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/Paraschat BeHar

Raw Frand zu Parschat Wajikra 5771

Das Verhältnis zwischen Gärungsstoffen und dem Jezer Hara

Parschat Wajikra beinhaltet die Halachot verschiedener Opfer, inklusive dem Korban Mincha. Das Mincha-Opfer wird aus Mehl und Öl gemacht und darf vor dem Backen nicht gesäuert werden [Wajikra 2:11]. Weder Säuerungsmittel (Se’or) noch Süssstoffe (Dewasch) dürfen dafür benutzt werden.

Rabbenu Bachje bringt zwei Gründe für dieses Verbot. Zuerst zitiert er den Rambam, in seinem Buch Moreh Newuchim (Handbuch für den Perplexten). Gemäss dem Moreh Newuchim, war es der Brauch von Götzendienern, ihren Mehlopfern Gärungsstoffe und Süssstoffe beizumischen. Um jüdisches Ritual von den verbotenen Riten der Götzendiener zu unterscheiden, verbietet die Torah ein Mehlopfer in der gleichen Weise vorzubereiten wie es die Götzendiener tun. Diese Erklärung würde das Verbot, einem Mehlopfer Se’or oder Dewasch hinzuzufügen, dem Verbot gleichstellen, eine Mazewa (Altar) aus einem Stein zu bauen, um darauf Opfer darzubringen, denn diese Struktur wurde von Götzendienern benutzt, und es deshalb "von Haschem, unserem G’tt gehasst wird" [Dewarim 16:22].

Rabbenu Bachje gibt seine eigene Erklärung, weshalb Chamez (Gesäuertes) in Opfern verboten ist. Ein Opfer, so Rabbenu Bachje, sollte Sühne erlangen. Hätten Menschen keinen Jezer Hara (schlechter Trieb), so würde er nie sündigen und es bestände kein Bedarf an Opfer. Rabbenu Bachje beschreibt den schlechten Trieb als "Mejsit und Mediach" – was bedeutet „Verführer und Verderber“. Se‘or und Dewasch repräsentieren den schlechten Trieb des Menschen, denn er lässt den Menschen überheblich sein (Se’or) und versüsst ihm das Schlechte (Dewasch). Da Chamez den Jezer Hara symbolisiert muss das Opfer, das für Sünde sühnt, ohne Chamez sein.

Rabbenu Bachje verbindet diese Idee dann mit der rabbinischen Lehre über das Verbot der Tora, am Pessach Chamez zu besitzen. Das Chamez-Verbot ist besonders schwerwiegend – wer Chamez isst, verdient die Karet-Strafe (Ausrottung) und man darf es nicht einmal besitzen. Unsere Weisen lehren, dass dieses Verbot die Tatsache symbolisiert, dass wir viel daran arbeiten müssen, um den schlechten Trieb aus unseren Herzen zu entfernen.

In seinem Werk Kad HaKemach, führt Rabbenu Bachje aus, dass die Verbote von (a) kein Chamez sehen zu dürfen (bal jera‘e) und (b) kein Chamez in seinem Besitz zu haben (bal jimaze) mit der Idee übereinstimmt, dass der schlechte Trieb sich nicht durch (a) unsere Taten (wird gesehen) und (b) unsere Gedanken (im Besitz) offenbaren soll. Gleich wie es uns befohlen wird, den Chamez zu vernichten, so wird uns auch befohlen, den schlechten Trieb zu vernichten.

Raw Awigdor Nebenzahl zitiert das Gebet des Amora (Talmudgelehrter) Raw Alexandri [Brachot 17a], nach seiner Schmone Esre (Tefilat Amida), als Quelle des Talmuds für eine Verbindung zwischen Säuerungsmitteln und dem schlechten Trieb: Es ist Dir, Haschem, offenbart und bekannt, dass es unser Wunsch ist, Deinen Willen zu tun und was hält uns davon ab? Das Säuerungsmittel in unserem Teig (Se’or sche'Be’issa) und fremde Obrigkeit (Schibud Malchujot). Raschi stellt dort "Se’or sche'Be’issa" mit dem Jezer Hara gleich.

Raw Nebenzahl erklärt diese Metapher. Wenn man Hefe den anderen Zutaten in einem Challa Rezept beifügt, so geht die kleine Menge Teig plötzlich auf, sodass er die ganze Schüssel füllt. Wie geschieht dies? Es ist keine Magie. Es ist das Kohlenstoffdioxid, ein saures, unbrennbares, farb- und geruchloses Gas, das CO2, das durch die Mischung von Mehl, Wasser und Hefe geschaffen wird. Wenn man nach dem Aufgehen seinen Finger in den Teig steckt, so fällt der Teig in sich zusammen.

Deshalb ist "Se’or" gleich wie der "Jezer Hara". Der "Jezer Hara" erscheint uns als enorme Macht von grossem Ausmass. Doch eigentlich ist alles Luft. Wenn wir ihn durchstechen, wird er in sich zusammenfallen. Der “Jezer Hara" ist eine Illusion. Wir haben alle unsere "Jezer Haras" – manchmal für Geld, manchmal für Ehre und manchmal für Unsittlichkeit. Doch es ist alles ein Bluff. Leidenschaft und Körperlichkeit sind immer grösser im Abstrakten, als in der Realität. Erwartung und Vorfreude übersteigen immer die echte Sache, bei materiellen Dingen. Wir denken, der "Jezer hara" ist unbesiegbar, doch das meiste ist Nichtigkeit. Aus diesem Grund wird der schlechte Trieb mit Hefe verglichen.

Raw Nebenzahl fügt dem das folgende hinzu: Als Ja’akow mit seiner Familie vor seinem Schwiegervater Lawan flüchtete, stahl Rachel Lawans "Terafim" (Götzen), verstaute sie in den Taschen ihres Kamels und setzte sich auf sie um sie vor ihrem Vater zu verstecken. Der Ibn Esra und viele andere erklären, basierend auf den Sohar, dass die "Terafim" gewisse magische Kräfte hatten, wegen den Kräften der Tum’ah (Unreinheit) in der Welt. Lawan war ein Magier und benutzte diese "Terafim" um Informationen über die Zukunft zu erlangen. Der Sohar sagt, dass Rachel befürchtete, dass Lawan diese "Terafim" benutzen würde, um Ja‘akow aufzuspüren und deshalb versuchte sie sie zu verstecken.

Der Sohar fragt: Wenn dies Rachels Motiv war, weshalb versteckte sie die “Terafim" nicht in Charan oder warf sie in den Fluss? Weshalb nahm sie sie mit sich? Der Sohar antwortet, dass solange die "Terafim" nur irgendwo versteckt wären, würden sie immer noch funktionierten und Lawan hätte sie mit seiner Kraft der Zauberei benutzen können, um Ja‘akow zu finden. Nur dadurch, dass sie auf den "Terafim" sass, wurde deren Kraft deaktiviert. Wenn ein Mensch absolute Geringschätzung für Götzen zeigt, so wird ihre Kraft annulliert. Awoda Sara hat nur dann Kraft wenn man ihr Kraft gibt. Wenn man Awoda Sara geringschätzt, so verliert sie ihre Macht.

Raw Nebenzahl weist darauf hin, dass das Konzept von Bitul (geistige Annullierung) nur zweimal in der Halacha vorkommt – bei Chamez und bei Awoda Sara. Die Erklärung eines Jehudi, dass Chamez bedeutungslos sein soll gleich Staub der Erde, bestimmt diesen aus der Sicht der Halacha als kein Chamez und gleicht dem Staub der Erde (bezüglich des Verbots, es zu besitzen). Wenn ein Nichtjude seinen Götzen annulliert und ablehnt, so ist dieser aus der Sichtweise der Halacha keine Awoda Sara mehr.

Chamez ist der Jezer Hara, der gänzlich aus CO2 besteht – aus Gas. Der Jezer Hara ist ein Haufen heisser Luft. Er besitzt Macht, weil wir ihm diese geben. Um diese Macht ausser Gefecht zu setzen, müssen wir sie annullieren. Das sollten wir am Pessach tun. Gleichermassen muss man demonstrieren, dass Awoda Sara bedeutungslos ist, um sie loszuwerden. Dann verliert sie ihre Macht.

Deshalb wird Se’or mit dem schlechten Trieb verglichen. Es sieht gross und eindrücklich aus, doch man muss nur den Finger reinstecken und er fällt in sich zusammen. Dies lernen wir von Bitul Chamez.

Behandelt den Jezer Hara wie das was er wirklich ist und seine Macht wird verschwinden!



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