Tamus
/Paraschat Balak

Raw Frand zu Parschat Wa'era 5772

Re’uwens und Schimons Grosskinder sahen nie ‚den Rücken‘ von Rabbi Me’ir

Zu Beginn der dieswöchigen Parscha führt die Tora den Stammbaum von Mosche Rabbejnu (unser Lehrer) auf. Zu Beginn zählt sie die Kinder von Re’uwen und Schimon auf, ohne aber ihre Grosskinder zu erwähnen. Dann kommt eine Aufzählung von Levi's Kindern und Grosskindern und sogar einigen Urgrosskindern (Mosche und Aharon) und endet mit Aharons Kindern und Grosskindern (die Levi's Ur-ur-Grosskinder waren).

Dazu fragt der Seforno: Warum führt die Tora bei der Aufzählung der ersten zwei Stämme nur die Namen der Kinder auf; wenn es aber um Levi geht, erwähnt sie auch die Namen der Gross- und der Urgrosskinder? Der Seforno antwortet, dass Levi's Enkel spezielle Persönlichkeiten waren. Aus diesem Grund verdienten sie es, mit Namen erwähnt zu werden. Die Grosskinder von Re’uwen und Schimon stachen hingegen nicht hervor und werden deshalb nicht genannt.

Der Grund, so erklärt der Seforno, wieso Levi's Enkel etwas Besonderes wurden, war, dass Levi länger als Re’uwen und Schimon lebte. Deshalb kannte Levi seine Grosskinder, lebte und lernte mit ihnen. Weil Levi eine persönliche Bindung mit seinen Enkel hatte, wurden seine Enkel etwas Besonderes.

Dies lehrt uns, dass es etwas Besonderes ist, wenn man noch einen Grossvater hat. Ein Grossvater kann etwas weitergeben, was ein Vater nicht kann. Re’uwen und Schimon starben leider früh und hatten nicht die Möglichkeit mit ihren Enkeln zu lernen und ihnen etwas von ihren Erfahrungen weiterzugeben. Levi's Enkel hatten das Glück, Grossvater Levi im Hause zu haben. Dies machte einen riesigen Unterschied.

Hintergrund zu Seforno's Erklärung ist, dass Levi kein gewöhnlicher Grossvater war. Levi war der Sohn von Ja’akow Awinu (unser Vater). Levi's Enkel hatten einen Grossvater aus einer früheren Generation im Hause, einer Generation, die noch Ja’akow und sogar Jizchak gekannt hatte. Levi war deshalb eine besondere Persönlichkeit.

Der Talmud [Eruwin 13b] berichtet, dass Rabbi Jehuda Hanassi (Rabbejnu Hakadosch - unser heiliger Lehrer) seine eigene Grösse der Tatsache zuschrieb, dass er noch 'den Rücken' von Rabbi Me’ir gesehen hatte. Rabbejnu Hakadosch, der Herausgeber der Mischna, spürte, dass die Tatsache, Rabbi Meirs Rücken gesehen zu haben, ihm einen Vorzug gegenüber seinen Kollegen gab. Rabbi Jehuda Hanassi fügte hinzu: 'Hätte ich Rabbi Me’ir gar von vorne gesehen, wäre ich sogar noch grösser geworden.'

Dieser Text muss vielleicht im übertragenen Sinn verstanden werden. Ich habe einmal eine sehr schöne Erklärung dieser Gemara von Rabbi Berel Wein gehört. Die Gemara sagt, dass Rabbi Me’ir in einer anderen Generation lebte. Rabbejnu Hakadosch war der letzte der Tana’im (Mischna-Gelehrte). Es gab eine ganze Generation von Tana’im vor Rabbejnu Hakadosch und von dieser Epoche war Rabbi Me’ir der letzte. Rabbi Jehuda Hanassi meinte: ' Ich sah zumindest die letzten Ausläufer einer frühren Generation. Ich sah Gedolim (grosse Tora-Gelehrte), ich sah Rabbi Me’ir! Ich habe gesehen, was ein Tana wirklich war. Sogar wenn das nur der letzte Ausläufer war, Rabbi Me’ir gegen Ende seines Lebens, so machte dies einen unauslöschbaren Eindruck auf mich.'

Rav Frand fügt noch folgende Anmerkung hinzu:

Ich fühle mich schlecht gegenüber meinen Studenten, weil ich zumindest sagen kann: 'Ich sah den Rücken von Rabbi Me’ir.' Ich hatte das Glück zumindest den Rosch Jeschiwa, Rav Jakov Ruderman sz'l gesehen zu haben. Ich kann wenigstens sagen, dass ich jemanden gesehen habe, der noch den Chafez Chajim gekannt hatte. Wer in der Jeschiwat Ner Israel zu Lebzeiten des Rosch Jeschiwa gelernt hatte, konnte sagen, er kannte jemanden, der noch mit Reb Chajim Oser, der an Reb Chajim's Tisch sass, gesprochen hatte. Wir sahen zumindest den Rücken dieser Generation. Wir sind deshalb anders. Und dies gilt für alle aus meiner Generation, die - unabhängig von der Jeschiwa, in welcher sie lernten - noch die Giganten der vergangenen Generation gesehen haben. Meine Studenten konnten dies nicht sehen. Sie sahen nie 'den Rücken von Rabbi Me’ir'.

Dies ist, was Levi's Enkel sahen. Sie kannten zumindest jemanden, der Jizchak Awinu und Ja’akow Awinu gesehen hatte. Sie hatten zumindest eine Verbindung zu dieser Epoche. Dies machte einen immensen Unterschied. Deshalb waren Levi's Enkel anders. Sie hatten eine Verbindung zu etwas Unersetzlichem, eine Verbindung zu einer wundervolleren Generation, etwas, was den Grosskindern von Re’uwen und Schimon leider nicht vergönnt war.

Quellen und Persönlichkeiten:
Seforno: Rabbi Ovadia Seforno (1470 - 1550); klassischer Chumasch-Erklärer; Rom und Bologna, Italien



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