galut (Exil) etwas besser vertraut machen. Rav Dessler erläutert dies in seinem klassischen Werk Michtav mi'Eljahu auf folgende Weise.

Im Grunde genommen bedeutet Galut, dass die Schechina (G'ttes heilige Präsenz) sich im Exil befindet - dass Heiliges und Geistiges etwas Untergeordnetes zu sein scheinen. Wenn wir an einen Ort verschlagen werden, wo die Wahrheit mit Füssen getreten wird, scheint der Dienst für Haschem unwichtig und zwecklos zu sein. Wer an solchen "altertümlichen" Praktiken festhält, wird lächerlich gemacht. Die Aufgabe von Klal Israel (Gemeinde Israels) ist, am Glauben festzuhalten und sich nicht vom schädlichen Umfeld beeinflussen und abschrecken zu lassen.

Diejenigen, welche in ihrer Hinwendung zur Torah fest bleiben und erkennen, dass sie der eigentliche Zweck der Schöpfung und die Eintrittskarte für das ewige Leben darstellt, während der "Erfolg" in unserer Gesellschaft nur oberflächlich und vergänglich ist, haben die "Prüfung" des Galut bestanden. Sie haben auf diese Weise sich und damit auch die ganze Welt verbessert.

Schon zu Beginn der Reise des Menschen durch die Weltgeschichte war das Exil notwendig. Bevor Adam HaRischon (der erste Mensch) gesündigt hatte, stand er auf der Stufe des Gartens Eden. Für ihn war das Geistige eindeutig das Einzige, was zählte, und das Körperliche war nicht mehr als ein Schleier, der dies zu verbergen trachtete. Durch seine Sünde wurde die Welt in eine Art Umnachtung geworfen, in der das Körperliche als Realität erscheint. Der Zweck der Menschheitsgeschichte, eine Aufgabe, die Klal Israel aufgetragen wurde, ist es, die Welt in den Zustand von Adam HaRischon vor dem Sündenfall zurückzuführen und sie letztendlich auf die höchste Stufe der Vollkommenheit zu heben.

Der Endpunkt für diesen Vorgang liegt um das Jahr 6000 - das Mittel dazu ist das Galut.

Jedes Galut birgt seine eigenen Schwierigkeiten und Herausforderungen. Der rote Faden, der sich jedoch durch alles hindurchzieht, ist, dass jedermann die Möglichkeit und die Pflicht hat, durch den Rauchschleier der Natur und des Körperlichen hindurchzusehen und das Wahre und Wirkliche zu erkennen.

Der Tikun (Korrektur/Verbesserung) fing mit einzelnen Individuen, mit unseren Vorvätern an, und wurde später eine nationale Aufgabe, die den siebzig Seelen, die nach Mizrajim (Ägypten) hinunterzogen und die Keimzelle des jüdischen Volkes bildeten, auferlegt wurde.

Mizrajim, unser erstes Galut, war ein Ort, wo man sich intensiv mit geistig unreinen Kräften auseinandersetzte. Hexerei, Dämonenkult und Totenbeschwörung waren die Mittel, um die Natur den eigenen Wünschen und Begierden unterzuordnen. Wir zeigten unsere Ablehnung gegen diese Gesellschaft und ihre Normen, indem wir unsere Namen, Sprache und unsere Kleidung nicht änderten.

Die Reise unseres Volkes führte zur Übergabe der Torah, gefolgt von der Sünde des Goldenen Kalbes. Anschliessend folgte der Bau des Ersten Beit HaMikdasch (Tempel), dann seine Zerstörung und das Babylonische Galut. Daran schlossen sich der Bau des Zweiten Beit HaMikdasch, das Galut Javan (Griechisches Exil), die Zerstörung des Zweiten Beit HaMikdasch und das jetzige Galut Edom an.

Die Sünde, die zur Zerstörung führte, war grundloser Hass, welcher in Hochmut wurzelte. Du stehst mir nicht im Weg und du willst mir nicht schaden; doch deine blosse Anwesenheit stört mich zutiefst. Diese Hochmut führt zu Chuzpa - das fehlen jeglicher Zurückhaltung. Wer bist du, dass du mir sagen sollst, was recht ist und was falsch? Alternative Lebensweisen ...

Das Galut von Mizrajim befasste sich wenigstens mit Geistigem, das Galut von Edom ist grobe, greifbare Körperlichkeit. Die Technologie erlaubt scheinbar, die Natur komplett unter Kontrolle zu haben. Der Hochmut wird mit dem Gefühl der absoluten Kontrolle verstärkt.

Den Abschluss dieses Galut bildet die Rückkehr in unser Land. Das Galut der Schechina wird jedoch weiter verlängert - dieses Mal von unseren eigenen Leuten. Es fällt schwer, doch der Wilnaer Gaon schrieb folgendes: In der Zeit vor Moschiach wird Israel von den Nachkommen des gemischten Volkes beherrscht, das mit uns kam, als wir aus Mizrajim auszogen. Ihr Wahlspruch wird sein: "Die Stärke meiner Hand hat dies bewirkt." Auffallend wird sein, dass der Name G'ttes in ihren Sprüchen fehlen wird.

Dies ist die letzte Prüfung vor Moschiach. Diejenigen, welche gegen die Torah kämpfen, werden stolz auf alle Erfolge Anspruch erheben. Sie werden versuchen, G'tt zu verleugnen und Abneigung gegen alles Geistige zu verbreiten. Wir kehrten ins Land zurück. Wir kämpften dafür. Wir beherrschen es. Wer ist schon G'tt? Die Prüfung, so schliesst Rav Dessler, ist, durch die Fassade von "unsere Stärke" hindurchzublicken und unsere Kräfte darauf zu verwenden, G'tt zu dienen und zu erkennen, wie klar Seine Hand alles leitet.

Die Reise geht weiter. Die Herrscher planen in ihrer eitlen Selbstzufriedenheit die säkuläre Revolution. Sie versuchen in der Gesellschaft die übriggebliebenen religiösen Bereiche niederzureissen. Ihre Selbstzufriedenheit wird zerbrechen.

Der einzige Weg zum Frieden ist, im Einklang mit unserer Lebensaufgabe zu sein. Auf diese Weise wird die Helligkeit des Gartens Eden wieder leuchten und die ganze Welt wird Sein Licht erkennen.

Das Freitagabendgebet sagt: Gelobt seist Du G'tt, der die Sukka des Friedens über uns ausbreitet, über das ganze Volk Israel und über Jeruschalajim.


Quellen und Persönlichkeiten:
Rav Eljahu Dessler (1891 - 1954): Eine der herausragendsten Persönlichkeiten der "Mussar-Bewegung" (moralische Erneuerung); London, Gateshead, Bnej Brak (Israel).
Wilnaer Gaon: Rav Eljahu ben Schlomo Salman von Wilna (1720 - 1797), Wilna; Torahgenie, Autor von zahlreichen Büchern und Kommentaren.



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