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Raw Frand zu Parschat Kedoschim 5761

Wie können wir die Mizwa von Orlah besser verstehen?

Ein Passuk (Vers) in Parschat Kedoschim zitiert das Gesetz von Orlah: "Wenn du in das Land kommst und Fruchtbäume pflanzt, sollst du die Früchte als zum Genuss verboten hängen lassen" [Wajikrah 19:23]. Alle Baumfrüchte in den ersten drei Jahren, nachdem ein Baum im Lande Israel gepflanzt wurde, sind verboten. Im vierten Jahr sind die Früchte heilig und heissen "Neta Rewaj" (Viertjahresfrüchte) und können nur in Jeruschalajim verzehrt werden. Erst im fünften Jahr können die Früchte ohne Einschränkungen gegessen werden. Nach diesen Gesetzen schliesst die Torah mit den Worten: "Und im fünften Jahr darfst du seine Früchte essen; damit vergrössert sich deine Ernte. Ich bin der Herr." [19:25]

Raschi erklärt diesen Abschluss als einen besonderen, persönlichen Segen. Drei Jahre lässt man die Früchte verderben. Auf lange Sicht jedoch wird G'tt dies ausgleichen und wir werden eine Riesenernte von diesem Baum einbringen. Rabbi Akiva pflegte zu sagen, dass dieser Segen einem Menschen helfen soll, das innerliche Gefühl ("Dibra Torah ke'neged Jezer harah"), das ihn von dieser Mizwa (Gebot) abhält, zu bekämpfen.

Viele Mizwot (Gebote) der Torah verlangen, dass wir in unsere Tasche greifen. Es gibt das Gebot, die Ecke eines Feldes für die Armen stehen zu lassen ("Peah"), es gibt viele Priestergaben (Terumot, Ma'asroth etc.). Die Torah verlangt also hier nicht zum ersten Mal ein finanzielles Opfer von uns.

Und trotzdem: Beim Abschnitt über Terumah (Priesterabgabe) sagt uns die Torah nicht: "Keine Angst: Du erhältst alles zurück." Wenn es um die Gesetze von Leket, Schik’chah und Peah (siehe Glossar) geht - alles Sachen, die man auf dem Feld für die Armen zurücklassen muss - sagt die Torah nicht: "Keine Angst, am Ende wird alles gut." Auch beim Verzehnten der Viehherden (Ma’asser Behemah) oder bei den anderen Opfern verspricht die Torah nie eine finanzielle Entschädigung. Wieso ist denn die Torah gerade bei Orlah so besorgt, dass sich ein Mensch über die Kosten der Mizwa Gedanken macht und das Gebot vernachlässigt, falls er keine Garantie erhält, dass es sich auf lange Sicht auszahlt?

Rav Mordechai Rogov gibt dazu eine schöne Erklärung: Bei Orlah ist die Situation aussergewöhnlich. Wenn jemand seine Ernte verzehntet, empfindet er nicht, dass er Zeit vertan hat. Bei Orlah hingegen verlangt die Torah, dass wir die Mühen und Anstrengungen von drei Jahren aufgeben, drei Jahren unseres Lebens. Die Torah verlangt von uns, dass wir etwas weggeben, das unersetzlich scheint: ZEIT.
Verzehnten bedeutet Geld. Die Gaben für den Priester und den Leviten sind Geld. Geld ist ersetzbar, Jahre nicht.

Ein weiser Mann sagte einmal: "Der Mensch denkt immer an den Geldverlust, aber nie an den Verlust seiner Tage. Sein Geld kehrt zurück, aber seine Tage nicht."

Dies ist der Grund, wieso Orlah eine spezielle Garantie braucht: G'tt muss zusichern, dass die Mühe nicht verloren ist. Die Zeit trägt "Früchte". Dank der Zusicherung der Torah kann die Pflicht von Orlah leichter geschluckt werden.


Glossar:
Terumah (Gabe, Hebe) (Mehrzahl Terumot): Erhobener Anteil; ungefähr 2% der Ernte, welche dem Kohen (Priester) abgegeben werden muss.
Ma'asser ( Zehnt) (Mehrzahl Ma'assrot): zehn Prozent der Ernte, welche dem Leviten abgeliefert werden muss.
Peah (Ecke): Ecke des Feldes, welche für die Armen stehengelassen werden muss.
Leket (Lese): Nachlese einzelner Ähren, die während der Ernte heruntergefallen sind; sie müssen für die Armen liegengelassen werden.
Schik’chah (Vergessenes): Garben, die bei der Ernte vergessen wurden, müssen für die Armen liegen bleiben.



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