Kislew
/Paraschat Wajeze

(Aus Sefer Hatoda’a / Das Jüdische Jahr. Bearbeitet und ergänzt von S. Weinmann)

Was ist Pessach Scheni / Pessach Katan?

Der vierzehnte Ijar wird 'Pessach Scheni - der zweite Pessach' oder 'Pessach Katan - der kleine Pessach' genannt. Als der Tempel noch stand, gab man allen, die verhindert waren das Pessachopfer am vierzehnten Nissan zu bringen, eine Gelegenheit, dies am vierzehnten Ijar nachzuholen. So steht in der Tora: 'Sprich zu den Kindern Israels: Wenn jemand unter euch oder unter euren Nachkommen durch einen Toten unrein geworden ist oder auf weiter Reise ist, so soll er dennoch dem Ewigen das Pessachopfer darbringen. Im zweiten Monat am vierzehnten Tage nachmittags sollen sie es darbringen, mit Mazzot und bitteren Kräutern sollen Sie es essen.' (Bamidbar 9, 9 - 11)

Der vierzehnte Ijar ist eigentlich kein Feiertag. Doch da er zur Zeit, als der Tempel noch stand, als freudiger Tag für diejenigen begangen wurde, die die Mizwa der Darbringung des Pessachopfers ausführten, hat der Tag ein festliches Gepräge behalten und es wird in der Synagoge kein Tachanun gesagt. Manche essen an diesem Tage Mazza, die noch von Pessach übriggeblieben ist, um so die Erinnerung an das (zweite) Pessachopfer aufrechtzuerhalten.

Der Name 'Pessach Scheni' stammt von der Bezeichnung 'Hachodesch Hascheni – der zweite Monat’, dem Monat Ijar. Im Talmud Jeruschlami wird er 'Pessach Se'ira (Pessach Katan) - der kleine Pessach' genannt.

Der Unterschied zwischen dem Pessachopfer und den anderen Opfern

Ausser dem Pessachopfer kann kein Opfer an einem anderen Tage nachgeholt werden. Wenn die Zeit des Darbringens verstrichen ist, kann es nicht mehr gebracht werden. Das Pessachopfer jedoch, obwohl es nachdrücklich für den vierzehnten Nissan festgesetzt worden ist – im Gegensatz zu andern Opfern steht in der Thora beim Pessachopfer zweimal 'Bemo’ado – zu seiner Zeit' – kann dennoch am 14. Ijar nachgeholt werden, wenn eine Person am 14. Nissan verhindert war es zu bringen.

Der Unterschied besteht darin, dass bei allen Opfern, seien es Gemeinschafts- oder Einzelopfer, die nicht zur bestimmten Zeit dargebracht wurden, obwohl dies eine Unterlassung eines ausdrücklichen Gebotes darstellt, keine Strafe dafür auferlegt wird. Beim Pessachopfer hingegen wird die mutwillige Unterlassung mit 'Wenichreta haNefesch hahi – er soll aus seinem Volke ausgerottet werden', bestraft. (Bamidbar 9, 13)

Wenn die Strafe für die Unterlassung dieser Mizwa so schwerwiegend ist, dass der Nachlässige von der Quelle des Lebens abgeschnitten wird, umso mehr wird der Lohn für den, der dieses Gebot ausführt, ausfallen; denn der Lohn übertrifft die Strafe fünfhundert Mal. Deshalb, jeder, der den Verdienst hat die Mizwa zur festgesetzten Zeit zu erfüllen, bleibt mit dem ewigen Leben innerhalb der jüdischen Gemeinschaft verbunden.

Welches sind Verhinderungsgründe?

Als die Benej Jisrael das erste Pessachopfer in der Wüste darbrachten, d.h. im zweiten Jahr nach dem Auszug, gab es Personen, die durch Berührung mit einem Toten unrein waren. So waren sie daran verhindert, das Pessachopfer zur rechten Zeit zu bringen. So traten sie vor Mosche und Aharon und sagten: '...Lama nigara lewilti hakriw... Warum sollen wir zurückstehen, das Opfer G'ttes nicht in seiner bestimmten Zeit unter den Kindern Israels darzubringen?' (Bamdibar 9, 7) Sie wollten damit ausdrücken: Obwohl wir deswegen keine Strafe verdienen, weil uns die Umstände dazu zwingen, sind wir jedoch deswegen der grossen Belohnung verlustig geworden, die diese Mizwa mit sich bringt? Denn jeder, der Sie erfüllt, entfernt sich vom Götzendienst der Völker und verbindet sich innerhalb der jüdischen Gemeinschaft mit dem ewigen Leben.

Man könnte nun fragen: Haben es nicht die Weisen schon gesagt: Wenn ein Mensch die ernste Absicht hatte, eine Mizwa zu erfüllen, jedoch die Umstände verhinderten ihn sie auszuführen, dann wird dies so betrachtet, als ob er sie ausgeführt hätte? Sie waren doch durch Berührung mit einem Toten unrein geworden, und waren somit gezwungenermassen verhindert, die Mizwa des Pessachsopfers auszuführen, warum sollte ihnen dann die Belohnung vorenthalten bleiben? Ihr Gedankengang war aber: Hätten wir im vergangenen Jahr nicht die Sünde mit dem Goldenen Kalb begangen, hätte der Todesengel keine Macht mehr über uns gehabt, und somit wäre eine Verunreinigung durch Tote gar nicht mehr möglich gewesen. Vielleicht werden wir aus diesem Grunde nicht mehr als 'Anussim' - gezwungenermassen unfähig, die Mizwa zu erfüllen - betrachtet.

Die Gesetze des Pessach Scheni in Kürze

Wenn jemand zur Zeit der Pessachopferpflicht unrein war, oder wenn er sich auf einer Reise befand oder sonst irgendeinen triftigen Grund hatte, die Mizwa nicht zur rechten Zeit ausführen zu können, auch wenn er versehentlich, oder sogar bewusst das Opfer nicht dargebracht, hatte er die Möglichkeit dies am Nachmittag des vierzehnten Ijar nachzuholen.

Jemand, der zwischen Pessach und Pessach Scheni zum Judentum übergetreten war, oder auch jemand, der in dieser Zeitspanne mündig geworden war, hatte die Möglichkeit, das Darbringen des Pessachopfers am vierzehnten Ijar nachzuholen.

Wenn es viele Menschen waren, die am Pessach selbst durch einen Toten verunreinigt waren, sie aber eine Minderheit innerhalb der Gemeinschaft bildeten, so wurde die Darbringung ihres Pessachopfers bis Pessach Scheni verschoben. War aber die Mehrheit unrein, oder waren die Kohanim oder die Geräte durch Berührung mit Toten unrein geworden, wurde das Pessachopfer gemeinsam mit den Reinen am Pessach selbst dargebracht.

War die Hälfte der Menschen rein, die andere unrein, brachten alle das Opfer am Pessach. Die Reinen brachten es jedoch gesondert, die Unreinen in ihrem Status der Unreinheit. Waren die Unreinen, wenn auch nur mit einer Person in der Mehrheit, so brachten es alle im Status der Unreinheit dar.

Wie war es nun festzustellen, welche Kategorie in der Mehrheit und welche in der Minderheit war? Man ermittelte die Zahl aller Eintretenden in den Vorhof des Heiligtums, noch bevor sich die erste Gruppe zum Darbringen des Pessachopfers bereit machte, und ermittelte so, welche Kategorie in der Mehrheit war. Wer sich nicht im Vorhof befand wurde nicht mitgezählt.

Was ist der Unterschied zwischen Pessach und Pessach Scheni?

Am Pessach selbst gilt die Vorschrift:

  1. 1. dass Chamez (Gesäuertes) in seinem Besitz am Pessach weder gesehen noch gefunden werden darf,
  2. 2. dass nicht zusammen mit Chamez (während Chamez in seinem Besitz ist) das Pessach-Opfer geschlachtet werden darf,
  3. 3. dass nichts von dem Opfer von der Gruppe, die sich zusammengeschlossen hatte, herausgetragen werden darf,
  4. 4. dass beim Essen des Pessach-Opfers das Halel-Gebet gesagt werden muss
  5. 5. dass gleichzeitig auch ein Chagiga-Opfer (Festopfer) dargebracht werden musste.
  6. 6. Wie erwähnt, durfte es auch im Status der Unreinheit gegessen werden, wenn die Mehrheit durch Totenberührung unrein war.

Am Pessach Scheni jedoch durfte man sowohl Chamez als auch Mazza im Hause haben, es musste kein Halel dabei gesagt werden, es durfte davon auch ausserhalb der Gruppe herausgetragen werden. Auch wurde kein Chagigaopfer dargebracht und es musste in Reinheit gegessen werden.

An beiden Terminen durfte das Opfer am Schabbat gebracht werden. Bei beiden war beim Schlachten das Halel-Sagen erforderlich, und das Fleisch musste gebraten in einem Hause gegessen werden. In beiden Fällen ass man es zusammen mit Mazza und Maror, durfte nichts davon übriglassen und es durfte auch kein Knochen davon zerbrochen werden. (Rambam Hilchot Korban Pessach)

Das Opfer, das König Chiskijahu am Pessach Scheni darbrachte

Ein einziges Mal geschah es, dass die Mehrzahl der Gemeinde das Pessachopfer bis Pessach Scheni wegen Unreinheit verschoben hatte. König Chiskijahu reinigte den Tempel, die Kohanim und das Volk von der Verunreinigung, die sein Vater Achas durch Götzendienst verursacht hatte; eine Unreinheit, die der Unreinheit wegen Totenberührung gleichgestellt ist. Er sah, dass ihm nicht genügend Zeit zur Verfügung stand, um den grössten Teil des Volkes noch vor dem Verlauf des Pessachopfer-Tages zu reinigen. Was tat er?

'Wajiwa’az haMelech weSsaraw... da traten der König, seine Fürsten und die ganze Gemeinde zu gemeinsamer Beratung in Jeruschalajim zusammen und beschlossen, das Opfer erst am Pessach Scheni darzubringen. Sie konnten es nämlich zu jener Zeit nicht darbringen, denn nicht genügend Kohanim waren geheiligt und auch war noch nicht das ganze Volk in Jeruschalajim versammelt.' (Diwrej Hajamim II 30,2-3)

Die Weisen jedoch waren nicht mit ihm einig, denn die Unreinheit einer ganzen Gemeinschaft ist kein Grund, das Darbringen des Pessachopfers zu verschieben. Der König gestand, dass er einen Irrtum begangen hatte und betete darum zu G'tt:  … 'Haschem Hatow jechapper be’ad. - Der gütige G'tt soll dafür Sühne schaffen.' (ibid, Ende Vers 18)

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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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