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Bei ihren ägyptischen „Nachbaren“ oder „Freunden“ um Silber und Gold bitten? (Rav Frand, Paraschat Bo 5783 - Beitrag 1)

Rav Frand zu Paraschat Bo 5783 – Beitrag 1

Bei ihren ägyptischen Nachbaren oder Freunden um Silber und Gold bitten?

 

Die Parascha dieser Woche enthält die folgenden Pessukim: „Da Sprach der Ewige zu Mosche: Noch eine Plage will ich über Pharao und Ägypten bringen, dann wird er euch von hier ziehen lassen… Sprich nun in den Ohren des Volkes, dass jedermann von seinem Freunde und jede Frau von ihrer Freundin sich silberne und goldene Geräte (wejisch’alu) ausleihen sollen.“ [Schemot 11:1-2].

Der Gerer Rebbe konzentriert sich auf die Verwendung des Wortes „wejisch’alu“. In der Regel bedeutet das Wort „Jischalu“ das Ausleihen (kann aber auch als verlangen/erbitten verwendet werden – die Meinungen der Tora-Kommentatoren zur Stelle gehen auseinander. Anmerkung des Herausgebers). Wir alle wissen, dass die Juden in dieser Situation nicht die Absicht hatten, die Gegenstände zurückzugeben, um die sie gebeten hatten (und zu Recht!). Warum verwendet die Tora dann das Wort „wejisch’alu“? Der Gerer Rebbe erklärt, dass dies das erste Mal sei, dass das jüdische Volk als Nation „zu Geld kam“. Geld ist, wie wir wissen, eine mächtige Kraft. Anlässlich des ersten Males, dass sie zu Geld kamen, belehrte G-tt die Israeliten, dass er Menschen reich machen oder - G-tt behüte - arm sein lassen kann. Wann immer man also Vermögen erwirbt, sollte man es immer als „geliehenes Geld“ betrachten. G-tt mag uns helfen, reich zu werden, aber wir sollten uns nur als Hüter des Geldes betrachten. Wir sind nur die Treuhänder. Es ist nicht wirklich unser. Wir können es nicht mitnehmen.

Aus ägyptischer Sicht ist also die Bedeutung des Wortes wejisch’alu „sie sollen um Geld bitten“. Die Juden nahmen eindeutig das Geld von den Ägyptern (als Bezahlung für ihre Arbeit). Sie wurden jedoch angewiesen, es in Bezug auf sich selbst als „geliehenes Geld“ zu betrachten!

Der Neziw (Rav Naftali Zvi Jehuda Berlin) konzentriert sich auf die Worte „jedermann von seinem Freunde und jede Frau von ihrer Freundin“ (me’et Re’ehu, me'et Re-u-tah). Der Neziw weist darauf hin, dass wir in Paraschat Schemot einen sehr ähnlichen Passuk haben. Dort lesen wir jedoch: „Jede Frau leihe sich von ihrer Nachbarin (Ischa miSchechenta) … silberne und goldene Geräte und Kleider …“ [Schemot 3:22]. Der Neziw fragt, warum die Tora ihre Sprache ändert. Warum spricht die Tora in Paraschat Schemot davon, sich bei einem Nachbarn zu leihen, und hier in Paraschat Bo ändert die Tora den Auftrag an das Volk, sich bei Freunden zu leihen?

Das Neziw bringt einen blendenden Kommentar. In Paraschat Schemot spricht der Ewige zu Mosche, bevor die Plagen begannen. Wen könnten die Juden bitten: „Könnte ich das silberne Teeservice haben, das ich auf der Frühstückstheke sehe?“ Das kann man nur von jemandem verlangen, der bestenfalls ein Bekannter ist. Sie hatten keine „Freunde“, die sie darum bitten konnten, weil es keine Freundschaft zwischen den Ägyptern und den Juden gab. In Paraschat Bo geschah jedoch etwas Tiefgreifendes. Plötzlich wurden die Ägypter tatsächlich ihre Freunde. 

Was ist passiert? Die Antwort ist, dass die Plage von Choschech [Finsternis] gerade vorbei war. Diese Plage dauerte sechs Tage. Das war mehr als nur ein „Blackout“ mit ausgeschaltetem Licht. Die ersten drei Tage hatten die Menschen Angst sich allzu weit zu bewegen. In den zweiten drei Tagen wurde Choschech eine greifbare Dunkelheit (weJamesch Choschech), so dass die Menschen sich nicht mehr bewegen konnten. Wer sass konnte nicht mehr aufstehen. Wer im Bett war konnte das Bett nicht verlassen.

Fragt der Neziw: Was haben also die Ägypter in dieser Zeit gegessen? Was haben sie getrunken? Wenn sich die Leute nicht bewegen konnten, konnten sie nicht einmal „im Haus herumfummeln und etwas zu essen finden“. Wenn Menschen 3 Tage lang nichts essen und trinken können, sterben sie. Wie kommt es, dass die ganze ägyptische Nation überlebt hat, um ihre Geschichte nachher erzählen zu können? Es muss sein, sagt der Neziw, dass während dieser Plage, die nur die Ägypter betraf und nicht die Juden, die Juden hingingen und ihren ägyptischen „Freunden“ Speise und Trank gaben, so dass die Ägypter überlebten.

Der Neziw sagt, dass „ein Freund in Not, wirklich ein Freund ist“. Das ist es eben, was sich geändert hatte. In Paraschat Schemot konnten sie keinen Freund finden, um nach Gold und Silber zu fragen. In Paraschat Bo änderte sich ihre Beziehung gänzlich. Die ägyptischen Nachbarn erkannten nun, dass diese jüdischen Nachbarn ihr Leben während der Zeit der Finsternis-Plage gerettet hatten. Jetzt betrachteten sie sich als „Freunde“.

Die Tatsache, dass die Juden den Ägyptern – die schließlich ihre Peiniger waren – das Leben gerettet hatten, spricht für das unglaubliche Mitgefühl und die Barmherzigkeit des jüdischen Volkes. Als sie diese Geste machten, entwickelte sich eine ganz andere Beziehung zu den Ägyptern. Sie konnten ihnen nun nicht mehr als „Nachbarn“, sondern als „Freunde“ begegnen.

Quellen und Persönlichkeiten:

Neziw: Akronym für Rav Naftali Zwi Jehuda Berlin (1817 – 1893); Rosch Jeschiwa der berühmten Woloschiner Jeschiwa fast 40 Jahre lang, bis sie von der russischen Regierung im Jahr 1892 geschlossen wurde. Verfasser einiger bekannter Werke wie: Ha‘amek Dawar, Ha‘amek Sche'ejla, Mejschiw Dawar, etc.

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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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