Cheschwan
/Paraschat Chaje Sara

Raw Frand zu Parschat Lech Lecha 5773

Der Test von Lech Lecha war schwerer als der Test von Ur Kassdim

Die Mischna sagt uns in Awot (Sprüche der Väter) 5:3, dass Awraham Awinu 10 Mal getestet wurde und dass er alle 10 Prüfungen bestand. Es gibt einige Meinungen worauf genau die 10 Prüfungen waren. Jedoch nach allen Midraschim und Kommentare war der Befehl sein Land, seine Familie und sein Vaters Haus zu verlassen und in das Land zu gehen das Haschem ihm zeigen würde („Lech Lecha meArzecha …“) einer der 10 Prüfungen. Fast nach allen Meinungen war dies aber nicht die erste Prüfung.

Die erste Prüfung die Awraham Awinu überstehen musste war die Prüfung von „Ur Kassdim“. Raschi sagt dass der Name Ur Kassdim auf die wundersame Rettung von Awraham von dem Feuer hinweist, in das er geworfen wurde, weil er sich weigerte den Götzen Nimrods zu dienen. Der Passuk weist darauf hin: „Er sagte zu ihm: Ich bin der G’tt der dich aus Ur Kassdim herausgeführt hat…“ [Bereschit 15:7]

Awraham war ein Götzenzerstörer. Trotz des tiefsitzenden Aberglaubens der Zivilisation, in der er aufgewachsen war, zerstörte er ihre Götzen und sogar die Götzen seines Vaters. Die gesamte Gesellschaft von Ur Kassdim verstiess ihn bis zum äussersten, soweit, dass sie ihm die Wahl gaben entweder ihren Götzen zu dienen oder ihn - mit seinem monotheistischen Glauben - ins Feuer zu werfen. Er wählte das letztere und wurde durch ein Wunder gerettet. Die Torah weist auf diese Geschichte hin „G’tt nahm Awraham heraus von Ur Kassdim“.

Die Kommentatoren stört der Fakt, dass das Wunder von Ur Kassdim nicht ausdrücklich in der Torah erwähnt wird. Die Prüfung von „Lech Lecha meArzecha…“ das Elternhaus zu verlassen mit der Zusicherung alles Gute zu erhalten, sollte von oben her gesehen nicht so schwer sein und wird dennoch detailliert beschrieben. Hingegen wird das Wunder von Ur Kassdim in der Torah nur knapp angedeutet!?

Während der letzten Jahre haben wir diese Frage einige Male diskutiert. Wir erwähnten einmal die Antwort von Raw Weinberg sZ“l, der sagte, dass Ur Kassdim etwas war, das Awraham aus seiner eigenen Überzeugung hinaus tat; es war keine Reaktion auf einen Befehl von Haschem. Lech Lecha – sein Heim zu verlassen – war ein Befehl von G’tt und so ist der Fakt, dass Awraham diesen Befehl befolgte von grösserer Bedeutung als der, den er aus eigener Überzeugung bereit war zu tun. In den Augen der Torah ist das Befolgen von Befehlen von G’tt die grösste Prüfung. Dies wird auch von Chasal klar zum Ausdruck gebracht: „Der Befohlenes ausführt ist grösser als der, der Freiwilliges tut“ [Kiduschin 31a]. Etwas zu tun dass du tun musst ist schwieriger als etwas das du tun möchtest. Von diesem Aspekt her gesehen war die Prüfung von Ur Kassdim nicht so gross wie die Prüfung von Lech Lecha.

Heute möchte ich eine andere Antwort zu dieser Frage präsentieren und zwar von Raw Simcha Sissel Broide in seinem Sefer Sam Derech. Raw Broide sagt, dass ein Mensch zwei Arten von Prüfungen in seinem Leben gegenübersteht. Eine Art Prüfung sind die Sachen die als „glamouröse Prüfungen“ kategorisiert werden können – definierte Momente im Leben einer Person. In solchen Momenten, wenn dieser Person sehr bewusst ist, dass sie an einer Kreuzung ihres Lebens steht, wenn sie eine wichtige Entscheidung fällen muss – auch wenn es eine grössere Selbstaufopferung erfordert – so kann sie den Mut und die Entschlusskraft aufbringen, die richtige Entscheidung zu fällen und auszuführen.

Aber es gibt auch andere Prüfungen im Leben – die Art der täglichen Prüfungen, die auf jedem zukommen, Tag ein Tag aus – solche die jeder von uns bestehen muss. Diese Prüfungen sind nicht glamourös. Sie sind nicht spannend. Sie sind sehr alltäglich, aber sie sind doch Herausforderungen.

Die Prüfung von “Ur Kassdim” war einer dieser „glamourös“ definierten Art von Prüfung. Die Prüfung von „Lech Lecha“ hingegen ist eine typische „alltägliche“ Prüfung. Eine Person hat manchmal die Gelegenheit über sich selbst

hinaus zu wachsen und spirituelle Höhen - mehr als normalerweise - zu erreichen, aber dies ist nicht alltäglich.

Es war vor einiger Zeit [dieser Schiur wurde vor einigen Jahren gegeben] in Erez Jisrael ein Terrorist, der versuchte in einen Bus einzusteigen, der voll von Soldaten und anderen Leuten war. Irgendwie stolperte der Terrorist als er auf den Bus zuging, fiel nach hinten hin und schlug seinen Kopf auf den Randstein auf. Der Busfahrer und ein Arzt, der zufällig im Bus war, rannten hinaus um ihm zu helfen; sie dachten er wäre ein normaler Passagier der versucht hatte auf den Bus zu steigen. Als sie ihn retten wollten, rissen sie sein Hemd auf und sahen dass er eine Bombe an seinen Körper gebunden hatte.

Dieser Terrorist war eine tickende Bombe. Diese Bombe hätte jederzeit hochgehen können und die zwei Personen, die ihn zu retten versuchten, hätten getötet werden können. Der Busfahrer und der Arzt hielten ihn am Boden fest und riefen allen Buspassagieren zu, sie sollten rasch aus dem Bus steigen und um ihr Leben rennen. Alle, ausser einer älteren Frau die sich nicht schnell genug bewegen konnte und einer anderen Person, die ihr zu helfen versuchte, waren alle weggerannt. Die Frau wurde getötet und die andere Person verletzt, als die Bombe etwas später hochging, die anderen Personen wurden durch dieses Wunder gerettet.

Später gab es ein Interview mit dem Busfahrer. Der Journalist fragte ihn, wie er den Mut aufgebracht hatte, so etwas zu tun was er getan hatte. Der Interviewer sagte zum Busfahrer, „Du bist ein Held!“ Der Busfahrer antwortete, „Ich bin eigentlich eine ängstliche Person. Wenn man mich vorher gefragt hätte, ob ich so eine Sache tun könnte, so hätte ich sicher negativ geantwortet. Ich weiss nicht was es war, aber etwas kam über mich in diesem Moment und ich hielt den Terrorist fest um die anderen Leute zu retten.“

Dies ist ein Test in der “Ur Kassdim Art”. Ich weiss nicht, ob Adrenalin (Stresshormone. Die Funktion der Stresshormone ist das Freisetzen der Energiereserven des Körpers als Vorbereitung auf eine bevorstehende Flucht oder einen Kampf) oder eine höhere Kraft einen Menschen hilft solche Prüfungen zu bestehen. Wir alle haben solche Momente von Heldentum und Selbstaufopferung, Momente in denen wir aus unseren natürlichen Emotionen von Angst hinauskommen. Für einen Moment können wir zu selbstlosen Helden werden.

Momente von Ur Kassdim sind flüchtig. Sie repräsentieren nicht unbedingt die reale Person; sie kommt vielmehr aus einer solchen heroischen Situation heraus. Lech Lecha ist der normale Test von „stehe ich morgen auf für ein Minjan?“ Lech Lecha ist, komme ich nach Hause am Abend und lerne mit meinem Kind und helfe ihm bei seinen Hausaufgaben oder sage ich „mache es allein, ich möchte die Zeitung lesen“. Niemand denkt über die Herausforderung „soll ich mit meinem Kind jetzt lernen oder nicht?“ als definierenden Moment in seinem Leben nach! Niemand denkt dass solche Taten heroisch sind. Lech Lecha-Momente sind Zeiten in denen wir vor finanziellen Schwierigkeiten stehen und wir die Wege G’ttes nicht hinterfragen. Lech Lecha- Momente sind die Prüfungen und Schwierigkeiten die uns das Leben beschert – Gesundheitsprobleme, finanzielle Schwierigkeiten, Probleme mit Kindern. Sie sind tägliche Probleme: das gleiche Problem immer wieder. Dies ist „Lech Lecha“.

Dies ist was Awraham getan hatte. Er ging nach Erez Jisrael. Haschem versprach ihm, das alles gut sein wird, aber sie waren dennoch schwer. Es gab eine Hungersnot im Land. Wo ist da die Herrlichkeit? Dies ist das Leben. Awraham Awinu hinterfragte nicht, er forderte nicht heraus, er verlor sein Glauben nicht. Es gibt nichts Glamouröses oder sehr spannendes hier, nur die Tag ein und Tag aus Routine des Lebens.

Raw Simcha Sissel erklärt dass die Torah nur auf Ur Kassdim andeutungsweise hinweist. Solches Heldentum ist gross. Es ist bewundernswert. Aber, in den Augen der Torah, jeden Tag – ein und aus – Prüfungen die von „Lech Lecha“ präsentiert werden, sind diese, die wirklich zählen. Jeder kann einmal zu einer speziellen Tat herankommen. Jedoch, um zu tun was man jeden Tag tun muss – Tag ein und aus – ohne Fragen, dies ist die richtige Prüfung.

Es gibt keine Bücher die über solche Prüfungen geschrieben werden und es gibt auch keine Bankette, an denen man Leute für eine solche Tat honoriert, aber dies ist das Leben und in den Augen der Torah, ist dies wo das Heldentum richtig herauskommt. Dies ist der Grund warum die Prüfung von Lech Lecha als grösserer Test der zwei Prüfungen betrachtet wird.

 

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