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Wenn man die Kinder von zuhause wegschickt: ein monatlicher Scheck, ein Bankkonto oder eine Kreditkarte? - (Raw Frand Toldot 5780 – Beitrag 2)

Wenn man die Kinder von zuhause wegschickt: ein monatlicher Scheck, ein Bankkonto oder eine Kreditkarte?

Jizchak segnete Ja’akow wie folgt: „So gebe dir G’tt (Elokim) vom Tau des Himmels und vom Fett der Erde.“ [Bereschit 27:28] Für einen Segen scheint der G‘ttesname „Elokim“ nicht angebracht zu sein. G’tt hat verschiedene Namen, welche die Art und Weise umschreiben, wie Er mit uns umgeht. Elokim beschreibt seine Eigenschaft der Strenge und des gerechten Urteils. Es scheint merkwürdig, dass bei einem Segen, der G’tt um Tau des Himmels und Fett der Erde bittet, gerade dieser Name angerufen wird.

Raschi macht zu diesem Passuk (Vers) eine wichtige Bemerkung. Er schreibt, dass diese Segen mit einer Bedingung verknüpft sind. Der Segen steht Ja’akow nicht einfach bedingungslos zu. Ja’akow muss sich den Segen verdienen. Dieser Segen ist nicht mit dem Attribut von Barmherzigkeit verbunden, sondern mit dem Attribut der Strenge.

Raschi weist darauf hin, dass der Segen für Ejsaw (die Völker der Welt) so formuliert ist, dass er in jedem Fall davon profitiert, sei er gut oder böse. Elokim wird in seinem Segen nicht erwähnt. Es gibt keine Bedingungen. Ist das fair? Soll es dem Sünder gut gehen?

Wir können dies mit einem Gleichnis besser verstehen.

Oft müssen Kinder zum Studium in eine Institution einer anderen Stadt geschickt werden Diese Erfahrung ist mit der Aufgabe verbunden, gelegentlich Taschengeld zu schicken. Es gibt drei Wege, wie Eltern ihren Kindern Geld schicken können. Die Eltern können ihren Kindern regelmässig, wöchentlich, zweimal wöchentlich oder monatlich einen Scheck senden. Auf diese Art können Eltern gewiss sein, dass ihr Sohn oder ihre Tochter mindestens in diesen Abständen mit ihnen Kontakt aufnimmt.

Die zweite Methode ist, für das Kind ein Bankkonto zu eröffnen. Damit ist es selbst imstande, nach Bedarf Geld zu beziehen. Trotzdem: hie und da ist auch wieder eine Einzahlung vonnöten. So wird es gelegentlich einen Telefonanruf nach Hause geben, um Geld für das Konto zu erbitten.

Die dritte Möglichkeit ist, dem Kind eine Kreditkarte zu geben. Bei dieser Variante gibt es keine Garantie, dass das Kind mit seinen Eltern Kontakt aufnimmt.

Ich will nicht witzig sein. G’tt überschüttet uns mit Gaben. Er gibt uns unseren Lebensunterhalt, Gesundheit, er sorgt für alles, was wir brauchen. Doch diese Geschenke sind nicht Selbstzweck. G’tt hat uns mit allen unseren Bedürfnissen geschaffen, weil Er will, dass wir mit ihm in Kontakt bleiben. G’tt will, dass wir spüren, wieviel wir für unser Leben brauchen. Dies zwingt uns, mit unserem Schöpfer in Verbindung zu bleiben. Dies ist für den Menschen grundlegend.

Damit erklärt sich die Bedeutung des meistgesagten Segenspruchs nach Speisen (ausser bei Getreideprodukte und bestimmte Früchte) „der viele Seelen schafft und deren Bedürfnisse“ (“borej Nefaschot rabot we’Chesronan“). Wir begreifen das Lob, das von der Tatsache herrührt, dass G’tt viele Lebewesen schafft. Warum aber loben wir auch die Erschaffung der vielen Bedürfnisse?

Die Tatsache, dass G’tt uns mit Bedürfnissen schafft, ist ein gewaltiges Lob, weil wir über diese Bedürfnisse unsere Verbindung mit unserem Schöpfer auf die Dauer aufrechterhalten und so immer wieder zu ihm zurückkehren werden. Wenn uns alles zur Verfügung stände und wir nie einen Mangel verspürten, wären wir wie das Kind mit der Kreditkarte, das nie zuhause anruft, weil es ja nichts weiter braucht.

Wir brauchen G’tt – das ist die Schönheit unserer Beziehung zu Ihm. Darum endet der Segensspruch: „Gelobt sei der Lebensspender in (zwei) Welten“ („Baruch chej haOlamim“). G’tt sorgt, dass wir mit ihm in Verbindung bleiben, indem er uns mit Bedürfnissen geschaffen hat, die uns zwingen, mit ihm in Kontakt zu bleiben. Auf diese Weise sichert er uns zwei Welten: diese und die künftige.

Der Sefat Emet erklärt, dass G’tt der Schlange den schlimmstmöglichen Fluch gab: „Auf dem Bauch sollst du kriechen und Staub sollst du essen alle Tage deines Lebens. [3:14]“ Der Sefat Emet frägt, dass – oberflächlich gesehen – dies ein grosser Vorteil für die Schlange zu sein scheint. Wohin sie auch geht, das Essen steht für sie bereit. Jede andere Kreatur der Welt muss sich um ihre Speise bemühen. Einzig für die Schlange ist alles überall bereit.

Der Sefat Emet erklärt diesen kraftvollen Fluch. G’tt trennte sich von der Schlange für immer, indem er ihr sagte: „Ade Schlange. Von nun an haben wir nichts mehr miteinander zu tun. Du hast dein Essen von jetzt an, du musst nicht mit mir in Verbindung bleiben.“

Das ist die Bedeutung von Raschis Hinweis auf den Segen für Ja’akow. Gerade das g’ttliche Attribut von Strenge ist die Quelle des Segens. „Du hast dich zu benehmen. Du musst mit deinem G’tt eine enge und einwandfreie Beziehung haben, damit du deinen Segen empfängst.“

Hingegen ist das Verhältnis zwischen G’tt und Ejsaw ähnlich zu dem mit der Schlange: Es ist kein Kontakt notwendig. „Nimm deine Kreditkarte und mach‘ mit ihr, was du willst! Ich brauche dich nicht. Du brauchst Mich nicht. Gehe und geniesse das Leben.“

Dies ist der Segen von: „So gebe dir Elokim ...“ So schlecht Krankheit auch ist, so schlecht Armut auch ist, es gibt einen Lichtblick. Sie zwingt uns, daran zu denken, dass G’tt auch noch da ist. Unsere Gebete werden anders, unsere Handlungen werden anders. Schlussendlich werden wir anders. Dies ist ein Segen, kein Fluch.

 

Quellen und Persönlichkeiten:

  • Raschi (1040-1105) [Rabbi Schlomo ben Jizchak]; Troyes (Frankreich) und Worms (Deutschland); „Vater aller TENACH- und Talmudkommentare“.
  • Sefat Emet (1847 - 1905): Rabbi Jehuda Leib Alter; der zweite Gerrer Rebbe; Polen.

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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich ________________________________________________________________

 

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