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Nach der Hand des Schaffners greifen

Nach der Hand des Schaffners greifen Raw Frand zu Parschat Nizawim 5767 (Beitrag 2)

Ich hörte die folgende Geschichte von Raw Efrajim Wachsman. Ich will nicht, dass mir das gleiche geschieht wie ihm, also erzähle ich diese Geschichte bereits jetzt:

Raw Wachsman fungierte einmal als Vorbeter am Jom Kippur in einer bestimmten Jeschiwa. Vor Ne’ilah, fragte man ihn, ob er zu den Leuten sprechen könne, um sie vor den letzten Gebeten von Jom Kippur geistig zu erwecken. Er erzählte das folgende Gleichnis:

Ein Mensch musste einmal mit dem Zug von einer Stadt zur anderen reisen. Er erkundigte sich nach dem Tarif und erfuhr dass es verschiedene Preise gebe. Ein regulärer Sitzplatz in der zweiten Klasse kostete eine bestimmte Summe. Erste Klasse kostete noch mehr. Wenn er aber vier Stunden vor der Abfahrt zur Zugstation komme, könne er ein Ticket erster Klasse zum Preis der zweiten Klasse kaufen. Der Mann war aber nicht interessiert, vier Stunden am Bahnhof zu warten, also beschloss er auf das Ticket erster Klasse zu verzichten.

Dann erfuhr er, dass er, wenn er 2 Stunden vor der Abfahrt ankäme, sich seinen Platz in der zweiten Klasse aussuchen könne. Nachher gelte „wer zuerst da ist, wählt zuerst“. Doch wieder sagte er sich: "Weshalb soll ich zwei Stunden meiner Zeit verschwenden? So werde ich eben meinen Platz nicht auswählen können!"

Dann sagte man ihm, wenn er eine halbe Stunde vor der Abfahrt dort sein würde, würden alle Sitze verkauft sein. Der Zug würde nur noch Stehplätze haben. "Doch“, so argumentierte er, "es ist eine kurze Reise. Was stört es mich, zu stehen? Ich werde eine halbe Stunde früher kommen und einen Stehplatz kaufen."

Als die Abfahrt näher kam, kam er keine vier Stunden früher. Er kam auch keine zwei Stunden früher. Er kam nicht einmal eine halbe Stunde früher. Er kam in der letzten Minute. Er erreicht das Gleis und der Zug setzt sich in Bewegung. Er rennt los, dem Zug nach und sieht, dass der Schaffner von der Lokomotive aus seine Hand nach ihm ausstreckt. Wenn er die Hand ergreifen kann, wird ihn der Schaffner auf den Zug ziehen. Er rennt und rennt und versucht, nach der Hand zu greifen.

Rabbi Wachsman zitierte dann den folgenden Satz aus den Liturgien "Du streckst aus Deine Hand zu den Sündern" (Ata noten Jad lePosch’im). Rabbi Wachsman erklärt, dass Ne’ilah diese Idee von „Ata noten Jad lePosch’im“ repräsentiert. Einer der bis Ne’ilah wartet, um Teschuwa zu tun, ist wie der Passagier, der dem Zug nachrennt und versucht, nach der Hand des Schaffners zu greifen.

Rosch Chodesch Elul ist wie vier Stunden vor Zugsabfahrt. Dann könnte ein Mensch ein Ticket erster Klasse zum billigeren Preis bekommen. Rosch HaSchana ist wie zwei Stunden vor der Abfahrt – der Mensch kann sich immer noch seinen Platz auswählen. In den zehn Tage der Teschuwa gilt „wer zuerst kommt, wählt zuerst.“ Die frühen Gebete am Jom Kippur sind wie die Stehplätze. Und bei Ne’ilah ist es dann "Ata noten Jad lePosch’im".

Rabbi Wachsman sagte anschliessend zu den Studenten der Jeschiwa "Meine Freunde, jetzt ist die Zeit von "Du streckst aus Deine Hand zu den Sündern." Dann fuhr er mit dem Vorbeten von Ne’ilah fort und fühlte wie die Atmosphäre im Saal mit geistigen Emotionen geladen war.

Ein junger Student kam nach Ne’ilah zu ihm und sagte, "Rebbe, weshalb hast du uns diese Geschichte nicht am Rosch Chodesch Elul erzählt?"

Ich will nicht, dass mir jemand das gleiche vorwirft, deshalb erzähle ich diese Geschichte bereits jetzt.



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