Ijar
/Paraschat BeHar

Rav Frand zu Paraschat Ki Tissa 5779

Wem kannst Du die Sorge überlassen? - „Dem Herrn, dem Ewigen, dem G-tt Jisrael’s“

Der Passuk (Vers) am Ende der Parascha sagt, „Dreimal im Jahre sollen gesehen werden alle deine Männer vor dem Herrn, dem Ewigen, dem G-tt Jisrael’s.“ [Schemot 34:23]. Das ist der Quellennachweis für die Mizwa von „Alija leRegel“ – die Pflicht an Pessach, Schawuot und Sukkot zum Bejt Hamikdasch (Tempel) in Jeruschalajim (Jerusalem) - emporzusteigen. Der nächste Passuk fährt fort, „...niemand wird nach deinem Land gelüsten, wenn du hinaufziehst, um vor Haschem, Deinem G`tt dreimal im Jahr zu erscheinen,“ [34:24].

Die einfachste Erklärung dieser Pessukim (Verse) ist, dass der wichtigste Aspekt dieser Anordnung die Mizwa von „Alija leRegel“ zu sein scheint. Zusätzlich informiert uns die Torah, dass man während seiner Abwesenheit keine Angst um den alleingelassenen Boden zu haben braucht.

Jedoch liegt darin noch ein tieferer Gedanke. Der Talmud sagt, dass jemand, der keinen Boden in Erez Jisrael (dem Land Israel) besitzt, vom Gebot der festlichen Pilgerreisen befreit ist [Pessachim 8b]. Wir können die Zusicherung „niemand wird nach deinem Land gelüsten“ bei so einer Person nicht anwenden.

Das tönt ausserordentlich unfair. Warum sollte jemand vom „vor Haschem (G`tt) gesehen zu werden“ (Mizwat Re`ijah) ausgenommen sein, nur weil er kein Land besitzt? Benachteiligt die Torah etwa die Armen? Worin besteht der Zusammenhang zwischen dem dreimaligen Hinaufziehen und Landbesitz?

Ausserdem bedient sich der Passuk eines ungewöhnlichen Ausdruckes: „Dreimal im Jahre sollen gesehen werden alle deine Männer vor „haAdon“ (dem Herrn), Haschem...“ Der Ausdruck „Adon, Haschem“ ist ungewöhnlich. Nur an einer einzigen weiteren Stelle im Chumasch, in Paraschat Mischpatim [23:17] kommt er nochmals vor, aber wieder im Zusammenhang mit derselben Mizwa des Hinaufgehens nach Jeruschalajim an den Festtagen.

Der Seforno sagt in Paraschat Mischpatim, dass der Gebrauch des Wortes „Adon“ die Tatsache widerspiegelt, dass Haschem der Besitzer des Landes ist, so wie es geschrieben steht: „…denn Mein ist das Land; denn Fremdlinge und Beisassen seid ihr bei mir“ (Wajikra 25:23). Mit anderen Worten, in der Schlussrechnung, ist der Ribbono schel Olam (Herr der Welt) der Besitzer von allem.

Über diesen Seforno gewinnen wir einen neuen Einblick in die Mizwa von Alijah leRegel, dem Hinaufgehen nach Jerusalem an den Festtagen. Die Mizwa besteht nicht nur im Hinaufgehen nach Jeruschalajim, um den Jom Tov in der Gegenwart und dem Einfluss des Bejt HaMikdasch, des Tempels, zu verbringen. Der Grund für die Mizwa ist, zu betonen, dass ich mein Haus, meinen Boden und meinen Besitz unbeaufsichtigt zurücklassen kann und mich nicht darum zu sorgen brauche. Wie kann ich das erfüllen? Weil dies alles schlussendlich nicht mir gehört. Soll ich mich wegen dem Land sorgen? Es ist nicht meine Aufgabe, mich darum zu sorgen – es ist Haschem`s Land. Er wird sich darum sorgen. Er wird es bewachen.

Wenn jemand den Mietwagen zurückgibt, muss er nur zum Rückgabeort fahren, dort die Schlüssel deponieren und das war‘s. Braucht er sich darum zu sorgen, was mit dem Mietwagen geschieht? Avis sorgt sich darum! Der Wagen gehört ihm nicht. Er gehört der Firma.

Deshalb: Wenn das jüdische Volk Pilgerfahrten nach Jeruschalajim unternimmt und sich keine Sorge um den Landbesitz macht, zeigt dies die Herrschaft von Haschem über das Land.  Er wird sich um Sein Land kümmern.

Daraus folgt, dass jemand, der kein Land hat, an dieser Mizwa nicht teilhaben kann. Er kann nämlich mit der Reise nach Jeruschalajim sein Vertrauen auf Haschem`s Grundbesitz nicht unter Beweis stellen.

Die Torah hebt dasselbe Prinzip bei der Mizwa von Schabbat, Schmitta (7. Jahr) und der Mizwa von Jowel (50. Jahr) hervor. Dahinter verbirgt sich die gleiche Lektion:  Wir sind nicht der „Baalebos“ (Hausherr). Ein wunderschönes Haus eines Menschen, zuoberst auf dem Berg, gehört ihm nicht wirklich, denn: `...Mein ist das Land`.

Niemand wird unser Land begehren, wenn er realisiert, dass es speziell ist

Weshalb müssen wir uns nicht sorgen, dass unser Land und unser Besitz während unserer Abwesenheit weggenommen werden? Die einfache Sicht ist, dass Haschem ein Wunder vollbringt. Der Grund dafür, dass niemand ein Auge auf das Land werfen wird, liegt darin, dass Haschem uns während dieser Zeit auf übernatürliche Weise vor solchem Neid beschützt.

Der Mikdasch Mordechaj schlägt jedoch vor, dass dieser Sachverhalt möglicherweise doch kein Wunder ist. Wie können wir eine solche Garantie sonst noch erklären? Wie kann Haschem eine derartige Zusicherung ohne ein Wunder geben? Der Mikdasch Mordechaj erklärt, wie diese Zusicherung, ohne ein Wunder zu vollbringen, abgegeben werden kann. Er stützt sich dabei auf eine Erklärung des Ibn Esra.

Der Ibn Esra lehrt uns ein Prinzip im Chumasch zum Passuk in den Asseret HaDibrot (Zehn Geboten) „Begehre nicht das Haus, die Frau… deines Nächsten“ [Schemot 20:14]. Jeder wundert sich: „Wie kann die Torah Gefühlen befehlen?“ Wie kann die Torah von mir verlangen, nicht eifersüchtig zu sein, wenn ich in Wahrheit eifersüchtig bin, nicht die Dinge des anderen zu gelüsten, wenn’s mich doch gelüstet?

Der Ibn Esra erklärt die Tatsache, dass eine Person das Haus oder Auto oder die Frau des Nachbarn begehrt oder auf ihn eifersüchtig ist, weil diese Person glaubt, dass dies alles eigentlich ihr zustehe. Der Ibn Esra stellt jedoch fest, dass der Bauer nicht die Königstochter begehrt. Er erwartet nicht, in die Königsfamilie hinein zu heiraten und denkt deshalb nicht einmal im Traum daran, die Königstochter heimzuführen. Die englischen Kronjuwelen begehren wir nicht. Sie sind ausserhalb unserer Reichweite.

Dies, so sagt Ibn Esra, erwartet die Torah von uns betreffend des Gebotes von „Es soll dich nicht gelüsten“. Wenn wir das Auto oder das Haus eines anderen sehen, sollten wir uns vor Augen halten:  „Ich habe nichts damit zu tun“. Genauso wie ich nicht neidisch bin um die Kronjuwelen, so gelüstet es mich nicht nach dem Haus meines Nachbars. Es gehört ihm. Er braucht es. Haschem gab es ihm. Ich habe keine Beziehung dazu.

Der Mikdasch Mordechaj erklärt, dass dies der Grund dafür ist, warum der Passuk sagt `Niemand wird dein Land begehren`. Wenn wir am Festtag hinaufgehen und die Mizwa mit allem was dazu gehört erfüllen, dann werden wir eine wunderbare Stufe erreichen und verstehen, dass das ganze Land und alles was darin ist dem Ewigen gehört. Wir sind nicht die Eigentümer. Wir verstehen jedoch, dass Haschem entschieden hat, Seinen Besitz nach seinem Gutdünken zu verteilen.

Wenn wir diese wunderbare Stufe erreichen, dann wird unser Land auch eine so hohe geistige Stufe erreichen, dass die anderen Völker unser Land nicht begehren, weil sie uns und unser Land ansehen und erkennen werden, dass wir und unser Land auserwählt sind. Sie werden erkennen, dass unser Land tatsächlich besonders ist – dass unser Land nicht dem ihrigen gleicht und dass sie niemals einen Anspruch darauf haben können; genauso, wie wir auch keinen Anspruch auf die Kronjuwelen haben. Wenn wir den Festtag im Umkreis des Bejt HaMikdasch verbringen und damit eine hohe geistige Stufe erreichen, hieven wir uns in eine ganz andere Klasse. Dann wird „niemand mehr nach unserem Land trachten“.

 

Quellen und Persönlichkeiten:

Rav Ovadia Seforno (1470 – 1550); Rom und Bologna, Italien; klassischer Chumascherklärer.

Rav Avraham Ibn Esra (1089 –1164); Spanien; klassischer Kommentator auf die ganze Torah.

Mikdasch Mordechai: Rabbi Mordechai Ilan; zeitgenössischer Tora-Kommentator; Israel.

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Die Bearbeitung dieses Wochenblatts erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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