Jonathan Rosenblum zu Schmitta: Schmitta ist unsere Prüfung

Schmitta ist unsere Prüfung
aus „Die Jüdische Zeitung“, Nr. 50, 5. Tewes 5768/14. Dezember 2007

Auf dem Höhepunkt der andauernden Kontroverse über die Schmitta-Beachtung erschien in der Jerusalem Post ein redaktioneller Artikel („Schmitta-Pragmatismus“, 18. September), der den „Heter Mechira“ als die „wesentliche Manifestation der religiös-zionistischen Ethos“ feierte. Der Artikel bezeichnete den Heter Mechira als ein „Umgehen der uralten Schmitta-Begrenzungen“ durch die „Verwendung von Pro-forma Verkäufen, wobei die Landwirte ihr Land angeblich während des siebten Jahrs an Nichtjuden übergeben.


Den Heter Mechira eine „wesentliche Manifestation des national-religiösen Ethos“ zu nennen, bedeutet eine Verleumdung dieser Gemeinschaft. Es schreibt dem religiösem Zionismus eine Haltung gegenüber der Halacha zu, die eigentliche mit der konservativen Bewegung in Verbindung gebracht werden kann: Die Halacha müsse der heutigen Zeit angepasst werden und sei angesichts neuer „Realitäten“ und dem entstehenden Zeitgeist unendlich anpassungsfähig.

Schmitta ist heute nicht schwieriger zu beachten als in biblischen Zeiten, als die gesamte Gesellschaft eine Agrargesellschaft war und es keine Möglichkeit gab, Nahrungsmittel zu importieren. Auch damals war die Beachtung des siebten Jahres eine aussergewöhnliche Glaubensprüfung, was die Tora ausdrücklich anerkennt: „Was werden wir im siebten Jahr essen?... siehe wir werden nicht säen und unsere Ernte nicht einsammeln?“ (Leviticus 25:20).

Eine moderne Haltung gegenüber der Schmitta-Beachtung sucht neue landwirtschaftliche Techniken, die nicht mit den Vorschriften der Tora in Konflikt geraten, dass das Land brachliegen muss. Die Schmitta-Beachtung jedoch einfach zu streichen, wie dies der Heter Mechira tut, ist kein Grund für ein Feiern und wäre für Rabbi Avraham Yitzchak Kook, die rabbinische Persönlichkeit, die am meisten mit dem ursprünglichen Heter Mechira in Verbindung gebracht wird, ein Greuel.

Rabbi Kooks Heter wurde vor dem Schmittajahr von 1909-10 formuliert, nachdem er informiert worden war, dass eine weit verbreitete Hungersnot das Resultat der Beachtung der Schmitta  sein würde.

Gegner des Heter – und sogar damals gab es viele – behaupteten zusätzlich zu ihrem Hinweis auf die zweifelhafte halachische Gültigkeit der Verkaufs des Landes an Nichtjuden (was nach den meisten Autoritäten selbst eine Übertretung eines spezifischen Tora-Verbots ist), dass dies dazu führen würde, dass die Mizwa gänzlich in Vergessenheit geraten würde.

Rabbi Kook reagierte auf einen dieser Kritiker, Rabbi Yaakov David Wilovsky (der Ridbas), indem er betonte, dass sein Entscheid ein “temporärer sei, der nur wegen der Notwendigkeit und des aussergewöhnlichen Drucks gefällt wurde… Chalila, chalila, dass wir unsere Hand gegen das, was heilig ist, erheben, und die Heiligkeit des Landes verdrängen.“

Rabbi Kook machte klar, dass er den Heter nicht unterstützen würde, falls keine lebensbedrohliche Situation bestehe.
Was immer die Rechtfertigung für den Heter Mechira zu jener Zeit war, so hat die Geschichte den Kritikern von Rabbi Kook recht gegeben. Der Heter Mechira ist in jedem Schmittajahr seit damals erneuert worden, mit wenig Beachtung der sich verändernden Umstände. Sobald die Landwirte ihre Pro-forma-Verträge unterzeichnet haben, gehen die Arbeiten genau so weiter, wie wenn es kein Schmittajahr gäbe.

Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Heter Mechira und dem Verkauf von Chametz am Pessach, mit der er oft und fälschlicherweise verglichen wird. Juden, die ihr Chametz verkaufen, halten sich von jedem Kontakt damit zurück und üben keinen Besitz aus; Bauern, die ihr Land verkaufen, bearbeiten dieses weiterhin, wie wenn sich nichts verändert hätte – und das Land ruht nicht.

Die strengen Vorschriften, die Rabbi Kook festlegte, um sicher zu gehen, dass die Mitzwa der Schmitta nicht vergessen würde  z. B. dass Produkte, die auf Land wachsen, das an Araber „verkauft“ wurde, trotzdem so behandelt werden sollten, wie wenn sie die Heiligkeit des siebten Jahrs haben und dass jüdische Bauern keine Arbeiten ausüben sollten, die von der Tora verboten sind – werden fast gänzlich ignoriert.

Ausserdem schrieb Rabbi Kook, dass der Verkauf des Landes nur durchgeführt werden dürfte, wenn der grösste Teil des Landes in Erez Jisrael sich in nichtjüdischen Händen befinde, was mindestens seit 1948 nicht mehr der Fall ist.

Die Persönlichkeit, die für die erneute Beachtung der Schmitta in unserer Zeit am meisten verantwortlich ist, ist der Chason Isch. Mit zielstrebiger Entschlossenheit
bemühte er sich, zu beweisen, dass es möglich ist, jede Mitzwa, die von der Tora befohlen wird, zu beachten.

Er überzeugte persönlich die religiösen Bauern des Moschaw Komemijut, die Schmitta zu beachten, und unter der Leitung von Rabbi Binjamin Mendelson, dem Raw von Komemijut, breitete sich die Bewegung von dort aus. In diesem Schmittajahr liegen geschätzte 340'000 Dunams Land brach – mehr als die doppelte Zahl vor nur zwei Zyklen.

Die Herausforderungen für Tausende von Schomer Schmitta-Landwirten liegen jenseits des Verständnisses eines Stadtbewohners. Nicht nur haben diese während einem ganzen Jahr kein Einkommen. viele haben grosse Bankdarlehen aufgenommen, für die sie Zahlungen  leisten müssen. Diejenigen, die langjährige Lieferverträge haben, gefährden ihre Beziehung zu ihren grössten Kunden. Und Bauern mit vielen thailändischen Landwirtschaftsarbeitern riskieren, diese zu verlieren, und den Prozess der Bewilligungen neu starten zu müssen.

Trotzdem steigt die  Zahl solche Landwirte von Zyklus zu Zyklus an. Dieses Jahr beachten die meisten der Bauern aus Gusch Katif, die neue Landabschnitte erhalten haben, Schmitta, obwohl sie in manchen Fällen ihr Land erst vor kurzem erhalten haben. Fast alle diese Farmer können Geschichten darüber erzählen, wie sie persönlich das Versprechen der Tora einer doppelten Ernte im sechsten Jahre erlebt haben.

Die Tora bringt unser sicheres Wohnen im Land insbesondere mit der Beachtung der Schmitta in Verbindung (Leviticus 25:18).

Wer weiss, ob die mutigen Bauern, die die Schmitta beachten – wie auch diejenigen, die sich bemühen, neue landwirtschaftliche Techniken zu entwickeln, die gänzlich mit den Einschränken der Schmitta übereinstimmen – nicht der beste Schutz für unsere Sicherheit sind.

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