Elul
/Paraschat Ki Tawo

Raw Frand zu Parschat Nasso 5770

Der gemeinsame Nenner zwischen langem Haar und einem rasierten Kopf

In dieser Parscha lernen wir die Gesetze von Nesirut. Ein Nasir ist ein Mensch, der zusätzliche Heiligkeit auf sich nimmt. Als Resultat dieser zusätzlichen Keduscha, ist es dem Nasir verboten, Wein oder Produkte aus Trauben zu geniessen, er darf in keinen Kontakt mit toten Körpern kommen und er muss sein Haar wild wachsen lassen.

Im Sefer HaChinuch (Mizwa 374) findet sich eine ausführliche Abhandlung über die Bedeutung, des wild wachsen lassen des Haares. Der Sefer HaChinuch schreibt, dass ein Mensch aus Körper und Intellekt besteht. In Wahrheit sehnen sich Neschama (Seele) und die geistige Seite des Menschen nach reiner Geistigkeit. Sie wollen nicht durch die Einschränkungen, die durch das körperliche im Menschen bedingt sind, gestört werden. Doch in Anbetracht der Realität des Lebens, ist es notwendig, sich um die Bedürfnisse des Körpers zu kümmern. Gleich wie ein kostbarer Gegenstand in einem Haus nur richtig beschützt und bewacht ist, wenn das Haus gepflegt wird, so ist es auch bezüglich der Neschama. Ein Haus, das nicht unterhalten wird, stürzt schlussendlich ein und begräbt unter sich den Schatz. Auch der Körper, worin die Neschama ruht, muss gefüttert und gepflegt werden.

Jehudim sind keine Asketen. Wir verweigern unserem Körper seine Bedürfnisse nicht, sondern kümmern uns auch um die körperliche Seite. Das "Haus" kann nicht existieren, wenn wir nicht darauf Acht geben. Der Nasir will jedoch ein Zeichen setzen und seine körperliche Seite abschwächen. Er tut dies, indem er die Bedürfnisse seines Körpers – teilweise – ignoriert. Er wählt eine sehr angemessene Art, um seine körperliche Seite abzuschwächen ohne seinem Körper zu schaden. Er enthält sich des Weins, denn Wein ist keine körperliche Notwendigkeit. In der gleichen Art lässt er seine Haare wachsen. Der Chinuch schreibt, dass Haare etwas sind, mit dem der Mensch sich allzu sehr beschäftigen könnte. Haare können zu einer grossen Attraktion werden und den Mensch verführen. Indem er aber seine Haare wild wachsen lässt, grenzt sich der Mensch von seiner Körperlichkeit ab.

Der Chinuch zitiert aus dem Talmud [Nedarim 9b] eine Aussage von Schimon haZadik bezüglich eines Nasir, den er besonders lobte. Schimon haZadik erkundigte sich bei dem jungen Nasir, weshalb er Nesirut auf sich genommen hatte. Der Junge, der ein Hirte war, erklärte, wie er einmal sein eigenes Spiegelbild im Wasser gesehen hatte und sich in sein eigenes Aussehen vernarrt hatte. Dadurch kam er auf unsittliche Gedanken. Spontan gelobte er ein Nasir zu werden. Ein Nasir muss sein Haar bis zum Ende des Nesirut wild wachsen lassen. Am Ende dieser Zeit bringt der Nasir diverse Opfer und muss sein Haar gänzlich abrasieren. „Deshalb – sagte der Hirte – beschloss ich ein Nasir zu werden, um die Beschäftigung mit meinem körperlichen Aussehen zu minimieren“.

Der Chinuch erklärt, dass sowohl der Prozess, die Haare lang wachsen zu lassen als auch jener des Abrasierens aller Haare, das gleiche Ziel erreichen. Der gemeinsame Nenner zwischen diesen zwei Prozessen ist, dass sie das Aussehen eines Menschen abschwächen –- er sieht weniger wie ein „Mensch“ aus. Wenn wir jemanden sehen, dessen Haare ganz wild sind, so denken wir, dass er „kein Mensch“ ist. Die gleiche Reaktion haben wir, wenn wir jemanden sehen, der kahl rasiert ist.

Raw Matitjahu Salomon bemerkte einmal, dass diese Idee des Sefer HaChinuch gut in die heutige moderne Welt passt. Wenn langes Haar oder keine Haare ein Widerspruch des natürlichen Bildes eines Menschen sind, weshalb sehen wir dann heutzutage so viele Menschen, mit entweder sehr langem Haar oder einem absichtlich rasiertem Kopf? Sind diese Menschen nicht mit der Aussage des Chinuch einverstanden, dass ein solches Aussehen "das Antlitz eines Menschen zerstört"?

Raw Salomon antwortet, dass wir heute einen anderen Sachverhalt haben. Heute sagt der Jezer Hara (böse Trieb): Ich muss kein Mensch sein. Ich will mich nicht wie ein Mensch benehmen. Heutzutage ist es ‘in’ zu sagen "Ich kann tun und lassen, was ich will!" Menschliche Würde kommt mit gewisser Verantwortung. Diese Verantwortung wird aber von vielen abgelehnt und deshalb werfen sie die menschliche Würde fort, da sie wissen, dass diese Würde zusammen mit der Verantwortung, ein anständiger Mensch zu sein, einhergeht. Heute wollen sehr viele kein Mensch sein, denn dann können sie tun und lassen was sie wollen.



Rav Frand, Copyright © 2010 by Rav Frand und Project Genesis, Inc und Verein Lema'an Achai / Jüfo-Zentrum.

Weiterverteilung ist erlaubt, aber bitte verweisen Sie korrekt auf die Urheber und das Copyright von Autor, Project Genesis und Verein Lema'an Achai / Jüfo-Zentrum und auf Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, sowie www.torah.org.

What do you think?

Send us feedback!

Drucken E-Mail

  • /parascha/46-nasso/1120-raw-frand-zu-parschat-nasso-5772.html
  • /parascha/46-nasso/570-raw-frand-zu-parschat-nasso-5769.html

Das diesjährige Schabbat-Projekt - von Oberrabbiner Warren Goldstein

WhatsApp Image 2018 11 01 at 16.12.30

Ein nicht beabsichtigtes Schabbat-Verbot

שולחן שבת

Schabbat - Gedenktag der Schöpfung und G-ttes Einflussnahme auf die Geschichte

שבת

Aktuell sind 934 Gäste und keine Mitglieder online

Jüdisches Leben in Zürich

jewish-zuerich

Jüdisches Leben in Zürich

Koschere Hotels
in der Schweiz

hotelinberge

Koschere Hotels