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Menschenpläne und das Schmunzeln des Allmächtigen - Rav Frand zu Paraschat Bamidbar 5780

Übersetzt und ergänzt von S. Weinmann

Menschenpläne und das Schmunzeln des Allmächtigen

In der Parascha dieser Woche lesen wir über die Zählung des Klal Jisrael als Ganzes sowie über der separaten Zählung des Stammes Levi. Die Zahl der Leviten ab einem Monat betrug 22'000 Männer. Den Ramban (wie auch vielen anderen Tora-Kommentatoren) stört die Tatsache, dass es so wenige Leviten gab. Wir lesen in der Volkszählung der anderen Stämme (die erst ab dem 20. Lebensjahr gezählt wurden!), dass es Stämme mit über sechzig- oder siebzigtausend Männern gab. Warum gab es - relativ gesehen - so wenige Leviten?

Der Ramban bemerkt die Ironie der Sache [Bamidbar 3:14]. Die Leviten waren schliesslich die          g-ttlichen Diener. Sie waren die Diener des Allmächtigen und seine ergebenen Anhänger (Awadaw weChassidaw). Warum genossen sie nicht den gleichen Segen der Fruchtbarkeit, den die anderen Juden in Ägypten erlebten?

Der Ramban legt nahe, dass diese Diskrepanz die Lehre unserer Weisen [Midrasch Tanchuma Wa’era 6, zitiert in Raschi Schemot 5:4] stützt, dass der Stamm Levi in Ägypten nicht versklavt wurde. Sie wurden nie Sklaven des Pharaos. In Anbetracht dieser Tatsache veranlasste der Segen „je mehr sie es (das Volk) unterdrückten, desto mehr vermehrte es sich“ [Schemot 1:12], dass der Stamm Levi sich nicht vermehrte. Denn die Versklavung verursachte die Vermehrung durch einen speziellen Segen, wie Raschi anfangs Schemot [1:7] unsere Weisen [Midrasch Tanchuma Schemot 5] zitiert: „Sie gebaren sechs in einem Mutterschoss“. Da die Leviten nicht unterdrückt wurden, fehlte ihnen der spezielle Segen der Vermehrung und vermehrten sich deshalb nur in einem ganz gewöhnlichen Rahmen.

Der Be'er Josef zitiert einen Midrasch Rabba [Wa’era 10], der den Grund für die Plage des Blutes erörtert: Die Ägypter - in ihrer Verschwörung, das jüdische Volk auszurotten – erlaubten den jüdischen Frauen nicht, in den ägyptischen Gewässer einzutauchen (Tewila in der Mikwa, in Vorbereitung auf die Wieder-aufnahme der ehelichen Beziehungen zu ihren Männern). Daher nutzte  G-tt  sein Attribut, die Ägypter mit „Mass für Mass“ zu bestrafen, indem er als erste Plage die ägyptischen Gewässer mit Blut schlug.

Es gibt einen Midrasch Tanchuma [Mezora 9], der den oben zitierten Midrasch Rabba ergänzt. Rabbi Levi erklärt, dass die jüdischen Frauen in Ägypten wegen ihrer Angst vor den Ägyptern kein Blut der Menstruation gesehen hätten. Dies steht im Einklang mit der talmudischen Lehre, dass Furcht (Menstruations-) Blut absetzt [Sotah 20b].

Dies ist ein Beispiel für die Lehre, die wir jeden Morgen im Schacharit-Gebet zitieren: „Viele Gedanken sind im Herzen des Menschen, aber der Plan des Ewigen wird verwirklicht werden“ [Mischlej/Sprüche 19:21]. Die Ägypter versuchten, die Juden zu unterdrücken und ihnen den Zugang zur Mikwe zu verwehren, aber gerade die Unterdrückung der Ägypter liess die Frauen in solch einem Mass erschrecken, dass sie kein Blut sahen und daher keine Mikwe benötigten, was ihnen entschieden erlaubte, aussergewöhnlich fruchtbar und zahlreich zu werden.

Der Stamm Levi wurde jedoch nicht unterdrückt. Ihre Frauen hatten keine Angst und waren nicht von der ägyptischen Versklavung betroffen. Diese Frauen hatten vermutlich Menstruationsperioden, aber hatten leider ein Problem, da ihnen in Ägypten keine Mikwe zur Verfügung stand. Ironischerweise war die Situation genau umgekehrt, als wir es erwarten würden, dass ihnen mangels Unterdrückung die Situation ermöglichen würde, zahlreicher zu werden als andere Stämme.

Die Lehre aus dem oben Gesagten lautet wie folgt: Oft im Leben betrachten wir eine Situation und sind uns sicher, was die Folge al Derech haTewa [basierend auf natürlichen Erwartungen] sein wird, wie z.B. hier: „Die Leviten, die nicht unterdrückt sind - die werden gedeihen. Der Rest der Juden wird dahinschwinden“. 

Die Tora lehrt uns, dass eben oft das Gegenteil - wie hier - eintritt. Wie das bekannte Sprichwort in Jiddisch lautet: “Der Mensch tracht un G-tt lacht“. [Der Mensch hat Pläne und der Allmächtige belächelt sie.]

Quellen und Persönlichkeiten:

  • 1. Midrasch Rabba (der grosse Midrasch): Grosse Sammlung von Erklärungen und Aggadot zum Chumasch der Tana’im (Mischnagelehrten) und Amora’im (Talmudgelehrten).
  • 2. Midrasch Tanchuma: Sammlung von Erklärungen und Aggadot zum Chumasch. Wird nach dem Amora (Talmudgelehrten) Rabbi Tanchuma Bar Abbabenannt, da er am häufigsten in diesem Midrasch zitiert wird. Er war ein jüdischer Amora der 6. Generation, einer der bedeutendsten Aggadisten seiner Zeit.
  • 3. Ramban: Rabbi Mosche ben Nachman (1194 - 1270); Gerona, Spanien; Erez Israel; einer der Haupterklärer des Chumasch (fünf Bücher Moses), wie Verfasser weiterer Werke in Haschkafa (Kitwej haRamba“n) und Abhandlungen zum Talmud.
  • 4. Rabbi Josef Zwi Salant (1885 - 1981); war berühmt durch seine beliebten Schiurim. Verfasser von "Be‘er Josef", Jerusalem, Israel.

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Die Bearbeitung des Beitrages dieser Woche erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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