Schewat/ Paraschat Beschalach

Verborgene Wunder (Rav Frand Bo 5782 - Beitrag 2)

Verborgene Wunder

Ergänzungen: S. Weinmann

Der Kommentar des Ramban auf das Chumasch ist eine Fülle von fundamentalen jüdischen philosophischen Überzeugungen. Es gibt einen berühmten Ramban am Ende von Paraschat Bo, der erklärt, warum die Tora so viele Gebote enthält, die des Auszugs aus Mizrajim (Ägypten) gedenken. Um nur einige zu nennen: Tefillin, Pessach, Sukka und Kiddusch sind alle "secher leJeziat Mizrajim – Erinnerung an den Auszug aus Ägypten". Überhaupt müssen wir jeden Tag zweimal die Parscha von Zizit (am Ende von Schema) sagen, da sie an den Auszug aus Ägypten erinnert.

Der Ramban erklärt, dass der Exodus die Dinge ins richtige Licht rückte und alle Mythen entlarvte, die in der Welt vorherrschend waren. Einige behaupteten, dass der Herr der Welt nicht existierte. Andere gaben zu, dass es einen Schöpfer gab, dass Er jedoch nach der Schöpfung beschlossen habe, mit der Welt nichts mehr zu tun zu haben. Noch andere glaubten, dass G"tt wisse, was in der Welt vorgehe, aber nicht daran interessiert sei.

Der Auszug aus Ägypten widersprach all diesen theologischen Irrtümern. Die übernatürliche Entfaltung der Ereignisse, die zum Auszug der Nation von Sklaven aus den Händen des mächtigsten Reichs der damaligen Zeit führte, bewies, dass G"tt die Welt geschaffen hatte und immer noch eine aktive Rolle in ihrer Leitung einnahm, und die "Natur" selbst änderte, wenn Er dies wollte. Dies ist der Grund, warum dieses historische Ereignis von so wichtiger Bedeutung ist, um die "theologischen Tatsachen des Lebens" richtigzustellen.

Nachdem G"tt nicht dauernd offene Wunder vollbringen will, war es nötig, Gebote zu erteilen, die uns an die "offenen Wunder", die in der Vergangenheit geschahen, zu erinnern. Der Ramban erklärt, dass ein Mensch, der an G"ttes Fähigkeit, offene Wunder zu vollbringen, wie Er es in der Vergangenheit getan hat, glaubt, auch den Begriff von "verborgenen Wundern", die auf täglicher Basis geschehen, akzeptiert, was der Ramban das Fundament der ganzen Tora nennt. "Denn ein Mensch hat keinen Anteil an der Tora von Mosche, unserem Lehrer, falls er nicht glaubt, dass alles, was uns in jeglichen Lebensumständen geschieht – sei es im privaten oder öffentlichen Leben – Wunder sind."

Wir müssen glauben, dass das Leben selbst ein Wunder ist. Die Tatsache, dass ich hier stehe und spreche, und du zuhören kannst, oder die Tatsache, dass die Sonne jeden Morgen am Osthimmel aufgeht und jeden Abend am Westhimmel untergeht, ist ein Wunder – aber diese "Wunder" sind als "Natur" getarnt. Wir gewöhnen uns an diese Dinge, weil sie während unseres ganzen Lebens und vielleicht während der ganzen Geschichte stattgefunden haben, aber sie sind dennoch Wunder.

Ich habe vor vielen Jahren den folgenden Brief erhalten. Nachdem wir den obenerwähnten Ramban über die "verborgenen Wunder" gehört haben, glaube ich, dass wir diesen Brief und die Geschichte, die damit verbunden ist, besser schätzen können:

Im Sommer 2004 verlobten sich Andrew und Sharon und baten mich, ihren Rabbiner aus Bel-Air in Kalifornien, an ihrer Hochzeit die Chupa zu vollziehen. Die Feier sollte am 5. Dezember 2004 stattfinden.

Ich sagte ihnen, dass ich mich freuen würde, ihre Hochzeit zu führen, wenn sie vier grundsätzlichen Anforderungen entsprechen können: 1) Dass sie beide jüdisch sind; 2) dass die Kalle vor der Heirat in die Mikwa geht; 3) dass das Essen an der Hochzeit koscher sein würde; 4) dass keiner von ihnen zurzeit mit jemand anderem verheiratet ist, und falls sie es sind, dass sie zuerst eine jüdische Scheidung durchführen müssen.

Das Paar erklärte sich mit den Bedingungen einverstanden, aber, um ehrlich zu sein, sagte mir Sharon, dass sie zu einer früheren Zeit schon verheiratet war, "aber es war nur für sechs Stunden und es war ein Fehler, und ich liess die Heirat annullieren, und ich will nicht nochmals darauf zurückkommen, weil es ein schrecklicher Fehler meinerseits war".

Ich sagte ihr, dass es im Judentum keinen Unterschied macht, ob jemand sechs Stunden oder sechs Jahre oder sechzig Jahre verheiratet war – man bleibt verheiratet, bis der Ehepartner entweder stirbt oder bis man eine jüdische Scheidung durchgeführt hat.

"Aber das Gericht hat meine Heirat annulliert, Rabbi. Bitte verstehen Sie dies. Es war ein Fehler."

"Es tut mir leid, aber Sie benötigen einen Get", sagte ich ihr.

"Rabbi, was ist, wenn ich den 'Fehler' nicht gutmachen kann? Bin ich auf ewig dem Schicksal verfallen?"

Ich sagte ihr: "Ich werde für Sie da sein. Wir werden die jüdischen Gerichte in Los Angeles kontaktieren, und sie werden uns helfen, dieses Dilemma durchzustehen."

Es nahm uns mehrere Wochen. Der erste Ehemann wurde endlich ausfindig gemacht. Ich setzte mich mit dem Bejt Din in Los Angeles in Verbindung. Sie arrangierten den Get, und das Bejt Din sagte zu Sharon: "Jetzt, da Sie Ihren Get haben, können Sie wieder heiraten, jedoch erst in 92 Tagen." (Dies basiert auf dem Gebot der "Hawchana", das eine Warteperiode vor einer erneuten Heirat erfordert, um jegliche Zweifel bezüglich Vaterschaftsfragen eines Kindes auszuschliessen, welches 7-9 Monate, nachdem die erste Heirat beendet wurde, geboren wird.)

Das Paar war jetzt sehr verzweifelt, weil dies die Warteperiode über das geplante Heiratsdatum vom 5. Dezember hinausschieben würde. Sie konnten über nichts anderes als ihre Heiratspläne, ihre Flitterwochen und ihre geplanten Daten denken. Während Tagen konnten sie nicht verstehen, warum sie bis Januar 2005 warten müssen, bis sie heiraten könnten. Aber am Ende erklärten sie sich damit einverstanden. Nach einigen Tagen riefen Andrew und Sharon mir zurück und sagten, dass sie die Heirat - gemäss G"ttes Willen - durchführen wollen. Sie planen jetzt ihre Hochzeit für den 23. Januar 2005.

Trotzdem konnten sie nicht wirklich verstehen, warum G"tt ihre Hochzeit aufschob. Sie konnten dies bis zum 26. Dezember 2004 nicht verstehen. Andrew und Sharon sollten sich nach ihrem ursprünglichen Plan jetzt in ihren dreiwöchigen Flitterwochen in einem Luxushotel auf einer romantischen Insel im Indischen Ozean befinden, die vom Tsunami im Indischen Ozean am 26. Dezember 2004 gänzlich fortgeschwemmt wurde und fast eine Viertelmillion Leben forderte.

Wie Andrew sagte: "Den besten Rat, den wir je erhalten hatten, war der Rat des Rabbiners, dass wir die Regeln von Haschems Tora befolgen sollten. Er sicherte uns zu, dass es für uns am Ende ein Segen sein würde." Und so geschah es auch.

Quellen und Persönlichkeiten:

Ramban: Rabbi Mosche ben Nachman – "Nachmanides" (1194 - 1270); Gerona, Spanien; Erez Jisrael; einer der führenden Toragelehrten (Rischonim) des Mittelalters, einer der Haupterklärer des Chumasch (fünf Bücher Moses), wie Verfasser weiterer Werke in Haschkafa (Kitwej haRamba“n) und Abhandlungen zum Talmud.

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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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