Unbekannte jüdische Menschen können den Erlöser bringen

 

Unbekannte jüdische Menschen können den Erlöser bringen

Raw Frand zu Schawuot

 

Megillat Ruth beginnt mit der Geschichte eines Mannes aus Betlehem in Jehuda, der in die Felder von Moab zog, weil in Erez Israel eine Hungersnot herrschte. Chasal, unsere Weisen, kritisieren diesen Menschen, weil er sein Volk in Zeiten der Not im Stich liess, und mit seiner Familie nach Moab floh.

Im Bericht von seiner Abreise nennt die Megillah seinen Namen nicht. Sie nennt ihn einfach "den Mann". Sie lässt uns jedoch nicht lange im Ungewissen. Im folgenden Vers erfahren wir: "Der Name des Mannes war Elimelech".

Es stellt sich die Frage, warum man diese Geschichte nicht etwas zusammenfassen und den Namen des Mannes und seine Taten nicht in einem Vers ausdrücken konnte? Wozu das Rätsel im ersten Passuk, welches im nächsten mit der Enthüllung seiner Identität gelöst wird?

Interessant ist, dass dieser Satzbau auch an einer anderen Stelle in der Torah vorkommt: "Und es ging ein Mann aus dem Hause Levi und heiratete die Tochter von Levi" [Schemot 2:1]. Später gibt die Torah die Identität dieser rätselhaften Individuen, nämlich Amram und Jocheved, die Eltern von Mosche, preis. Wieder: Wozu diese anfängliche Geheimniskrämerei? Warum heisst es nicht gleich: "Und Amram ging und heiratete Jocheved"?

Der Ba'al HaTurim in Schemot hält fest, dass sich die Torah ausschliesslich an diesen zwei Stellen des Ausdrucks "Und ein Mann ging" ("vajelech Isch") bedient. Der Ba'al HaTurim erklärt, dass der Pasuk "Und ein Mann aus dem Stamm Levi ging" den ersten Erlöser hervorbrachte (Mosche) und der Pasuk "Und ein Mann ging aus Betlehem in Jehuda" zum endgültigen Erlöser ( zu Moschiach - der von König David abstammt, einem Nachkommen von Ruth) führte.

Der Schemen HaTov führt diesen Ba'al HaTurim noch weiter aus: Die Person, welche den Erlöser hervorbringt, kann unbekannt sein. Es braucht nicht einer der grossen Führer seiner Generation zu sein - ein Amram oder Elimelech - um den Erlöser zu bringen. Jeder Jude kann ein Kind haben, das zum Führer seiner Generation wird und sogar zum Erlöser.

Er muss nicht unbedingt selbst eine strahlende Persönlichkeit sein, von vornehmer Abstammung, oder mit aussergewöhnlichem Reichtum und Macht. Jeder Jude hat die Kraft, den zukünftigen Erlöser hervorzubringen.


Quellen und Persönlichkeiten:
Baal Ha‘Turim (1268 – 1340): Torah-Erklärung von Rabbi Ja‘akov ben Ascher, der auch den Tur schrieb, eine frühe, jüdische Gesetzessammlung. Erste Ausgabe 1514 in Konstantinopel.
Schemen HaTov: Rabbi Dov Weinberger. Zeitgenössischer Autor; Rabbiner in Brooklyn, New York.



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