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/Paraschat BeHar

Raw Frand zu Parschat Wajikra 5770

Um glauben zu können, muss man zuerst vertrauenswürdig sein

Das folgende basiert auf einer Idee, welche ich von Raw Matitjahu Salomon gehört habe. Es war eigentlich eine Rede zu Pessach, doch es hat auch eine Verbindung mit unserer Parscha.

Im ersten Passuk in Parschat Wajikra steht: "Er rief Mosche, und Haschem sprach zu ihm aus dem Stiftzelt, sagend (lejmor)" [Wajikra 1:1] Der Talmud lehrt uns, das Wort ‚lejmor‘ bedeutet, es anderen weiter zu sagen. Der Talmud lernt von hier, dass man privat erhaltene Informationen nur nach ausdrücklicher Zustimmung des Erzählers andern weitergeben darf. [Joma 4b] Dies ist als das Verbot von ‘Gilui Sod‘ – ‚Offenbarung eines Geheimnis‘ bekannt.

In der nichtjüdischen Welt existiert das Konzept des Arztgeheimnisses, des Anwaltsgeheimnis, wonach der Arzt oder Anwalt keine Informationen weitergeben darf, die ihm im Vertrauen mitgeteilt worden sind. Gemäss der Halacha, ist dieses Verbot viel umfassender und betrifft jeden Jehudi.

Der Jalkut in Parschat Emor sagt, dass die Jehudim im Verdienst von vier Dingen aus Ägypten erlöst wurden. Die drei ersten sind allen bekannt: Sie änderten weder ihre Namen, ihre Sprache noch ihre Kleidung. Das vierte, so sagt der Midrasch, war, dass sie kein Laschon Hara (üble Nachrede) sprachen. Als Beweis, dass sie in Ägypten kein Laschon Hara sprachen, zitiert der Midrasch, dass sie ein Geheimnis für sich behalten konnten. Das Geheimnis, das sie für sich behielten war Haschems ursprüngliche Botschaft zu Mosche in Parschat Schemot: "Ich werde die Jehudim aus Ägypten führen aber bevor Ich sie aus Ägypten nehme werden sie zu ihren Nachbarn gehen und um ihre goldenen und silbernen Gefässe bitten.“ Die Jehudim hörten diese Prophezeiung bevor die Plagen begonnen hatten und niemand verriet den Ägyptern, dass sie vor ihrem Auszug die Ägypter von ihrem Gold und Silber befreien würden! Die Ägypter ahnten nichts, da kein Jehudi das Geheimnis verriet.

Die Frage muss aber gestellt werden – was ist der Zusammenhang zwischen den hüten eines Geheimnisses und der Vorschrift, kein Laschon Hara zu sprechen? Die Antwort darauf ist eigentlich ein ausdrücklicher Passuk in den Sprüchen: "Wer als Verleumder umhergeht, enthüllt Geheimnisse" [Mischlej 11:13]. Das eigentliche Problem mit jenem, der andere verleumdet, ist, dass man ihm nicht trauen kann. Wenn jemand andern ausplaudert, was man ihm im Vertrauen mitgeteilt hatte, so existiert, abgesehen vom Aspekt der üblen Nachrede (Rechilut) ein wesentliches Problem: Das Wort dieses Menschen ist kein Wort. Man kann ihm nicht trauen.

Der Midrasch lehrt uns, der Grund, weshalb sie aus Ägypten erlöst wurden, ist unter anderem, weil sie ein Geheimnis für sich behalten konnten. Was war eigentlich so besonders daran, dass sie ein Geheimnis bewahren konnten?

Bevor wir diese Frage beantworten, lasst uns ein anderes Ereignis zu Beginn des Sefer (Buch) Schemot in Betracht ziehen. Als Mosche Rabbejnu noch in Ägypten war, sah er einen Ägypter, der einen Jehudi schlug. Er tötete den Ägypter. Am nächsten Tag sah er zwei Jehudim, die miteinander stritten. Er wandte sich an den Schläger und sagte, "Bösewicht, weshalb schlägst du deinen Nächsten?" Der Schläger wandte sich an Mosche und sagte "Aha, planst du etwa, mich so zu töten, wie du den Ägypter getötet hast?" Mosches Reaktion war "Siehe, die Sache ist bekannt geworden" (Achen noda haDawar) [Schemot 2:11-14].

Raschi erklärt, dass die Worte ‘Achen noda ha'Dawar’ nicht bloss bedeuten "siehe, das Geheimnis ist enthüllt". Vielmehr bedeuten die Worte: "Siehe nun verstehe ich (also – nun ist es MIR bekannt) was Israels Sünde war, dass sie als Sklaven leiden müssen.“ In anderen Worten, Mosche verstand nun, weshalb die Erlösung noch nicht gekommen war. Weil sie kein Geheimnis für sich behalten konnten.

Wir sehen also vom Beginn der Geschichte in Schemot, dass die Erlösung aus Ägypten, von Israels Fähigkeit Geheimnisse zu bewahren, abhing. Wieder müssen wir fragen, was ist so bedeutungsvoll an der Fähigkeit, ein Geheimnis für sich zu behalten?

Die Antwort ist, dass es beim Auszug von Ägypten darum ging, an das Wort von Haschem zu glauben und es zu erfüllen. Der ganze Zweck des Auszugs war, die Torah zu erhalten und an Haschem zu glauben. Wenn Haschem uns sagt, gewisse Dinge zu tun, so müssen wir glauben, dass diese Dinge getan werden müssen!

Raw Matitjahu Salomon sagt, dass man nicht glauben (ma'amin sein) kann, wenn man nicht zuerst vertrauenswürdig (ne'eman) ist. Man kann nicht in das Wort G’ttes glauben, wenn man nicht selbst ein Mensch ist, der ein Wort schätzt. Wenn es nichts bedeutet, wenn ich etwas sage, weshalb soll ich es dann glauben, wenn G’tt etwas sagt? Je vertrauenswürdiger ein Mensch ist und je genauer er seine eigenen Worte nimmt, desto loyaler wird er zu den Worten des Ewigen sein.

Zu Beginn der Geschichte des Exodus, sagte Mosche: "Ich weiss, weshalb sie noch hier sind – denn sie können kein Geheimnis bewahren." Was änderte sich also, dass sie nun die Erlösung verdienten? Als Mosche viele Jahre später nach Ägypten zurückkehrte, vertraute ihnen Haschem ein Geheimnis an, das sie nicht verrieten. Da sie dieses Geheimnis behielten, wusste Haschem, dass man ihnen jetzt vertrauen konnte und dass sie die Erlösung verdienten.

Da sie das Geheimnis nicht verrieten, dass sie Gold und Silber aus Ägypten nehmen würden, konnte ihnen vertraut werden, dass ihnen Haschems Wort, wenn er ihnen sagen wird "Ich bin der Ewige, euer G‘tt", etwas bedeuten wird.

Jeder Jom Tow (Feiertag) hat seine eigenen Mizwa. Die Mizwa der Nacht von Pessach ist, dass wir zu Ma'aminim (Glaubende) werden. Um jedoch Ma'minim zu werden, müssen wir zuerst Ne'emanim (vertrauenswürdig) sein.



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