Der Auftakt zur Geschichte des Moschiach

Der Auftakt zur Geschichte des Moschiach

Raw Frand zu Schawuot


Ich fand eine interessante Erklärung zu Megillat Ruth (das Buch Ruth, welches an Schawuot gelesen wird) in einem Kommentar namens Nachlat Josef. Das zweite Kapitel von Ruth ist reich an Ereignissen. Der Navi (Prophet) beginnt die Vorstellung der Hauptfiguren. Es wird Geschichte geschrieben. Welche Geschichte? Der Beginn der Geschichte des Moschiach (Messias). Wir hören vom ersten Zusammentreffen zwischen Boas und Ruth - der Verbindung, aus der König David entspriessen wird, von dem schlussendlich der Moschiach abstammen wird.

Jeder Pasuk (Vers) ist voll von symbolischer Bedeutung. Beim ersten "Auftritt" von Boas hören wir: "Siehe, Boas kam von Betlechem. Zu den Feldarbeitern sagte er: "G'tt sei mit euch!" Und sie antworteten ihm: "Möge G'tt dich segnen!" [Ruth 2:4]" Warum ist dieser Austausch von Grüssen vor den kommenden Ereignissen nötig? Hätten wir le'havdil (im Gegensatz dazu) ein Stück über ein wichtiges historisches Ereignis verfasst, wäre es dann so wichtig gewesen, die Zeile einzufügen "Und Boas trat ein, grüsste seine Arbeiter und fragte: "Wie geht's?" und sie antworteten: "Gut, und wie geht es Ihnen?"" Das wäre kein gutes Drehbuch geworden! Und trotzdem fand der Navi es nötig, diesen Austausch von "Schalom Alejchem" in diesem historischen Kapitel zu beschreiben.

Der Talmud [Makkot 23b] ordnet dieser Begebenheit eine besondere Bedeutung zu. Diese Menschen führten nämlich eine Anordnung des Gerichtshofes von Boas aus. In der frühen jüdischen Geschichte kam es nie vor, dass Freunde sich mit dem Ausdruck "Möge G'tt mit dir sein" begrüssten und dabei den "wahren" Namen G'ttes (im Gegensatz zum abgeleiteten Namen "HaSchem", was "der Name" bedeutet) verwendeten. Es brauchte einen besonderen Gerichtsentscheid, um diese Art der Begrüssung zuzulassen. Vor Boas Zeiten grüssten sich die Menschen nie auf diese Art und auch nach der Zeit von Boas beachten wir diese Anordung nicht mehr. Dies war eine kurzzeitige "Notfall"-Anordnung.

Welches war der Grund für diese Anordnung? Zu dieser Zeit befand sich die jüdische Nation in einem jämmerlichen Zustand. Eine schreckliche Hungersnot herrschte. Die Zeiten waren so schlecht, dass ein Führer wie Elimelech (Naomis Ehemann) sein Volk verlassen und - ausgerechnet - nach Moab wegziehen konnte. Dies zeigte, wie schlecht es dem jüdischen Volk zu dieser Zeit ging.

Welchen Entschluss fasste die "Mo'etzes Gedolej Torah" (der Rat der Torahweisen) dieser Zeit, um die Lage zu retten? Sie beschlossen, dass jeder den anderen mit dem wahren Namen von G'tt grüssen solle. Der Gedanke hinter diesem Beschluss war, darauf hinzuweisen, dass jeder Einzelne so wichtig und heilig ist, dass er es wert ist, mit nicht weniger als dem wahren Namen G'ttes begrüsst zu werden. Diese Art der Begrüssung ist etwas ganz anderes, als einem Menschen nur "Hallo" zu sagen.

Dieser Beschluss änderte die Stimmung. Der beinahe vergessene Gedanke, dass jeder Mensch als Ebenbild G'ttes ("Zelem Elokim") geschaffen wurde, fasste wieder Fuss. Diese Anordnung betonte, dass alle Juden Königskinder sind und als solche behandelt werden sollten. Psychologisch setzte die Begrüssung mit dem Namen G'ttes einen ganz anderen Akzent als ein blosses Hallosagen.

Dieser Beschluss hämmerte allen den Gedanken ein, wie sorgfältig man mit anderen Menschen umzugehen hat. Menschen sind nicht einfach intelligente Tiere. Wenn wir erkennen, dass die anderen Menschen be'Zelem Elokim sind, heisst dies, dass wir uns ganz anders auf den Nächsten einzustellen haben. Das war der Beschluss von Boas' Gerichtshof.

Der Midrasch sagt, dass uns nach 120 Jahren sGw in der Kommenden Welt zwei Fragen gestellt werden: "Machtest du G'tt zu deinem König?" und "Machtest du deinen Nächsten zu deinem König?" Mit anderen Worten: Hast du den Anderen so behandelt, als ob er die Königin von England wäre, le'havdil?

Eine neue Zeit brach heran. Sie forderte eine neue Art und Weise, mit dem Mitmenschen umzugehen. Deshalb ist dieses Kapitel der Auftakt zur Geschichte des Moschiach. Die Geschichte von Moschiach muss damit beginnen, dass wir unsere Mitmenschen mit dem Namen G'ttes grüssen. Damit zeigen wir, wichtig sie sind und machen darauf aufmerksam, dass man sie wie Königskinder zu behandeln hat. Auch wir müssen auf diese Weise unseren Teil zum Kommen des Moschiach beitragen, damit wir nach 120 Jahren die Frage "Hast du deinen Mitmenschen (zum Herrscher) gesalbt?" bejahen können.


Quellen und Persönlichkeiten:
Rav Josef Ze’ev Lipovitz (1889 – 1962): Rabbiner und Ethik-Lehrer, Autor des Werkes „Nachlat Josef“ zu Megilas Ruth; Slobodka (Polen), Israel.


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