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Richtiger Umgang mit materiellen Gütern und irdischen Genüssen - Paraschat Beschalach – Schabbat Schira 5780

Aus: Die Jüdische Zeitung, Nr. 6, 14. Schwat 5777 / 10. Februar 2017

Ergänzungen: S. Weinmann

 

Richtiger Umgang mit materiellen Gütern und irdischen Genüssen

Das erste Erlebnis des jüdischen Volkes, nachdem es nach den Wundern von „Keriat Jam Suf“ (Spalten des Schilfmeeres) endlich den Mizrim (Ägyptern) entkommen war, bestand in der Prüfung in „Marah“, wo sie nur bitteres Wasser vorfanden. Zuerst wanderten sie drei Tage in der Wüste umher, ohne Wasser zu finden, und als sie endlich Wasser fanden, war es ungeniessbar und bitter [Schemot 15, 22-23].

Man muss sich vorstellen, in was für einer absurden Situation sich die Bene Jisrael befanden: Eben erst hatten sie am Ufer des ‚Jam Suf‘ haufenweise Gold, Silber und Edelsteine eingesammelt, so dass sie Mosche Rabejnu von dort mit Gewalt wegtreiben musste, und jetzt standen sie da, unermesslich reich und doch hoffnungslos machtlos. Sie waren trotz ihres gesamten Vermögens nicht in der Lage, sich auch nur einen Tropfen normales Wasser – das Lebenselixier jeder Existenz auf der Erde - zu beschaffen!

Warum musste Mosche sie überhaupt förmlich vom Meer „wegschleppen“? Die „Bisat haJam“, die Beute des Meeres, gehörte doch zum g‘ttlichen Plan. Und warum prüfte sie Haschem gleich nach dem Auszug aus Mizrajim (Ägypten) mit dem Trinkwasser?

Der ganze Sinn des Auszugs aus Mizrajim war „Matan Tora“, daher wurde das jüdische Volk gleich nach dem Auszug mit einigen Grundregeln darauf vorbereitet. Wer sich mit allen seinen Sinnen an den Besitz und das Zusammenraffen irdischer Güter und Genüsse klammert, kann unmöglich das Joch der Tora auf sich nehmen!

Sicher wollte HKB“H, dass die Bene Jisrael auch das Vermögen der Ägypter erhielten. Im Midrasch wird berichtet, dass das Meer nach ‚Keriat Jam Suf‘ nicht nur das Gold und Silber der ertrunkenen Ägypter und die Edelsteine und Perlen, mit denen sie ihre Pferde geschmückt hatten, ans Ufer spülte, sondern auch jedes mit Schätzen beladene gesunkene Schiff vom Meeresboden hob und an Land spülte  [Midrasch Agada Schemot 15, 22]. Es gab jedoch einen beträchtlichen Unterschied zwischen der „Bisat Mizrajim“ (Beute von Mizrajim) und der „Bisat haJam“ (Beute des Meeres). In Mizrajim musste Hkb“H das Volk ausdrücklich darum bitten, sich goldene und silberne Geräte von den Ägyptern auszuborgen [Schemot 11, 2]. Das bisher an Armut gewohnte Volk musste dazu aufgefordert werden, sich irdische Güter anzueignen.

Dennoch wurden diese Besitztümer offiziell nur „geliehen“, weil es dem Jehudi klar sein muss, dass es auf dieser Welt keinen richtigen Besitz von irdischen Gütern gibt – alles ist nur vorübergehend! Die irdischen Güter dienen nur dazu, ihm bei der Erfüllung der Tora und Mizwot behilflich zu sein. Jeder benötigt also nebst der Tora etwas „Rechusch Mizrajim“, ein wenig irdischen Besitz. Dieser soll aber nur zurückhaltend, mit der gebotenen Vorsicht und mit Mass und nur aufgrund der ausdrücklichen Bitte von Hkb“H genommen werden, nicht aus eigenem Antrieb, oder aus Interesse und Gier gesammelt werden.

Bei der ebenfalls erlaubten „Bisat haJam“ hielt sich das Volk nicht mehr an diese Richtlinien. Hier trat bereits Gier an den Tag, so dass es sich weigerte wegzuziehen, solange noch mehr zu holen war. Folglich musste Mosche sie mit Gewalt von dort wegtreiben und sie wieder an die zuvor erlernte Regel erinnern, dass ein solches Verhalten im Gegensatz zu „Kabbalat haTora“ steht!

„Aus diesem Grund“, erklärt der ‚Kli Jakar‘ [hier zur Stelle], „fanden sie danach kein Wasser, als sie drei Tage in der Wüste wanderten. Das war „Mida keneged Mida“, die ‚entsprechende Vergeltung‘ von Haschem für ihr fehlbares Verhalten. Weil sie sich zu stark an den materiellen Besitz, an das Irdische geklammert hatten, statt umgehend zum Berg Sinai zu ziehen, um die Tora – das für die ‚Neschama‘ notwendige geistige „Wasser“ (ejn Majim ela Tora) - in Empfang zu nehmen, wurde ihnen das für den physischen Körper notwendige Wasser vorenthalten“.

Und als sie dann endlich Wasser fanden, war es bitter - was wieder eine Lehre war: „Ihr dachtet, dass das Irdische süss und angenehm ist? Das ist ein Irrtum!“ Die Reize der weltlichen Gelüste sind nur eine Ablenkung von den wahren und sinnvollen Werten. Nur die Tora ist wirklich süss („Metukah miDwasch“ – Tehilim 19:11) und angenehm („Derache’ha darkej No’am“ – Mischlej/Sprüche 3:17).

Deshalb verwandelte Hkb“H nicht einfach das bittere Wasser in Süsswasser, sondern erteilte dem Volk eine weitere Lehre: Wie können und müssen diese irdischen Gelüste und materiellen Genüsse bekämpft werden? In dem man dem Bitteren ebenfalls mit Bitteren entgegentritt. Das bittere Wasser wurde mit einem bitteren Holz – vom Olivenbaum oder von einer Bachweide (Arawah) – in Süsswasser verwandelt [Ramban Schemot 15:25]. So muss auch der Mensch das Bittere dieser Welt – die täglichen Prüfungen und Versuchungen – bekämpfen, in dem er sich ihnen entgegenstellt und sich nicht von ihnen überrumpeln lässt. Erst dann verwandelt sich für ihn das bittere in süsses Wasser, erst dann kommt man dem Geist der Tora näher.

„Wajiz‘ak el Haschem - Mosche schrie/dawente zu Haschem“ [ibid]. Um das zu ermöglichen, muss zuerst zu Haschem gedawent werden, denn ohne g’ttliche Hilfe ist es dem Menschen unmöglich, das Bittere - den ‚Jezer haRa‘ – zu bezwingen.

„Wajorehu Haschem Ejz - da zeigte (wörtlich: lehrte ihn) ihm Haschem ein Holz“ – dann wird ihm G’tt den Weg zeigen, den er gehen muss, der jedoch ebenfalls wie bitteres Holz - schwer und mühsam - ist.

„Wajaschlech el haMajim wajimteku haMajim - er warf es ins Wasser und es wurde süss“ – wenn er diesen Weg beschreitet und so das „bittere“ Wasser zu überwinden versucht, dann wird plötzlich alles Bittere für ihn süss werden. Er wird Sinn in seinem Leben auf dieser Welt finden, und wissen, wie man die materiellen Güter sinnvoll und angemessen zur ‚Awodat Haschem‘ (G-ttesdienst) verwenden kann.

„Scham sam lo Chok uMischpat - dort gab Er ihm (Haschem dem Volk) Gesetz und Recht“ – dort, wo die irdische Materie richtig benützt wird, kann man sich mit der Tora vereinen, und gerade dort kann sie gedeihen, denn „Im ejn Kemach ejn Tora – ohne Nahrung keine Tora“ und „Im ejn Tora ejn Kemach – ohne Tora keine Nahrung“ [Pirkej Awot 3:21].


Quellen und Persönlichkeiten:

  • Ramban: Rabbi Mosche ben Nachman (1194 - 1270); Gerona, Spanien; Erez Israel; einer der Haupterklärer des Chumasch (fünf Bücher Moses).
  • Kli Jakar: Torakommentar von Rabbi Schlomo Efrajim von Lunschitz (1550 – 1619): Rosch Jeschiwa in Lemberg (Polen); geistiger Führer der Prager Juden

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Die Bearbeitung dieses Wochenblatts erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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