Aw
/Paraschat Ejkew

Schawuot

Ein Gedanke zum Eintritt in das Schawuot-Fest

Jeder ist sich bewusst, dass die Feiertags-Saison zwischen Rosch Haschana und Jom Kippur ein Zeitraum des Richtens (Din) ist. Doch nicht jeder weiss, dass der Arisal und der Schelah HaKadosch schreiben, dass auch an Schawuot gerichtet wird. Das Urteil von Schawuot betrifft uns alle. Zu Schawuot wird im Himmel darüber gerichtet, inwieweit jeder von uns im kommenden Jahr bei seinem Torah-Studium erfolgreich sein wird. Genauso wie der materielle Unterhalt für die kommenden zwölf Monate am Rosch Haschana bestimmt wird - dem Tag des Gerichts, am Jahrestag der Schöpfung des Menschen, so wird auch die Menge des spirituellen "Unterhalts" durch unser Torah-Studium am Jahrestag der Übergabe der Torah bestimmt.

Wir wissen uns auf Rosch Haschana vorzubereiten. Wir wissen, dass wir beten und Mizwot machen sollten. Diese Dinge bestimmen die Art des Urteils, das wir während der Hohen Feiertage bekommen. Was sollten wir an Schawuot machen, damit der Allmächtige sagen wird: "Wenn er sich so verhält, dann verdient er es, ein erfolgreiches Jahr hinsichtlich seines Torah-Lernens zu bekommen"?

Die heiligen Sefarim (Bücher) besagen, das Urteil eines Menschen in dieser Angelegenheit hänge von seinem "Cheschek" (seiner Lust) zu lernen ab. Je mehr er es will, desto mehr zeigt er dem Ribono schel Olam (dem Herrn der Welt), dass es ihm wichtig ist und dass er Erfolg in seinen Bemühungen zu lernen anstrebt - und umso mehr wird er es auch bekommen. Es ist dieser "Cheschek" zu lernen, der es bestimmt, in welchem Masse der Allmächtige ihm Erfolg beim Lernen zuteilwerden lässt.

Dies ist es, was wir in den kommenden paar Tagen bis Schawuot demonstrieren müssen - unser Streben zu lernen! Man gelangt zu "Cheschek", indem man zu einer Wertschätzung kommt, was Torah ist und wie wichtig die Torah

für das Leben ist. Irgendwie müssen wir in den nächsten paar Tagen dafür Zeit aufwenden, darüber nachzudenken, welche Rolle die Torah in unserem Leben spielt - die Wichtigkeit, die sie hat. Auf diesem Wege können wir gegenüber dem Ribono schel Olam unser Streben nach wachsendem Erfolg beim Torah-Lernen aufrichtig zum Ausdruck bringen.

Es gibt verschiedene Wege, "Cheschek" zu demonstrieren. Neulich hörte ich die Geschichte eines Kollegen aus Manchester, der ein Mohel (ritueller Beschneider) war. Er reiste in die Ukraine, um jüdische Babys zu beschneiden, dort wo die Juden sonst keinen Zugang zu rituellen Beschneidungen hatten. Der Mohel traf einen Rabbiner aus Monsey, der die Ukraine besuchte. Der Rabbiner bat ihn, seine eindrücklichste Erinnerung an die Ukraine zu beschreiben. 

Der Mohel erzählte, dass er sich einmal auf den Weg machte, eine Milah (Beschneidung) in einer abgelegenen Kleinstadt in der Ukraine auszuführen. Vor langer Zeit war die Ukraine ein vibrierendes Zentrum jüdischen Lebens. Es war ein Land voller praktizierender Juden und Chassidim. Heutzutage gibt es sehr wenig jüdisches Leben und in dieser Stadt gab es fast nichts. Der Mohel fand heraus, dass die Beschneidung in der Synagoge stattfinden sollte. Er entdeckte die Synagoge und ging in das Gebäude hinein, wo er mehrere Leute versammelt sah. Er fragte sie: "Um wie viel Uhr dawent (betet) ihr hier? Wann ist das Minjan?"

Sie schauten ihn verwundert an und fragten: "Dawenen? Wir dawenen nicht. Keiner hier weiss, wie man dawent." Der Mohel fragte: "Wenn ihr nicht zu dawenen wisst, was machen dann all diese Leute in der Synagoge?" Die angesprochene Person erklärte: "Es gibt zweierlei Sachen - zu dawenen und zur Schul (Synagoge) zu kommen. Wir wissen nicht zu dawenen, aber dennoch muss ein Jude zur Schul kommen!"

Morgens und abends kamen also diese Juden, die kaum ein Gebetbuch geradewegs in der Hand zu halten wussten, in die Synagoge - weil es dies sei, was ein Jude zu tun habe. Sie sitzen da, unterhalten sich - sie dawenen nicht, aber sie kommen zur Schul! Sie erreichen vielleicht niemals die nächste Stufe - Dawenen, doch zumindest haben sie die erste Stufe erreicht: zur Synagoge zu kommen.

Ich frage mich, wie der Allmächtige darauf schaut. Menschen wissen nicht, wie man dawent. Sie wissen, dass sie dawenen sollten und sie fühlen sich schlecht dabei, dass sie unfähig sind zu dawenen - aber zumindest demonstrieren sie dem Ribono schel Olam ihre Bestrebung, zur Schul zu kommen. Es scheint so, als könne solches Verhalten dem Ribono schel Olam viel Nachat Ruach (Freude) machen.

Dies ist ein Beispiel, wie man "Cheschek" demonstriert - die Bestrebung, dem Meister des Universums näherzukommen. Gleichermassen müssen auch wir unser Bestreben, Torah zu lernen - und darin Erfolg zu haben, demonstrieren. Wir müssen fühlen und demonstrieren, dass dies unser "Leben" ist.

Aus diesem Grund habe ich heute Morgen versucht, den Segenspruch Ahawa Raba… (Mit viel Liebe) vor Keriat Schema (Lesen des Schema) mit besonderer Inbrunst zu sagen. Wir flehen: "Pflanze in unsere Herzen ein, zu verstehen und zu erläutern, zuzuhören, zu lernen, zu lehren, zu bewahren, auszuführen und zu erfüllen, alle Worte der Lehre Deiner Torah, mit Liebe. Erleuchte unsere Augen in Deiner Torah. Befestige unsere Herzen an Deine Gebote." Unsere Kawana (Inbrunst) bei diesem Segenspruch demonstriert dem Allmächtigen, was uns wichtig ist.

Wir sind wirklich gut darin, wenn es darum geht, zu bitten: "Barejch alejnu - Verleihe uns, Haschem, unser G-tt, dieses Jahr all seine Arten von Getreide zum Besten…" Jeder weiss, aufrichtig um materielle Versorgung zu bitten. Wir sind wirklich gut darin, G-tt darum zu bitten, die Kranken unter uns zu heilen und die Schwachen unter uns zu stärken… wenn wir diese Segen benötigen. Wir sind gut darin, Ersuchen finanzieller, sozialer und materieller Art einzureichen. Wir müssen uns aber darauf konzentrieren, unsere Kawana zu verstärken, wenn es um Segen geht, die himmlische Unterstützung auch bei spirituellen Angelegenheiten zu beschwören.

Der Chason Isch sagt, der Segenspruch "Ata chonen leAdam Da'at…" (Du verleihst dem Menschen Verständnis), sei jener Segenspruch, bei dem ein Mensch für himmlische Unterstützung in seinem Torah-Lernen beten sollte. Bei diesem Segenspruch, bei "Ahawa Raba" (viel Liebe) vor Keriat Schema am Morgen und bei "Ahawat Olam" (ewige Liebe) vor Keriat Schema am Abend - einer Reproduktion von "Ahawa Raba", wird unsere Fokussierung und Aufrichtigkeit demonstriert, wie ernsthaft wir um die himmlische Unterstützung bitten, die uns beim Lernen der Torah und unserer Verbundenheit mit der Torah, behilflich sein möge.

"Denn dies ist unser Leben und die Länge unserer Tage" (in "Ahawat Olam"), sollte nicht einfach ein Lippenbekenntnis sein. Es ist der eigentliche Grund unserer Existenz, der Grund unseres Lebens. Lasst uns hoffen, dass wir alle die Hilfe des Himmels für unser Lernen verdienen werden. Mögen wir an diesem Schawuot-Fest und im kommenden Jahr eine spirituelle Erhöhung haben. Mögen wir einen Zuwachs in unserem Niveau von Torah,        G-ttesfurcht und der Ausführung von Mizwot verdienen.

Quellen und Persönlichkeiten:

  • ARISAL oder HaARI Hakadosch (1534 – 1572), Rabbi Jizchak (ben Schlomo) Luria Aschkenasi, Jerusalem, Kairo und Zefat (Safed). Kabbalist, Haupterklärer der Kabbala, basierend auf den Sohar.
  • Schelah HaKadosch -- Rabbi Jeschajah Hurwitz (1560-1630); Polen, Frankfurt, Prag, und Jerusalem. Schelah ist ein Akronym für sein Werk „Schenej Luchot Habrit (Die zwei Gesetztafeln).

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Die Bearbeitung dieser Gedanken erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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