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Das grösste Übel bei einer Sünde: Die Freude daran - Perspektiven zu Paraschat Ki Tissa – Parschat Para 5780

Aus: Die Jüdische Zeitung, Nr. 11, 19. Ador 5777 / 17. März 2017

Bearbeitet und ergänzt: S. Weinmann

 

Das grösste Übel bei einer Sünde: Die Freude daran

Die Sünde des Ejgel Hasahaw (goldenes Kalb) mit dem Zerbrechen der Luchot (der zwei Tafeln), das anschliessend folgte, prägt Paraschat Ki Tissa. Diese zwei Dinge werden verständlicherweise miteinander in Verbindung gebracht.

Wie jedoch aus dem Midrasch Raba [41,5] ersichtlich ist, ist dies nicht unbedingt der Fall. Im Midrasch wird eine Meinungsverschiedenheit zwischen Rabbi Levi und den Rabanan (Weisen) darüber gebracht, ob Mosche Rabbejnu die Luchot vor oder nach der Sünde des Ejgels erhalten hatte. Bekanntlich war Mosche Rabbejnu 40 Tage auf dem Berge Sinai. Die Rabanan erklären, dass Haschem die Luchot nicht gegeben hätte, wenn die Benej Jisrael die Sünde schon gemacht hätten; das bedeutet, dass Mosche die Luchot bereits am 39. Tag – am Tag der Sünde, bevor sie gesündigt hatten - erhalten hatte. Rabbi Levi ist jedoch der Meinung, dass HKB“H die Luchot Mosche erst nach der Sünde des goldenen Kalbs – am 40. Tag – überreicht hat.

Falls HKB“H, wie Rabbi Levi den Passuk (Vers) (Schemot 31, 18) erklärt, die Luchot erst nach der Sünde des Ejgel aushändigt hatte, bestand auch für Mosche Rabbejnu keinerlei Grund, die Luchot zu zerbrechen. Denn G“tt zeigte ihm ganz klar, dass diese Sünde kein Hindernis für die Übergabe der Luchot ist. Es ist demnach schwer zu verstehen, warum Mosche Rabenu sich genötigt sah, die Luchot zu zerbrechen.

Für uns besteht keinerlei Zweifel, dass Mosche Rabejnu die Luchot nicht einfach aus Wut zerbrochen hatte. Das kann man von Mosche Rabejnu nicht annehmen. Bekanntlich wurde er dafür auch nicht bestraft, sondern ganz im Gegenteil, HKB“H bedankte sich noch bei ihm (letzte Raschi der Tora).

Was war also der Grund für das Zerbrechen der Luchot?

Der Seforno erklärt den Sachverhalt wie folgt:

Mosche Rabbejnu beschloss mit den Luchot zum jüdischen Volk zurückzukehren. Seine Überlegung war nämlich, sobald das jüdische Volk die Luchot sieht, wird es Teschuwa (Rückkehr) machen, wenn es aber keine Reue bekundet, würde er die Luchot vor seinen Augen zerbrechen, damit es seine schreckliche Tat bereut, Als er sich aber dem Lager näherte und die Freudentänze  um den Ejgel erblickte, zerbrach er die Luchot aus Verzweiflung. Es wurde ihm klar, dass er in einem solchen Zustand keine Chance hatte, dass Volk zur Rückkehr zu bewegen. Es war die Freude an der Sünde, die Mosche zu seinem Beschluss führte, dass der Klall Jisrael diese Luchot – die ein erhabenes Niveau an Heiligkeit und Einfluss besassen - unmöglich erhalten kann.

Nach Rabbi Levi gab HKB“H Mosche die Luchot erst nach der Sünde des Ejgels. Aharon Hakohen hatte am Vortag ausgerufen: „Ein Fest für G“tt morgen!“. Seine Absicht war natürlich, dass dann Mosche mit den Luchot zurück sein wird und dies der Grund des Festes sein würde. Jedoch standen die Jehudim früh auf und opferten dem Ejgel und tanzten um ihn herum. Als Mosche dies sah, war für ihn die Sache klar. 

Dasselbe finden wir auch bei Ejsaw. in Paraschat Toldot erzählt uns die  Torah von Ejsaw, der Ja’akow sein Erstgeburtsrecht verkaufte. Nach dem Handel benützt die Torah den Ausdruck “Wa‘jiwes Ejsaw et haBechorah“ (und Ejsaw verachtete sein Erstgeburtsrecht) [Bereschit 25:34]. 

Ejsaw war ausgehungert – hungrig wie ein Bär. Er überlegte nicht, was er tat – nur sein Magen trieb ihn. „Red‘ nicht über mein Erstgeburtsrecht – gib mir nur etwas zu essen.“ Man kann einen hungrigen Menschen eigentlich nicht richten und er hätte für seinen kurz entschlossenen und unüberlegten Verkauf vielleicht etwas einwenden können.

Die Torah urteilt Ejsaw jedoch anders. 

Wie Chasal uns erzählen, holte er einige Freunde und sie alle lachten und freuten sich – nach dem Essen der Mahlzeit – über den ‚guten Verkauf‘, mit der Begründung: „Die Erstgeburt ist ja nutzlos. Dieses Recht ist sowieso wertlos! Die Freude über die Missetat war es also, die sein Fehlverhalten in eine Sünde verwandelte.

In der Purim-Geschichte finden wir eine ähnliche Erkenntnis. Die Talmidim (Schüler) fragten Rabbi Schim’on ben Jochai : Warum drohte den Jehudim in der damaligen Generation die Vernichtung? Er antwortete: Sie sollen selbst einen Grund nennen. Ihre Antwort war: «Mipnej schenehenu Mise’udato schel oto Rascha» - Weil sie es genossen hatten, an der Se’uda (Mahlzeit) von Achaschwerosch teilzunehmen. (Traktat Megila 12a)

Die Frage liegt auf der Hand und wird von Meforschim (Kommentatoren) gestellt: War denn die Teilnahme an der Mahlzeit von Achaschwerosch eine so schlimme Awejra (Sünde), dass sie so eine Gesera (Katastrophe), wie diejenige von Haman heraufbeschwören konnte? Es war ja schliesslich (nach gewissen Meinungen) alles koscher ausser dem Problem von «Bischul Akum (von Nichtjuden gekochtes Essen)» und dem nichtjüdischen Wein «Stam Jenom», die Verbote unserer Chachachim (Weisen) sind? Aber selbst wenn sie von der Thora verbotene Speisen genossen hätten, wären sie nicht todesschuldig?

Die Antwort auf diese Frage liegt in den Worten: «Mipnej schenehenu» - weil sie es genossen, an der Se’uda von Achaschwerosch teilzunehmen. Es steht nämlich nicht: Weil sie dorthin gingen oder dort gegessen hatten. Es war für sie eine Ehre und eine Freude, am Festmahl des Königs teilnehmen zu dürfen. Sie zeigten damit, wohin sie gehören und woran sie Freude haben, nämlich an nichtjüdischen Festlichkeiten.

Rabbi Schalom Schapira sz’l bringt eine weitere Erklärung von Mefarschim (Kommentatoren), dass Achaschwerosch diese Mahlzeit wegen seiner grossen Freude über das Unterbrechen des Aufbaus des zweiten  Bejt Hamikdasch, veranstaltete. Wenn die Jehudim nun gingen – es waren laut Rabbi Jischmael 18‘500 Jehudim – und diese Se’dua (Mahlzeit) genossen, war dies ein grosser Chillul Haschem, eine Entweihung des g-ttlichen Namens. Es war also nicht nur die Mahlzeit als solche, sondern die Freude dabei, dass der Bau des Bejt Hamikdasch eigestellt wurde. Weil sie die Mahlzeit genossen und ihre Freude daran hatten, bewiesen sie damit, dass sie einen Anteil an der Freude von Achaschwerosch hatten.

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Die Bearbeitung dieses Beitrages erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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