Tischri
/Paraschat Ha'asinu - Asseret Jemei Teschuva

Gedanken zu Paraschat Beschalach 5774

Die zwei Brotleibe

Ein Vers [16:22] im aktuellen Wochenabschnitt besagt folgendes: „Und es geschah am sechsten Tage, da hatten sie doppeltes Brot gesammelt“, d.h. eine doppelte Portion von Man (Manna). Dies ist der Ursprung des Brauches, den Segen „Hamozi“ am Schabbat über zwei Brotleibe zu sprechen [Tur Orach Chajim 274].

geschah am sechsten Tage, da hatten sie doppeltes Brot gesammelt“, d.h. eine doppelte Portion von Man (Manna). Dies ist der Ursprung des Brauches, den Segen „Hamozi“ am Schabbat über zwei Brotleibe zu sprechen [Tur Orach Chajim 274].

Im Talmud [Schabbat 117b] heisst es: „Raw Aschi sagte: ‚Ich sah Raw Kahana, wie er zwei Brotleibe in der Hand hielt, doch nur einen aufschnitt.“ - Warum tat er das? Rabbi Schne’ur Salman von Liady, der erste Lubawitscher Rebbe und Autor des Buches „Tanja“ (1745-1813), erklärt, dass sein Vorgehen auf dem oben zitierten Vers basierte - der nicht etwa besagt, dass die Kinder Israels eine doppelte Portion während einer Mahlzeit verzehrten, sondern dass sie nur eine doppelte Portion aufhoben bzw. einsammelten [Schulchan Aruch Ha’Raw 274:2].

Rabbi Mendel von Rimanow schreibt, dass die beiden Brotleibe zwei Aspekten des Schabbat entsprechen, der sowohl an die Schöpfung der Welt erinnert (gemäss den ersten Tafeln), als auch an den Exodus - den Auszug aus Ägypten (gemäss den zweiten Tafeln). Sie stellen auch eine Parallele zu den zwei Arten des Genusses dar, den man dem Essen abgewinnen kann: greifbar (durch Berührung) und ungreifbar (durch Geruch, Anblick und Geschmack). Diese beiden „Paare“ (Schöpfung und Exodus sowie greifbar und ungreifbar) stehen zudem in einer Beziehung zueinander: Unsere Verbindung mit dem Exodus ist nicht „greifbar“, da wir ihn nicht selbst gesehen haben - wir wissen von ihm nur aufgrund unserer Überlieferung. Im Gegensatz dazu, ist die Schöpfung (durch den Schöpfer) „greifbar“, da jeder Mensch mit Verstand sofort erkennen kann, dass die Schöpfung zu schön, komplex und vollkommen ist, als dass sie ohne einen Schöpfer (d.h. von alleine) hätte entstehen können [Menachem Zion].

Manche Kommentatoren sagen auch, dass „Lechem Mischne“ (der Brauch des doppelten Brotleibes) auf die wie „Zwillinge“ miteinander verbundenen Mizwot von „Sachor“ (Gedenke dem Schabbat) und „Schamor“ (Hüte den Schabbat) zurückzuführen ist [Smirot Schirin We’Rachschin, Seite 142, Zitat nach Tola’at Ja'akow].

In welchem Verdienst sich das Meer spaltete

„Und Mosche nahm die Gebeine Josefs mit sich, denn dieser hatte die Kinder Israels beschworen: 'Wenn G-tt euer gedenken wird, so sollt ihr meine Gebeine von hier mit euch hinauf nehmen'.“ [13:19]

Rabbi Chajim Vital, s.A. (Zfat [dt. Safed] und Damaskus, 1543-1620) fragt: „Welche Botschaft beinhalten die hinzugefügten (und scheinbar überflüssigen) Worte „mit euch“? Raschi beantwortet diese Frage wie folgt: Josef beschwor seine Brüder, dass sie auch ihre Kinder beschwören sollen, ihre Gebeine mit hinaufzunehmen, da es heisst, mit euch (mit euren Gebeinen). Rabbi Vital bringt eine sehr interessante Antwort: Es heisst in Tehillim (dt. Psalmen) [114:3], wie es auch im Hallel-Gebet rezitiert wird: „Das Meer sah und floh“. Der Midrasch fragt: „Was hatte das Meer ‚gesehen‘, dass es dazu bewogen hatte, zu fliehen, d.h. sich zu spalten? - Es sah den Sarg von Josef.“ Somit sind die Worte „mit euch“ von essenzieller, kritischer Bedeutung. Josef hatte demnach seinen Brüdern gesagt: „Nur wenn ich 'mit euch' bin, werdet ihr darin Erfolg haben, Ägypten zu verlassen.“ [Ez Hada’at Tow: Parschat Wajechi]

Was bedeutet es, dass sich das Meer spaltete, weil es den Sarg von Josef sah? Rabbi Naftali von Ropschitz, s.A. (1760- 1827) erklärt: Die charakterliche Grösse von Josef bestand darin, dass er es ablehnte, sich zu unmoralischem Verhalten hinreissen zu lassen. Als das Meer „sah“, wie die Bevölkerungszahl der Kinder Israels in Ägypten geradezu „explodierte“, „verstand“ es, dass sie - wie Josef - die Reinheit ihrer Familien (hebr. Taharat Ha’Mischpacha) bewahrt hatten. Aufgrund dieses Verdienstes, spaltete sich das Meer [siehe Pessach-Haggada „Esrat Awotejnu“].

Warum wir den Tempel nicht gleich nach dem Exodus bekamen

„Du bringst sie hin und du pflanzest sie ein in das Gebirge deines Erbes, die Stätte, die du zu deinem Sitze gemacht, Ewiger, das Heiligtum, Herr, das Deine Hände gegründet. Der Ewige wird König sein immer und ewig! Als die Pferde Pharaos samt seinen Wagen und Reitern ins Meer kamen, da führte der Ewige über sie das Gewässer des Meeres zurück …" [15:17-19]

Raschi, in seinem Talmud-Kommentar zu Traktat Sukka 41a, leitet aus diesem Vers ab („das Heiligtum…das Deine Hände gegründet“), dass der zukünftige, dritte Tempel in bereits aufgebautem Zustand vom Himmel herabkommen werde!

Rabbi Mosche Alschich, s.A. (Zfat [dt. Safed], 1508-1593) erklärt den Zusammenhang zwischen den oben zitierten Versen („Du bringst sie hin… Als die Pferde Pharaos…“) wie folgt: Im ersten Vers baten die Kinder Israels darum, dass der Tempel sofort vom Himmel herunterkommen möge. Doch eine Voraussetzung dafür war, dass G-tt in der ganzen Welt bekannt sein müsste. Diese Voraussetzung war nach der Argumentation der Kinder Israels erfüllt: „Als die Pferde Pharaos samt seinen Wagen und Reitern ins Meer kamen, da führte der Ewige über sie das Gewässer des Meeres zurück…“. Der Ausdruck „über sie“ bezieht sich auf die Pferde, Wagen und Reiter. Alle starben im Roten Meer, bis auf Pharao. Er selbst überlebte, um die Grösse G-ttes in der Welt zu verkünden! [siehe „Thorat Mosche“].

Darauf aufbauend, schreibt Raw Schlomo Kluger, s.A. (Rabbiner von Brody, Galizien, 1784-1869), dass wir den Midrasch Ejcha Rabba nun verstehen können, in dem es heisst: „Wenn ihr es verdient hättet, dann würdet ihr [den Vers] lesen: ‚Tewi‘emo - Du wirst sie bringen und einpflanzen…‘ - Jetzt, wo ihr es aber nicht verdient habt, lest ihr [Ejcha 1:22]: ‚Tawo… - Lasse all ihre Schlechtigkeit (das die Völker mir angetan) vor dich kommen’.“ In welcher Beziehung stehen diese beiden Verse zueinander? - Raw Kluger erklärt es wie folgt: Wie erwähnt, wäre der Zeitpunkt gleich nach dem Auszug aus Ägypten günstig gewesen, damit der endgültige Tempel schon fertig vom Himmel herabkomme. Warum geschah es aber nicht? - Weil gleich danach die Kinder Israels das Goldene Kalb machten!

Aufgrund dessen, basierend auf der Erklärung des „Alschich“, müssen wir auf eine neue Gelegenheit warten, wo G-tt in der ganzen Welt bekannt sein wird. Und wie wird es dazu kommen? - Durch die Erfüllung des Verses in Megillat Ejcha, der im Midrasch zitiert wird: „Lasse all ihr Schlechtigkeit vor dich kommen.“ - Dies ist ein Appell, dass der Ewige all das Leid, das dem jüdischen Volk über die Jahrtausende angetan wurde, als einen persönlichen Affront (Beleidigung, Kränkung, Schmähung) auffassen möge, sodass - wenn Er sich an unseren Unterdrückern rächt - es nicht zu unseren Ehren geschehen werde, sondern zum Zweck der Bekanntmachung Seines Namens in der Welt. Dann wiederum werden wir dazu bereit sein, die Erfüllung des Verses zu bezeugen: „Du wirst sie in das Heiligtum bringen, mein Herr, welches Deine Hände gegründet." [Dimat Ha’Aschukim, Seite 2]

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