Tamus
/Paraschat Chukat-Balak

Raw Frand zu Parschat Schemot 5772

Mirjam lehrte uns, die Hoffnung nicht aufzugeben

Die Mischna [Sota 9b] diskutiert das Konzept der g‘ttlichen Belohnung und Bestrafung, das "Mass für Mass" ausgeführt wird. Ein Beispiel wird dort gebracht: Weil Mirjam wartete, um zu sehen, was mit ihrem Bruder geschehen würde, als er in einer Tejwa (einem Korb) im Nil schwamm [Schemot 2:4], wartete ganz Klal Jisrael auf Mirjam während sieben Tagen [Bamidbar 12.15], als sie vorübergehend "aus dem Lager verbannt wurde, weil sie aussätzig wurde" als Strafe, dass sie über ihren Bruder Laschon Hara (üble Nachrede) gesprochen hatte.

Auf den ersten Blick scheint die Tatsache, dass Mirjam am Ufer blieb, um zu sehen, was mit ihrem Bruder geschehen würde, keine solch grosse Tat zu sein. Vielleicht ist sie aus Neugier geblieben, vielleicht auch aus Sorge, doch es scheint nicht eine solch bedeutende und wichtige Tat zu sein, dass der ganze Klal Jisrael eine ganze Woche auf sie warten sollte in der Wüste.

Um die eigentliche Bedeutung ihrer Handlung zu schätzen, müssen wir sie im Zusammenhang sehen, welcher uns die Gemara in Sota [12a] erklärt. Der Talmud sagt, dass Amram (Mirjams Vater) einer der grossen Männer der Generation war. Als er Pharaos Befehl hörte, alle männlichen Kinder in den Nil zu werfen, gab er die Hoffnung auf und beschloss, seiner Frau (Jochewed) die Scheidung zu geben, anstelle mehr Kinder auf die Welt zu bringen, die nach ihrer Geburt im Nil ertränkt würden. Amram war das Vorbild für den Rest des Volkes und viele andere liessen sich auch von ihren Frauen scheiden.

Mirjam sagte ihrem Vater, dass sein Beschluss schlimmer sei als Pharaos Beschluss. Pharaos Beschluss war nur gegen die Jungen gerichtet. Amrams Beschluss stellte jedoch sicher, dass weder Jungen noch Mädchen geboren wurden. Pharaos Beschluss beeinflusste das Schicksal der Kinder nur in dieser Welt, Amram jedoch verursachte, dass die Kinder nicht entstehen würden und somit kein Leben weder auf dieser noch auf der nächsten Welt haben würden. Amram hörte auf den Rat seiner Tochter. Er heiratete Jochewed wieder, als sie bereits 130 Jahre alt war, sie wurde schwanger und gebar das Kind, welches dereinst Mosche Rabbejnu wurde. Wieder folgten alle anderen Amrams Beispiel und heirateten ihre früheren Frauen.

Die Gemara erzählt dann, als Mosche geboren wurde, füllte sich das Haus mit Licht. Amram küsste Mirjam auf die Stirn und sagte ihr, "Deine Prophezeiung hat sich erfüllt." Als Mosche jedoch in den Nil gelegt wurde (um ihn vor den Ägyptern zu verheimlichen), ging Amram zu Mirjam und schlug sie auf die Stirn und fragte: "Was ist nun mit deiner grossen Prophezeiung geschehen?"

In diesem Zusammenhang beginnen wir die Bedeutung des Passuks zu verstehen "Und seine Schwester stand in der Ferne." Die Belohnung, die Mirjam später erhielt, war nicht nur dafür, dass sie einige Augenblicke am Nil stand, es war vielmehr, dass sie die Ursache war, dass Amram und alle Jehudim ihre Frauen zurücknahmen. Sie war verantwortlich für die Geburt des Kindes, das der Führer der jüdischen Nation wurde. Sie rettete ihren Bruder und damit die ganze Nation, weil sie sich weigerte, die Hoffnung aufzugeben.

Es sah hoffnungslos aus. Als Mirjam mit ihrem Vater sprach, gab es bereits Tausende und Abertausende von jüdischen Kindern, die im Nil gestorben waren. Dadurch, dass sie blieb, um zu sehen, was mit ihrem Bruder sein würde, zeigte sie einen besonders jüdischen Charakterzug – Ausdauer und die Weigerung, die Hoffnung aufzugeben. Mirjam heldenhafter Glauben und ihre Belastbarkeit flössten dem Volk neuen Mut ein und retteten es vor dem schrecklichen Schicksal der Mutlosigkeit und Verzweiflung.

Der Isbitzer Rebbe drückte eine ähnliche Idee aus. Die Halacha ist, wenn jemand etwas verliert und die Hoffnung aufgibt, es jemals wieder zu finden (Jiusch), dann hat der Finder das Recht es zu behalten. Allerdings, solange eine Person die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat, das Verlorene wieder zu finden, so darf der Finder es nicht behalten. Der Isbitzer Rebbe erklärt, dass die Hoffnung der Person das einzige ist, was sie noch mit dem verlorenen Objekt verbindet. Sie hat den Besitz verloren und kann ihn nicht benutzen. Die Hoffnung allein verbindet sie mit dem Objekt. Wenn ich einmal die Hoffnung aufgeben habe, so habe ich keine Verbindung mehr mit dem verlorenen Objekt und deshalb kann der Finder es behalten.

Deshalb, sagte der Isbitzer Rebbe, ist es so zerstörerisch, die Hoffnung aufzugeben. Unabhängig von der Situation, solange man noch hofft, so besteht eine potenzielle Heilungschance, oder eine mögliche Erlösung, oder eine mögliche Rettung aus der Krise. Man muss hoffen, um eine Chance zu haben, diese Erlösung zu sehen.

Hätte Mirjam die Hoffnung aufgegeben, dann hätte sie damit die letzte Verbindung zur zukünftigen Erlösung des jüdischen Volkes durchtrennt. Deshalb war ihre Tat des Glaubens so wichtig. Die Belohnung dafür war, als Mirjam aussätzig wurde und das jüdische Volk in der Wüste war, da trug ihnen der Allmächtige auf, auf sie zu warten.

Weshalb war dies eine angemessene Belohnung? Denn eine Sache sollte nie in der Wüste getan werden und zwar warten. In der Hitze, in den widrigen Bedingungen der Wüste, wagt man es nicht, herum zu trödeln. Das jüdische Volk hätte sagen können "Mirjam wird uns einholen, wir können nicht hier bleiben, was wird aus uns werden?" Haschem jedoch sagte; "Nein. Erinnert euch an Mirjam. Sie glaubte an Mich. Sie hat die Hoffnung nicht aufgeben, denn sie wusste, dass die Rettung des Allmächtigen in einem Augenblick kommen kann. Wir werden auf Mirjam warten. Kümmert euch nicht um das Wasser. Kümmert euch nicht um den Mangel an Nahrung. Macht euch keine Sorgen über die Hitze."

Mirjam lehrte uns die zeitlose Lektion, nicht die Hoffnung aufzugeben, auch wenn Dinge düster aussehen. Diese wertvolle Lektion, symbolisiert dadurch, dass sie wartete um zu sehen, was mit Mosche am Nil geschehen würde, verdient sicherlich, dass die Bnej Jisrael auf Mirjam warteten, als sie nicht im Stande war zu reisen.



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