Tischri
/Paraschat Ha'asinu - Asseret Jemei Teschuva

Raw Frand zu Parschat Beschalach 5773

Reklamation über die Qualität eines Wunders – Reklamieren zeigt eine Lebenshaltung

Ich würde gerne mit Ihnen über einen Midrasch in Schemot Rabbah nachdenken, der sich zwar nicht direkt auf einen Passuk (Vers) in Parschat Beschalach bezieht, jedoch  auf einen Passuk in Tehilim (Psalmen) über ein Ereignis von Parschat Beschalach: „Unsere Väter in Ägypten sannen nicht über Deine Wunder nach, sie nahmen nicht Kenntnis von Deiner reichlichen Güte, und sie rebellierten am Meer beim Jam Suf (Schilfmeer) “ (…wajamru al Jam beJam Suf) [Tehilim 106:7].

Der Midrash hinterfragt den Ausdruck: “ wajamru al Jam beJam Suf“. Dieser Ausdruck scheint auf mehr hinzuweisen als nur auf die Tatsache, dass die Juden am Jam Suf rebellierten. Die überflüssige Erwähnung von „al Jam” scheint anzudeuten, dass es zwei Rebellionen beim Jam Suf gegeben hatte. Die erste war, dass niemand in das Schilfmeer hineingehen wollte. Erst als Nachschon ben Aminadaw, der Führer des Stamm Jehuda, seine Leute ins Wasser führte, und das Wunder der Spaltung des Meeres auslöste, folgten ihm die restlichen Stämme ins Jam Suf. Der Midrasch entnimmt die besondere Rolle des Stammes Jehuda zu dieser Zeit den Worten im späteren Psalm: “Als Israel Ägypten verliess... wurde Jehuda sein Heiliger...“ [Tehilim 114:1-2].

Diese erste Rebellion wird durch die ersten Worte “wajamru al Jam“ angedeutet. Was fügen dann die nächsten Worte „be'Jam Suf“ hinzu? Der Midrasch sagt, sie reklamierten erneut, und zwar wegen des schlammigen Bodens, durch den sie nach der Spaltung des Meers gehen mussten.

Natürlich war es schlammig! Wer einmal nach der Flut dem Strand entlang gegangen ist, weiss: „Sand ist schlammig, wenn dort vorher Wasser geflossen ist“. Die Juden reklamierten, dass ihre Schuhe schmutzig wurden. Der Midrasch schreibt: “Re’uwen sagte zu Schim’on: “In Ägypten versanken wir in Mörtel und hier versinken wir in Schlamm. In Ägypten hatten wir den Mörtel, den man für die Ziegel brauchte und hier beim Jam Suf haben wir den Schlamm, der durch die Spaltung des Wassers hervorgerufen wurde.“

Dieser Midrasch ist verblüffend. Eigentlich, ist nicht der Midrasch verblüffend, vielmehr die im Midrasch geschilderte Reaktion der Leute. Versetzen wir uns in ihre Situation: „Die Ägypter sind hinter uns; das Jam Suf vor uns. Wir können nirgends hin. Wir schreien zu Haschem: “Was wird sein?“ Und der Schöpfer der Welt antwortet: “Sprich zu den Kindern Israels und lass sie vorwärts ziehen.“

Eine der grössten Wunder seit Beginn der Menschheit geschieht und das Meer spaltet sich. „Was ist unsere Antwort darauf? Unsere Schuhe werden durch den Schlamm schmutzig!“

Wie kann ein Mensch unter solchen Umständen wegen Schlammes reklamieren? Die Antwort darauf ist: Man kann wegen allem reklamieren. Negativ eingestellte Leute sehen alles negativ, sogar Keriat Jam Suf (das Spalten des Schilfmeeres). Es kommt alles auf die Einstellung an.

Dies war das “Dor De’ah” (Generation der Erkenntnis). Wir sollten über die Menschen, die Jeziat Mizrajim (den Auszug aus Ägypten) erlebt haben, nicht schimpfen, doch scheint es, als ob dies eine Charakterschwäche jener Generation war. Sie waren nie zufrieden.

In dieser Parscha reklamieren die Juden über das Man (Manna). Dies wiederholt sich in Parschat Beha’alotcha: “Man zum Frühstück, Man zum Mittagessen, Man zum Abendessen, nichts ausser Man! Ach, wie gut waren die alten Tage in Ägypten!” In der Mitte des Abschnitts über das Man in Beha’alotcha schreibt der Passuk: “Und das Man war wie Koriandersamen und sein Aussehen wie das Aussehen von „Bedolach“ (Kristall) [Bamidbar 11:7]. Raschi schreibt, dieser Passuk sei eine „Einschiebung“. Die Pesukim (Verse) davor und danach beschreiben, was die Juden sagten. Plötzlich, in der Mitte der Diskussion, kommentiert die Torah: „Und das Man war wie Koriandersamen...“.

Raschi erklärt, der liebe G“tt will uns damit sagen: „Seht, Ihr Weltbewohner, worüber meine Kinder reklamieren. Das Man ist so köstlich und so speziell, und trotzdem beschweren sie sich darüber. Man war eine physische und spirituelle Nahrung. Es hatte immer den Geschmack, den man sich wünschte. Es war eine Nahrung, die keinen körperlichen Abfall produzierte! Man hatte absolut keine Mängel.“

Es kostete nichts; es gab keinen Aufwand die Mahlzeiten vorzubereiten, wenig Cholesterol, viele Ballaststoffe, nicht dickmachend – alles was man sich wünschen konnte! Und trotzdem reklamierten sie über das Man.

Dies sind die gleichen Leute, die über schlammige Schuhe reklamieren konnten. Es war das gleiche psychologische Phänomen. Solche Leute sind nie zufrieden. Und solche Leute existieren auch heute.

Der Kotzker Rebbe schreibt einen sehr scharfen Kommentar dazu. Ein Passuk der dieswöchigen Parscha erzählt uns: “Sie kamen nach Marah, doch sie konnten das Wasser von Marah nicht trinken, da es bitter war („ki marim hem“), deshalb nannte man den Ort Marah“. [Schemot 15:23]. Die einfache Übersetzung des Ausdrucks “ki marim hem“ ist „weil die Wasser bitter waren“. Der Kotzker Rebbe jedoch erklärt, dass das Pronomen “hem” (sie) sich auf die Bne Jisrael bezieht. Die Menschen waren (ver)bitter(t) und reklamierten über das Wasser, gleich wie sie über das Man reklamiert hatten und gleich wie sie bei der Spaltung des Schilfmeers reklamiert hatten. Nichts war gut in ihren Augen.

Es ist tragisch, eine solche Person zu sein. Unglücklicherweise kennen wir alle Leute, die so sind, und leider benehmen wir uns alle in einem gewissen Ausmass so.

Eine chassidische Geschichte erzählt von einem Chassid, der  manches Unglück erleiden musste. Er sprach bei seinem Rebben, dem Meszritscher Maggid (Nachfolger des Ba’al Schem Tov), vor und fragte ihn, wie er mit seinem Los im Leben zurechtkommen solle. Der Rebbe riet ihm: “Ich kann dir nichts antworten bezüglich deinen Leiden, jedoch mein Schüler Reb Suscha kann es. Geh zu Reb Suscha.”

Als der Chassid in der Heimatstadt von Reb Susche, Hanipoli,  ankam, war er schockiert, eine niedrige, verfallene Hütte vorzufinden mit Löchern im Dach, einem schmutzigen Boden, keiner Heizung, keinen Möbeln und einer kränkliche Familie. Reb Suscha kam zur Tür. Seine ganze Haut war mit eitrigen Beulen übersäht. Er war in Lumpen gekleidet. Der Anblick von Reb Suscha und seiner armseligen Hütte liess das Herz des Chassid noch tiefer sinken, als es schon von seinen eigenen Leiden und Mühen war.

Reb Suscha fragte freundlich und gelassen, was er für den Besucher tun könne. Der Chassid erklärte, er sei durch den Rebben an ihn verwiesen worden, um zu fragen, wie er mit seinen Leiden auskomme und eine “Gam su leTowa - auch dies ist zum Guten“ Einstellung entwickeln könne.

Reb Suscha antwortete: “Ich soll Leiden erklären, ich glaube hier liegt ein Irrtum vor?“ Er zuckte seine Schultern verwundert und sagte: “Wie soll ich das wissen? Ich habe noch nie in meinem Leben gelitten. Man kann keine solche Einstellung von einem Menschen lernen, der alles hat. Ich habe alles, G“tt sei Dank!”

Es gibt zwei Sorten Menschen auf der Welt: Die einen sehen ein halbvolles Glas, dass das Glas halb leer sei und die anderen sehen, dass es halbvoll ist. Beim Anblick eines dornigen Rosenbusches    bewundern die einen die wunderschönen Rosen und die anderen reklamieren, dass die Rosen Dornen haben.

Wir alle haben zu entscheiden, was unsere Einstellung zum Leben sein soll. Wir sollten uns stets vor Augen halten: Wenn alles schlecht ist in unseren Leben, kann es sehr wohl sein, dass der Grund dafür ist, „ki marim hem” – weil wir selbst bitter sind.



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