Esthers Naturkundelektion

Raw Prero zu Esthers Naturkundelektion

Natur, natürlich. Wir hören und benutzen diese Worte oft. Wir wissen, dass die Sonne jeden Morgen auf- und dann am Abend wieder untergeht. Aber weshalb wissen wir das? Weil sie dies immer tat, wir es so erwarten, dieser Prozess ist Teil der Natur.

„Natur“ ist aber eigentlich nur eine Art, wie Haschem uns Seine Existenz bestätigt. Haschem ist immer existent, doch oft realisieren wir dies nicht. Weshalb? Weil Haschem Befehle erteilt hat, nach denen sich der tägliche Ablauf der Welt richtet. Die Sonne geht auf und unter. Öl brennt, Kinder werden geboren, Karrieren enden. Wir sehen keine Schlagzeilen in den Zeitungen “Kind geboren”, ausser wenn dieses Kind sechs Geschwister hat, die die Welt kurz nach ihm betreten haben oder wenn die Mutter eine Spät-Fünfzigerin ist, oder wenn das Kind sich den Luftraum über dem Pazifik ausgesucht hat, um die Welt zu erblicken.

Dies sind für uns aussergewöhnliche Ereignisse - nicht natürlich. Und deshalb merken wir auf.

Die Natur, das natürliche Geschehen fordert uns heraus - und Esther half ihren Schwestern und Brüdern genau eine solche Herausforderung zu bestehen.

Der Talmud (Ta'anit 25a) schreibt eine Geschichte über Raw Chanina. Raw Chanina war bekannt für seine schlimme finanzielle Situation wie auch für die offensichtlichen Wunder, die ihm geschahen. Einmal, es war ein Freitagabend, bemerkte er, dass seine Tochter traurig war. Er sagte zu ihr: „Meine Tochter, weshalb bist du traurig“? Sie antwortete: „Ich habe das Öl mit dem Essig verwechselt und zündete die Schabbat Lichter mit Essig.“ Da antwortete er: „Meine Tochter, weshalb soll dich dies betrüben? Er, der dem Öl befahl zu brennen, wird auch dem Essig befehlen zu brennen.“ Und so geschah es wirklich: Die Lichter brannten den ganzen Schabbat.

Raw Chanina wusste von der Natur der „Natur“. Wer sagte, Öl solle brennen? Haschem! Und genau deshalb konnte auch Essig brennen - wenn Haschem dies wollte. Alles, das wir als Natur bezeichnen, ist eigentlich ein Wunder. Meistens jedoch realisieren wir dies nicht, bis es uns ins Gesicht springt.

Wir müssen die Rolle von Haschem in jedem Aspekt unseres Lebens anerkennen. Wir müssen Haschems Hand jeden Tag erkennen, auch bei solchen Dingen, die nicht das Interesse der Medien wecken. Wenn wir unserem Leben nachgehen, ohne Haschems Rolle zu erkennen, dann haben wir darin versagt, unseren Dank und unser Vertrauen in Haschem auszudrücken.

Die Situation war ausweglos. Der König hatte einen Erlass unterschrieben: Alle Juden sollten ermordet werden. Mordechai liess Esther wissen, dass die Juden ihre Intervention brauchten. Esther sollte den König bitten, das jüdische Volk zu verschonen. Zuerst zögerte sie. Sie teilte Mordechai mit (Esther 4:11), dass „wer immer in den inneren Hof des Königs kommt, ohne vom König gerufen worden zu sein, zum Tode verurteilt wird. Die einzige Ausnahme wäre, wenn der König einem sein goldenes Szepter entgegen streckt“. Mordechai antwortet Esther und sagte, sie solle nicht denken, dass sie dem Schicksal ihrer Nation entgehen werde, nur weil sie im Palast wohne.

Esthers Reaktion wiederum waren Instruktionen: Mordechai solle alle Juden zusammenrufen, die sich in Schuschan befanden. Alle sollten für Esther fasten. Auch sie und ihre Diener würden fasten, und dann würde sie zum König gehen, trotz des Risikos.

Rabbi Abraham ibn Ezra bemerkt: Das Verhalten von Esther selbst war ungewöhnlich. Wir wissen, dass ein Mensch, der drei Tage fastet, schwach wird. Er wird nicht mehr sehr attraktiv aussehen, weil er schwach ist. König Achaschwerosch hatte Esther wegen ihrer Schönheit als seine Königin auserwählt.. Weshalb wollte sie dieses wertvollste Plus, das sie besass, vermindern? Und weshalb teilte Esther Mordechai überhaupt mit, dass sie selbst auch fasten würde?

Die Antwort ist; Esther verstand, warum sie wirklich Königin geworden war. Der Talmud sagt uns, Esther hatte eine grünlich-blasse Gesichtsfarbe, die nicht sehr attraktiv war. Haschem jedoch versah Esther mit solchem Charme und Reiz, dass Achaschwerosch sie zur Frau wählte. Esther realisierte, dass sie diese Position nur durch Haschems Hand erhalten hatte, obwohl andere denken konnten, dass es eine natürliche Wahl gewesen war - dass Achaschwerosch von ihrem Aussehen eingenommen gewesen war. Esther wusste aber, dass ihr Aussehen kein Plus war. Es konnte wohl sein, dass manche Menschen sie attraktiv finden, doch dies würde ihr nicht den erwünschten Erfolg bringen. Nur Haschem könnte dies tun. Sie wollte in sich daher ein tiefes Vertrauen in Haschem aufbauen. Deshalb beschloss sie zu fasten, auch wenn dies auf Kosten ihrer Schönheit gehen würde. Dann müsste sie volles Vertrauen in Haschem haben, sie konnte ihre Hoffnungen nicht mehr in sich selbst setzen.

Deshalb teilte sie ihren Plan Mordechai mit. Wenn die Jehudim diese Neuigkeiten hören würden, würden sie verzweifelt sein: „Wie konnte Esther ihre Schönheit vermindern – der Grund von Achaschweroschs Zuneigung?“ Die Jehudim wären ebenfalls gezwungen, ihr ganzes Vertrauen in Haschem zu setzen. Sie könnten sich nicht mehr auf die natürliche Anziehung verlassen, die vorher existiert hatte. Sie müssten daran glauben, dass Haschem der Ursprung der Rettung war, nicht Esthers Aussehen, Verstand oder Charakter.

Die Leute glaubten und die Leute wurden gerettet. Sie konnten die Scheuklappen entfernen, mit denen uns die Natur versieht, und die Dinge sehen, wie sie wirklich waren. Haschem kontrolliert alles. Esther erreichte ihr Ziel. Eine ganze Nation sah ein, wer die Welt kontrolliert, wer die Natur „natürlich“ machte: Haschem.

Unsere Gedolim haben dieser Erkenntnis ein Denkmal gesetzt mit der Megilah, die jedes Jahr von den Jehudim gelesen wird.

Der Name von Haschem wird in der Megilah nie erwähnt. Dies zeigt uns, dass die Rettung der Jehudim nicht von der Politik oder von Zufällen abhängt, sondern nur von Haschem, obwohl dies verborgen und in einer natürlich erscheinenden Weise geschah. Die Megilah zeigt uns, dass wir die Rolle schätzen müssen, die Haschem in unserem Leben spielt. Die Natur ist natürlich, weil Haschem sie so machte, und sie ist so wunderbar wie jedes unnatürliche Ereignis. Unsere Aufgabe ist es, das Alltägliche und die natürlichen Geschehnisse als das zu schätzen, was sie wirklich sind: Geschenke von Haschem.

A Freilichen Purim!

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