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Tochecha: Die am schwersten zu erfüllenden Mizwa - Rav Frand zu Acharej Mot - Kedoschim 5780 (Beitrag 2)

Übersetzung und Ergänzungen: S. Weinmann

Tochecha: Die am schwersten zu erfüllenden Mizwa

In der dieswöchigen Parascha (Kedoschim) heisst es: "Du sollst deinen Mitmenschen zurechtweisen..." [Wajikra 19:17] Es gibt eine positive Mizwa, den Mitjuden zu tadeln, um ihn auf den richtigen Weg zu bringen, wenn man sieht, dass er etwas falsch macht. Der Ketaw Sofer schreibt in seinen Responsen [# 57], dass dies die am schwierigsten zu erfüllenden Mizwa ist. Die Person, die die Zurechtweisung ausspricht, muss all ihre Intelligenz einsetzen, um sorgfältig zu messen, wie und was zu sagen, und muss auch die Eventualität in Betracht ziehen, dass es besser ist, überhaupt nichts zu sagen.

Ich würde sagen, dass es in 99 von 100 Fällen besser ist, in diesen Situationen nichts zu sagen. Ich spreche nicht von einem Elternteil eines Kindes oder einem Rabbiner seiner Gemeinde, aber es ist normalerweise besser, dem Mitmenschen nichts zu sagen. Der Chason Isch bringt diese Regel in Hilchot Schechita. Man muss die Worte sorgfältig abwägen, wenn man möchte, dass sie wirksam sind; jedoch sind die meisten Menschen einfach nicht in der Lage, angemessene „Tochecha“ zu geben.

Der Chafez Chajim war einmal auf Reisen und kam in ein jüdisches Gasthaus. Er setzte sich hin und sah, dass eine andere Person das Gasthaus betrat. Diese Person war anscheinend ein äusserst grober Mann. Er sass an einen Tisch hin und rief dem Wirt zu, er solle ihm etwas zu essen bringen. Er bat um eine gebratene Gans und Wodka dazu. Als das Essen zu ihm gebracht wurde, verschlang er es ohne eine Beracha (Segensspruch) zu sprechen und war für alle um ihn herum völlig abscheulich - eine wirklich widerliche Person. Der Chafez Chajim wollte zu ihm hingehen und sagen, dass ein solches Verhalten unangemessen und inakzeptabel sei. Als der Wirt sah, dass der Chafez Chajim sich dem Mann nähern wollte, ging er schnell zum Chafez Chajim und sagte: "Ich muss Ihnen etwas über diese Person erzählen."

In der Zeit der Zaren zogen die Russen Juden in die zaristische Armee ein. Sie fassten viele Jungen und brachten sie in die Armee des Zaren Nikolaus ein. Als sie diese Kinder wegnahmen, war es nicht für 2 oder 3 Jahre - es war für 35 Jahre. Es war eine lebendige Hölle. Der Wirt erklärte dem Chafez Chajim, dass diese Person im Alter von 7 Jahren aus der jüdischen Gemeinde entfernt wurde und gezwungen war, 35 Jahre lang in der Zarenarmee in Sibirien und anderswo zu bleiben. Er kenne sogar die Form des Buchstabens Alef nicht. Er hat keine Manieren, weil er nie irgendeine jüdische Erziehung bekommen hat. Er hat niemals Tora gelernt, weil er die Gelegenheit dazu nie hatte. Er ist in der Tat eine Person ohne jegliche spirituellen Eigenschaften, ausser die Tatsache, dass er sich immer noch daran erinnere, dass er Jude ist.

Der Chafez Chajim ging zu diesem Mann hin und sagte ihm: „Ich bin neidisch auf Ihren Anteil in der kommenden Welt. Es ist erstaunlich, dass Sie nach all Ihren misslichen Erfahrungen Jude bleiben wollen und nicht zum Christentum konvertieren. Ihre Prüfung (Nissajon) ist grösser, als die von Chananja, Mischa’el und Asarja“ [Daniel 3]. Der Mann begann zu weinen. Von diesem Tag an war er dem Chafez Chajim sehr verbunden und wurde ein vollständiger Ba’al Teschuwa.

Der Passuk sagt: „Weise keinen Spötter zurecht, damit er dich nicht hasst, weise einen weisen Mann zurecht und er wird dich lieben“ [Mischlej/Sprüche 9: 8]. Der Schelah HaKadosch interpretiert diesen Passuk so, dass er eine ganz andere Botschaft lehrt: „Appelliere bei jedem Menschen nicht an den Spötter in ihm, damit er dich nicht hasst, sondern appelliere an den Weisen in ihm, damit er dich liebt.“

Jeder Mensch hat Qualitäten, egal wie entartet oder geistig niedrig er gesunken ist. Wenn du dich bei der Zurechtweisung einer Person auf seine Fehler und negativen Eigenschaften konzentrierst, wirst du keinen Erfolg haben, die Verhaltensweisen der Person zu korrigieren. Das Ergebnis wird eher sein, dass die Person dich hasst, weil du sie zurechtgewiesen hast. Wenn du dich jedoch auf die Qualitäten und positiven Eigenschaften der Person konzentrierst und den „Weisen“ in ihm siehst, wird sich diese Person mit dir verbinden, dir zuhören und dich schliesslich lieben.

Genau das tat der Chafez Chajim mit diesem jüdischen russischen Soldaten, der so unhöflich und widerlich war. Hätte er sich auf seine Grobheit konzentriert, wäre dieser Kerl ein Grobian geblieben und hätte den Chafez Chajim gehasst. Im Kehrum verstand es der Chafez Chajim das Positive in dieser Person zu finden und so eine Verbindung herzustellen, die ihn schliesslich auf den richtigen Weg zurückbrachte.

Quellen und Persönlichkeiten:

  • 1. Schela'h Hakadosch - Rabbi Jeschajahu ben Awraham Halevi Horowitz (Hurwitz) (1558 - 1630): Bekannter Kabbalist, Halachist und Gemeindeführer; mit dem Akronym "Schela'h" - nach einem seiner Hauptwerke „Schenej Luchot HaBrit“ (Die zwei Gesetztafeln) - genannt; Prag, Frankfurt a/M., Jerusalem, Tiberias.
  • 2. Chafez Chajim (1838-1933): Rav Jisrael Me’ir HaKohen von Radin. Autor grundlegender Werke zu jüdischem Recht und jüdischen Werten (Halachah, Haschkafah und Mussar). .

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Die Bearbeitung dieses Wochenblatts erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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