Tischri
/Paraschat Ha'asinu - Asseret Jemei Teschuva

Die jüdischen Monate

Der Monat Tischri

Aus Sefer Hatoda’a / Das Jüdische Jahr. Bearbeitet und ergänzt von S. Weinmann

Die Namen der jüdischen Monate stammen aus der Zeit des babylonischen Exils: Tischri, Cheschwan, Kislew, etc.

Die Tora nennt den Monat Tischri "Hachodesch Haschewi'i – den siebten Monat – da ja die Zählung der Monate mit dem Nissan beginnt.

Alles "siebte" ist in der jüdischen Tradition von besonderer symbolischer Bedeutung: "Kol Haschwi'im Chawiwim Lema'ala – alle siebten sind von oben mit besonderer Liebe bedacht."

Unter den Himmeln ist Arawot der siebte: "… Solu Larochew Ba'arawot… - erhebt den Lenker der Höhen" (Tehillim 68, 5). In der Aggada spricht man von sieben Himmeln: Wilon, Rakia, Schechakim, Sewul, Ma’on, Machon und Arawot (Chagiga 12b).

Bei den Begriffen für "Land" ist "Tewel" der siebte: "Wehu Jischpot Tewel Bezedek – und Er richtet die Welt nach Gerechtigkeit …" (Tehillim 9, 9). Die sieben Bezeichnungen sind: Arez, Adama, Arka, Gai, Zija, Neschija und Tewel.

Bei den Generationen: Adam, Schet, Enosch, Kejnan, Mahalal’el, Jered, Chanoch. "Wajithalech Chanoch Et Ha'Elokim – es wandelte Chanoch mit G"tt" (Bereschit 5, 24).

Bei den Stammvätern: Awraham, Jizchak, Ja’akow, Lewi, Kehat, Amram, Mosche: "UMosche Ala El Ha'Elokim – und Mosche stieg zu G"tt hinauf" (Schemot 19, 3). Bei den Söhnen Jischais: Eliaw, Awinadaw, Schima, Netanel, Raddai, Ozem und Dawid (Diwrei Hajamim I 2, 15).

Bei den Königen: Schaul, Isch-Boschet, Dawid, Schlomo, Rechawam, Awija und Assa: "Wajikra Assa El Haschem Elokaw – da rief Assa zum Ewigen, seinem G"tt …" (Diwrej Hajamim II 14, 10). Sein Gebet wurde erhört, schneller als das seiner Vorgänger.

Bei den Jahren: "Wehaschewi'it Tischmetenna … - und das siebte lässt du brach liegen und überlässt es sich selbst" (Schemot 23, 11).

Bei den Tagen: "Wajewarech Elokim et Jom Haschewi'i – und G"tt segnete den siebten Tag…" (Bereschit 2, 3).

Bei den Monaten: "UwaChodesch Haschewi'i Be'Echad LaChodesch … - und im siebten Monat, am ersten des Monats …" (Bamidbar 29, 1).

So hat G"tt Seinen Namen mit allen siebten verbunden, hat sie auserwählt und mit Seinem Namen geheiligt. (Jalkut Jitro 276)

Unsere Weisen erklären auch (Jalkut 645), dass das Wort "Schewi'i" die gleichen Stammbuchstaben hat wie "Sowa" – Sattheit. Kein anderer Monat im Jahr ist so "gesättigt" mit Mizwot wie der siebte, der Tischri: Schofar-Blasen, Jom Kippur, Sukka und Arawa (4 Arten am Sukkot). Oder – kein anderer Monat ist so ertragreich und vorratsfüllend: Tennen, Kelter und Vorratskammern werden in diesem Monat gefüllt.

Zusätzlich ist er mit Festtagen gesättigt. Es gibt nämlich elf Festtage in diesem Monat: Zwei Tage Rosch Haschana (der zweite Tag von unseren Weisen angeordnet), Jom Kippur, sieben Tage Sukkot und Schemini Azeret. In der Gola – Diaspora – sind es sogar zwölf, mit Simchat Tora.

In den Schriften der Propheten wird der Monat Tischri "Jerach Ha'ejtanim" – der Monat der Starken – genannt: "Und alle Männer versammelten sich zum Fest (Einweihung des Tempels) vor König Schlomo (Salomon) im Monat Ejtanim, dies ist der siebte" (Melachim I 8, 2). Unsere Weisen sagen, dass dieser Monat so heisst, weil unsere Stammväter, Awraham, Jizchak und Jakow, im Tischri geboren wurden [Traktat Rosch Haschana 11a].

Das Sternbild Waage

Es gibt zwölf Sternzeichen. Es sind dies Sterngruppen, die uns als Sternbilder erscheinen. Diese Sternbilder sind im Himmelskreis fixiert und jeden Monat erscheint ein anderes Sternbild. Das Sternbild des Monats Tischri ist die Waage, zwei Waagschalen mit einem Waagebalken dazwischen. Symbol für Gerechtigkeit und Justiz. In diesem Monat wird über die ganze Welt Gericht gehalten, die Taten jedes einzelnen Menschen werden in die Waagschale gelegt, und G"tt entscheidet über das Schicksal eines jeden, je nach Verdienst oder Schuld.

Aber Menschen sind ja nichts, große Leute fehlen auch; sie wiegen weniger denn nichts, so viel ihrer ist.

König David sagte vor G"tt: "(Verlasse dich nicht auf Menschen, denn…) Ein Nichts sind die Menschensöhne, ein Trug (auch) die (angesehenen) Menschenkinder – "Bamosnajim La'alot" – sollten  sie auf die Waagschale gelegt werden – so sie sind nur ein Hauch " (Tehillim 62, 10). Dazu sagt Rabbi Chija im Namen von Rabbi Levi: Alle Nichtigkeiten, mit denen sich Israel während des Jahres beschäftigt – "Bamosnajim La'alot" – lassen die Waagschale heraufsteigen (negativ) – aber G"tt vergibt ihnen unter dem Sternzeichen der Waagschale - "Bamosnajim La'alot" (positiv) - im Monat Tischri [Midrasch Tanchuma Schelach-Lecha 13].

Der 1. Tischri

Obwohl Tischri der siebte Monat ist, wird er in Bezug auf das Kalenderjahr als erster Monat des jüdischen Jahres gerechnet. Der erste Tischri ist der Anfang des neuen Jahres – Rosch Haschana. Dies gilt auch für das Schmittajahr / Schabbatjahr (jedes 7. Jahr) und Joweljahr (jedes 50. Jahr), sowie für Baumpflanzungen und für die Getreide- und Gemüseernte (Mischna, Rosch Haschana 1, 1).

Schmitta und Jowel: Mit Beginn des Monats Tischri des Schmitta- oder des Joweljahres ist von der Tora aus, das Pflügen und Säen untersagt.

Baumpflanzungen: Nach dem Einsetzen oder Pflanzen eines Fruchtbaumes werden die Früchte in den ersten drei Jahren "Orla" genannt und sind weder zum Essen noch zur Nutzniessung erlaubt. Im 4. Jahr werden die Früchte "Neta Rewai" genannt (wörtlich: die Pflanze des vierten) und werden, in natura oder der Erlös, in Jeruschalajim gegessen. Ist ein Fruchtbaum 45 Tag vor dem ersten Tischri gepflanzt worden, so beginnt das zweite Orla-Jahr am ersten Tischri.

Getreide- und Gemüseernte: Der erste Tischri wird als Neujahr für "Terumot" (die Abhebe für die Kohanim) und "Ma'assrot" (die Zehnten für die Leviten) des Getreides und der Bodenfrüchte betrachtet. Die Tora fordert, dass diese Abgaben für das laufende Jahr erhoben werden, es können also keine Terumot und Ma'asrot von der vorjährigen Ernte, d.h. bis zum ersten Tischri für die neue Frucht, die nach Rosch Haschana geerntet wird, abgesondert werden.

Rosch Haschana:

 

Der Tag der Verhüllung

Rosch Haschana – der erste Tischri - wird auch "Jom Hakesse" – der Tag der Verhüllung – genannt. "Tik’u WaChodesch Schofar Bakesse Lejom Chagenu – am Neumond stosset ins Schofar, am Tag der Mondverhüllung, am Tag unseres Festes (Tehillim 81, 4). In diesem Zusammenhang pflegten Zaddikim auf folgenden Vers hinzuweisen: "LeJom HaKesse jawo Bejto - Am Tag der Mondverhüllung wird er nach Hause kommen" (Mischlej/Sprüche 7, 20). Die Ähnlichkeit der Worte "Kesse" – Verhüllung – und "Kissej" – Thron – deuten auf den Richterthron G"ttes hin, auf dem Er an diesem Tag sitzt. Kesse – Verhüllung – ist auch eine Andeutung auf die Barmherzigkeit G"ttes, dass Er an diesem Tag unsere Schuld verhüllt und unsere Sünden gnädig verbergt.

Alles wird an diesem Tag mit Verhüllung in Zusammenhang gebracht. Während alle anderen Festtage im Jahr zur Vollmondszeit fallen, oder davor oder danach, fällt Rosch Haschana auf den ersten des Monats, wenn der Mond noch verhüllt ist. Symbolisch wird auch das Volk Israel mit dem Mond verglichen, denn es strahlt an seinen Schabbat- und Festtagen in vollem Glanz. An Rosch Haschana jedoch zieht es sich in Ehrfurcht vor dem grossen Tag des Gerichts zurück. Auch der Allmächtige breitet über Sein Volk eine Hülle, verbirgt damit seine Sünden und gewährt ihm dann Verzeihung und Vergebung (Siehe Pesikta Rabbati, 40).

Auch in der Tora selbst ist das Wesen, der Charakter von Rosch Haschana als Jom Hadin, als Tag des Gerichtes, nicht ausdrücklich erwähnt. Er ist eher verhüllt, damit die Teschuwa – die Rückkehr zu G"tt – nicht nur auf diesen einen Tag beschränkt bleibe, sondern, dass der Mensch auch während des Jahres sich seiner Sünden bewusst sei und die Möglichkeit zur Teschuwa ergreife. Auch soll dem Satan – dem Kläger – der genaue Zeitpunkt "verhüllt" bleiben, damit er nicht als Ankläger erscheine. Aus diesem Grund pflegt man auch kein "Birkat Hachodesch" – die Neumondsverkündung – am Schabbat vor Rosch Haschana zu sagen, wie es sonst für alle anderen Monate Brauch ist.

Tag der Anfänge

Der erste Tischri ist, nach Rabbi Elieser, der Tag, an dem G"tt den Menschen geschaffen hat als Krönung der Schöpfung (Rosch Haschana 10a). Am 25. Elul wurde die Welt erschaffen, daher war der sechste Tag (Schöpfung des ersten Menschen) am 1. Tischri.

Ebenso sagt Rabbi Elieser, dass unsere Stammväter im Tischri geboren wurden, da sie Anfang für eine Welt waren, die bisher sündhaft war. Am Rosch Haschana wurden Sara, Rachel und Chana bedacht. Sie waren vorher kinderlos, doch an diesem Tag bedachte sie G"tt mit einem Kindersegen.

Am Rosch Haschana wurde Josef aus dem Gefängnis entlassen, in dem er zwölf Jahre lang unschuldig eingesperrt war. Von diesem Tag an begann sein Licht zu leuchten.

Am Rosch Haschana wurde der Sklaverei unserer Väter in Ägypten ein Ende gesetzt, und so wurde dieser Tag der Anfang ihrer Erlösung.

Schon am ersten Rosch Haschana der Welt, an dem Tag, an dem der Mensch erschaffen wurde, waren die Begriffe von Gericht und Vergebung gegenwärtig. Unsere Weisen sagen, dass an jenem Tag Adam G"ttes Gebot in Bezug auf den Baum des Wissens übertreten hat und dafür gerichtet wurde. Aber auch Verzeihung wurde ihm zuteil. "Dies sei ein Zeichen für deine Kinder - sagte G"tt zu ihm - genau wie du an diesem Tag verurteilt wurdest, aber dir auch vergeben wurde, so werden auch deine Kinder an diesem Tag gerichtet werden, aber auch Verzeihung erhalten" (Pesikta DeRaw Kahana, Bachodesch Haschewi'i).

"Lo A'D'U Rosch…" - Tage, an denen Rosch Haschana nie beginnt

Der erste Tag Rosch Haschana kann nur auf Montag, Dienstag, Donnerstag oder Schabbat fallen, niemals jedoch auf Sonntag, Mittwoch oder Freitag. Dies bedeutet "A’D’U’ (im Hebräischen ALEF-DALET-WAW – Sonntag-Mittwoch-Freitag) "Lo Rosch" kann nicht Rosch Haschana sein. Dies ist eine "Takkanat Chachamim" – eine Anordnung unserer Weisen. Dies wird im Kapitel über das Kalenderjahr noch genauer erklärt.

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Die Bearbeitung dieser Beiträge erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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