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/Paraschat Ki Tawo

Rav Frand zu Paraschat Behar 5779

Die Prüfung zu den Chukim und die Prüfung zu den Mischpatim

Der Passuk (Vers) sagt: "Und ihr sollt meine 'Chukim' ausführen ("we'assitem") und meine ‘Mischpatim‘ sollt ihr hüten ("tischmoru") und so werdet ihr ungefährdet im Lande leben" [Wajikra 25:18]. Die Thora benützt verschiedene Verben für den Bezug auf die ‘Chukim‘ bzw. ‘Mischpatim‘.

‘Chukim‘ sind diejenigen Thoragesetze, deren Bedeutung nicht klar ist, beispielsweise das Verbot Schatnes (eine verbotene Mischung von Wolle und Leinen) zu tragen und das Verbot Chasir (Schweinefleisch) zu essen. ‘Mischpatim‘ sind diejenigen Gesetze, deren Grund wir kennen - "sie machen Sinn". Beispiele dafür sind das Verbot zu Stehlen oder Bestechung anzunehmen. Diese Gesetze werden auch von jeder normalen und vernünftigen Gesellschaft beachtet.

Auffallend ist, dass die Thora bei Chukim sagt: "Ihr sollt meine Chukim AUSFÜHREN", während sie bei Mischpatim den Ausdruck: "Ihr sollt meine Mischpatim HÜTEN" verwendet. Woher kommt der Wechsel des Verbs "ausführen" zum Verb "hüten"?

Man kann dies damit deuten, dass die ‘Chukim‘ die schwierigsten Prüfungen und Herausforderungen sind, da diese scheinbar keinen Sinn machen. Das Beachten der Gesetze von Schatnes oder Kaschrut ist eigentlich zuwider jeder logischen Begründung. Aus diesem Grund ist das Einhalten der ‘Chukim‘ an sich bereits eine Herausforderung.

Bei den ‘Mischpatim‘ ist die Prüfung anders gelagert. Es ist allen klar, dass Stehlen oder Töten ein Unrecht ist. Eine Gesellschaft kann nicht überleben, wenn sich die Menschen gegenseitig umbringen. Die Thora sagt jedoch, dass es möglicherweise Gemeinschaften gibt, die sagen, dass es in gewissen Situationen richtig ist, den Schritt zu wagen und Menschen umzubringen.

Kürzlich wurde vom Fall eines Ehemannes geschrieben, der zusehen musste, wie seine Frau litt und sie, um sie von ihrem Leiden zu erlösen, umbrachte. Bei diesem Mord könnte ein Mensch denken, dass er vielleicht erlaubt sei. Aus diesem Grund sagt die Thora, dass wir die Mischpatim HÜTEN sollen. Rühr' sie nicht an. Sage nicht, dass ein Gesetz nicht gilt, weil dessen Begründung in einer speziellen Lage nicht zutrifft. HÜTE sie und achte darauf, dass du nicht den Fehler machst, über den Grund dieses Befehls nachzusinnen. 

Wenn wir dieses Konzept anwenden, können wir den folgenden Midrasch verstehen. Der Midrasch erzählt, dass Salomon sagte: "Ich kann mir viele (Frauen) nehmen und ich werde (von den Gesetzen der Thora) nicht abschweifen." Da kam der Buchstabe "Jud" des Wortes (Lo) Jarbeh ("darf er sich (nicht) viele (Frauen)  nehmen") [Dewarim, 17:17] zu G'tt und beschwerte sich: "Salomon nimmt mich auf die leichte Schulter ("mewatel oti"); lass das nicht zu!" Der Midrasch endet, dass die Frauen Salomons es schliesslich schafften, ihn auf Abwege zu führen.

Der Midrasch weist darauf hin, dass König Salomon im Grunde fähig war, viele Frauen zu heiraten, ohne sich davon beeinflussen zu lassen. Nur die Mahnung des "Jud" veranlasste G'tt dazu, Salomon straucheln zu lassen. 

Der „Menorat HaMaor“ deutet diesen Midrasch wie folgt: Das Wort "WaJehi" (Waf-Jud-Hej-Jud) bedeutet "und es war" (Vergangenheit). Das Wort "Jehi" (Jud-Hej-Jud) wird mit "wird sein" (Zukunft) übersetzt.

Das Jud trat vor G'tt hin und argumentierte: "Nehmen wir an, dass Salomon imstande ist, vielen Frauen zu widerstehen. Aber was wird in Zukunft sein, wenn er sagen kann, dass die Gesetze der Thora für ihn nicht gelten?"

Wenn die Leute sehen, dass Salomon einen Präzedenzfall schaffen kann; wenn sie sehen, dass er ein "Mischpat" nehmen und die Begründung, die hinter dem zugehörigen Passuk steckt, deuten kann; wenn er dann sagt, diese gelte nicht für ihn - dann werden schlussendlich alle Mischpatim der Thora aufgehoben werden. In Zukunft kann jeder kommen und sagen: "Ich werde übertreten, aber das wird auf mich keinen Einfluss haben. Mich geht das nicht an. Dies ist eine Ausnahme von der Regel ..."

Das Jud (als Vertreter der Zukunftsform) kam und argumentierte: "Was wird aus mir? - Die Zukunft steht auf dem Spiel!" Wegen den künftigen Generationen darf man nicht aus Salomons Vorpreschen lernen und die Begründungen der Mischpatim nach eigenem Gutdünken deuten. Damit die Menschen auch in Zukunft die Mischpatim HÜTEN, war es nötig, dass Salomon durch seine Frauen zum Straucheln gebracht wurde.

Für die Chukim ist die Herausforderung das AUSFÜHREN. Für die Mischpatim besteht die Herausforderung im HÜTEN.

Quellen und Persönlichkeiten

Menorat HaMaor: Bedeutendes Werk von Rav Jizchak Abohaw (1453 – 1519), Spanien.

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Die Bearbeitung der Gedanken dieser Woche erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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